Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Umweltbewusste Energiegewinnung ist das Credo der Familie Sprenger

Ausgabe Nummer 16 (2016)

Jürg Sprenger und sein Vater Erwin sparen mit einer Biogasanlage und einer Photovoltaikanlage Energie und achten auf die Umwelt.

Es gebe verschiedene Gründe, weshalb er auf seinem Hof eine Photovoltaikanlage installieren liess, erklärt Jürg Sprenger, der mit seiner Familie in Wängi/TG einen landwirtschaftlichen Betrieb führt, welchen er von seinen Eltern übernommen hat. Es sei wichtig, dass man den Tieren, der Umwelt und der landwirtschaftlichen Nutzfläche Sorge trage. Er selber sei im Verwaltungsrat des Maschinen- und Betriebshelferrings (MBR) Thurgau, wo auch sein Bruder, Andreas Sprenger, arbeite. So sei es naheliegend, dass er sich beim MBR Thurgau informierte. Ein weiterer Vorteil sei, dass die Module vorwiegend aus Deutschland und nicht aus China stammen. Die Anlage, welche am 1. April 2015 in Betrieb genommen wurde, misst knapp 2000 Quadratmeter und hat eine Leistung von 310 Kilowatt pro Stunde. Die KEV verlange, dass der Strom an den Bund verkauft wird. Es sei aber möglich, den Strom wieder zurückzukaufen. «Ich kaufe beim EW Wängi (der KEV) einen Strommix aus erneuerbarer Energie. Es wäre eigenartig, Naturstrom zu produzieren und Atomstrom zu nutzen», meint Jürg Sprenger.

Der Quadratmeter kostet rund 300 Franken
Auf die Frage, wie man mit dem KEV-Abnahmevertrag öffentliche Gelder bekomme, antwortet Jürg Sprenger: «Das ging auch wieder über den MBR Thurgau, welcher den KEV-Antrag erstellte. Das Projekt kostete rund 700 000 Franken.» Die Dächer, auf denen Solarzellen installiert werden, müssen in gutem Zustand sein, um die Zellen tragen zu können. Gut eigenen sich Dächer, welche nach Süden ausgerichtet sind, Norddächer hingegen eher weniger, sagt Jürg Sprenger. Zuerst wurde der 40-jährige Eternit heruntergenommen und das Dach neu gedeckt. Alleine die Trafo-Station mit Leitung zum nächsten Trafo kostete rund 100 000 Franken. Auf den Quadratmeter gerechnet sind die Kosten rund 300 Franken. Teuer an der Anlage sind der Netzausbau und die Trafostation. Jeder Teilnehmer, der Strom bezieht, zahlt pro Kilowattstunde 1,2 Rappen in den KEV-Fonds. Von diesem Fonds werden die Kosten für erneuerbare Energien bezahlt.

Kontrolle via Internet
Den Vorteil seiner Anlage sieht Sprenger darin, dass sein Eigenkapital, welches er in die Anlage investierte, gut verzinst wird. Jeden Tag wird, beeinflusst von Wolken und Tageslänge, unterschiedlich viel Strom hergestellt. Die Anlage produziert aber immer das Maximum des Möglichen. Sie wird mittels Internet durch den MBR Thurgau ständig überwacht. So ist eine eigentliche Kontrolle durch die Besitzer nicht mehr nötig. Damit wird Jürg Sprenger also nicht belastet.

Bereits sein Vater war umweltbewusst
Sprenger erinnert sich, dass sein Vater Erwin bereits im Jahr 1983 die erste Biogasanlage selber baute; im Jahr 2006 wurde dann eine neue, grosse Biogasanlage erstellt. Im 2008 wurde in der Gemeinde Wängi (Weiler Anetswil) ein Nahwärmeverbund gebildet. Sprenger Bioenergie-Gewinnung realisierte zusammen mit zehn Hausbesitzern von Anetswil den Nahwärmeverbund. Das Blockheizkraftwerk (BHKW) liefert das heisse Wasser. Als Notheizung ist ein 200-Kw-Holzhackschnitzelofen installiert. Zusätzlich werden ein Schweinestall und Melkstand beheizt und das Heu getrocknet. Seine 80 Jersey-Kühe stehen Tag und Nacht auf der Weide und holen ihr Gras selber. So können die Traktorenstunden und Gülletransport um die Hälfte reduziert werden. Strom gespart werde auch mit der Heutrocknung und der Biogasanlage, erklärt Jürg Sprenger.


Mario Tosato










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