Ausgabe Nummer 24 (2005)

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Umsteiger geben Erfahrungen bekannt

Markt mit Natura-Beef und Natura-Beef aus biologischer Haltung gesättigt

Umsteiger geben Erfahrungen bekannt

Im Zentrum der Regionaltagung der Schweizerischen Vereinigung der Ammen- und Mutterkuhhalter (SVAMH) der Kantone Zürich, Thurgau und Schaffhausen standen zwei Betriebsbesichtigungen und das Gastreferat von Hans Staub, Präsident Zürcher Bauernverband.

Hansjakob Ott erzählt den Tagungsteilnehmern über seine Erfahrungen mit dem Tiroler Grauvieh. (tos)

An der Regionaltagung der Schweizerischen Vereinigung der Ammen- und Mutterkuhhalter (SVAMH) der Kantone Zürich, Thurgau und Schaffhausen bekannte sich Hans Staub, Präsident des Zürcher Bauernverbands und Vorstandsmitglied des Schweizerischen Bauernverbands, klar zur Ammen- und Mutterkuhhaltung. Mit der Umstellung auf Mutterkuhhaltung beweisen die Bauern Innovation und den Glauben an die Zukunft der Landwirtschaft. Dabei freute sich Staub, dass vor allem junge Bauern die Herausforderung annehmen und über eine grosse Motivation verfügen. Nach seinen Aussagen müssen die SAK-Beiträge nochmals überdacht werden. Die Forderung der Schweizerischen Milchproduzenten (SMP), die Direktzahlungen stärker an die SAK-Beiträge zu knüpfen, bringe den extensiven Mutterkuhhaltern empfindliche Einbussen. Nach Staubs Meinung darf die Umverteilung der Direktzahlungen weder Gewinner noch Verlierer generieren.

Auf Kraftfutter wird verzichtet

Rund 100 Mutterkuhhalter besuchten zu Beginn der Regionaltagung zwei Betriebe und erfuhren viel Wissenswertes über die Erfahrungen der beiden Betriebe mit Ammen- und Mutterkuhhaltung. Andreas und Ursula Gerber halten auf ihrem 29 Hektaren grossen Hof in Adetswil bei Bäretswil 29 Mutterkühe. Die Umstellung erfolgte im Jahr 1999, weil das Milchkontingent zu klein und der Arbeitsaufwand mit dem Milchvieh zu gross war. Das einzige reinrassige Tier auf dem Betrieb ist der Limousin-Muni. Bei den Kühen handelt es sich um F1-Kreuzeungen (Limousin 3 Braunvieh oder Limousin 3 Simmental). Andreas Gerber füttert kein Kraftfutter, sondern nutzt den vorhandenen Heuraum. Zudem werden Siloballen produziert. Im Sommer weiden die Kühe nur über Nacht. Jeden Tag lässt Gerber die Kühe auf eine neue Koppe. Ursula Gerber stellte die Anwendung der Magnetresonanztherapie bei Kälbern vor, welche auf grosses Interesse stiess. Wenn es die Arbeit auf dem Hof zulässt, arbeitet Andreas Gerber in einer Zimmerei, was zu einem willkommenen Nebenerwerb führt.

Tiroler Grauvieh eine noch seltene Rasse

Vor einem Jahr stellte der eingefleischte Braunviehzüchter Hansjakob Ott seinen Betrieb auf dem Manzenhub (800 m ü. M.) bei Wila, auf Tiroler Grauvieh um. Er glaubt, dass diese leichte Rasse in der Bergzone 1 bestens gedeiht. Das Fleisch, das er produziert, wird in seinem Restaurant als leckere Spezialität angeboten. Nach Otts Aussage war das gut gehende Restaurant mit ein Grund zur Betriebsumstellung. Er glaubt auch, dass er in den kommenden Jahren Zuchttiere der noch seltenen Rasse verkaufen kann.

Neue Absatzkanäle werden entwickelt

Auf grosses Interesse stiessen auch die Marktinformationen von SVAMH-Geschäftsführer Urs Vogt und Vizepräsident Konrad Langhart. Zurzeit ist der Markt mit Natura-Beef und Natura-Beef aus biologischer Haltung gesättigt, sodass die SVAMH vorderhand keine Neueinsteiger aufnehmen kann. Hingegen sind die Remonten für die Ausmast und F1-Kreuzungsrinder zurzeit gesucht. Wie die beiden erklärten, entwickelt die SVAMH neue Absatzkanäle; mit den Abnehmern laufen bereits Verhandlungen. Zu hören war auch, dass die SVAMH ihre Interessen bezüglich Agrarpolitik durchsetzen will. Gleichzeitig will man nach Langharts Angaben darauf achten, dass der Frieden mit den anderen Branchen, insbesondere mit den Milchproduzenten, erhalten bleibt. Dies aber nicht um jeden Preis, denn im Vordergrund stehen die legitimen Interessen der Mitglieder des SVAMH.

Mario Tosato