Ausgabe Nummer 4 (2012)

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Un-Ruhe-Zone

Das Stücklein Land, das mein Garten ist, ist nicht einfach «Meines». Es liegt in einer Gemeinde, ist in eine Zone eingeteilt, unterliegt den entsprechenden Gesetzen und stellt einen Wert dar. Wollte man nun etwas ändern, dann werden plötzlich ganz Viele anspruchsvoll und hellwach.

Auslöser für diese Gedanken war eine Meldung in der «Bauernzeitung» vom 13. Januar 2012: «Schock für Baulandbauern ». Es geht dabei um einen Entscheid des Bundesgerichts vom 2. Dezember 2011, wonach Landverkaufsgewinne massiv höher besteuert werden. Nun steht unser Dorf vor einer Zonenplanänderung; die Bauernbetriebe sind in der Landwirtschaftszone eingeteilt. Für viele Betriebe im Dorf stellt sich die Frage, wo verbleiben: in der Landwirtschaftszone zahlt man weniger Steuern, man darf aber mit den Immobilien nichts anderes als Landwirtschaft betreiben. In der Bauzone gelten zwar die entsprechenden Bauvorschriften, doch den zukünftigen Besitzern sind wenigstens nicht alle Hände gebunden. Mit den Hiobsbotschaften aus Lausanne entstehen dem Veräusserer jedoch dermassen Kosten, dass das angestrebte verdichtete Bauen in der Kernzone nicht mehr realisierbar scheint. Diese Geldabschöpfmöglichkeit wird offensichtlich höher bewertet als Strukturverbesserungen, Dorfbild oder Entwicklungsmöglichkeiten der Landwirtschaftsbetriebe.

Theorie ...
Um zu errechnen, auf welch teurem Pflaster unsere Blumen und unser Gemüse wächst, müssen der Einfachheit halber angenommene runde Zahlen herhalten. Wenn wir für den Umschwung 10 Aren à 5 Franken pro Quadratmeter in der Landwirtschaftszone rechnen, so bewirt- schaftet die Bäuerin eine Fläche von 5000 Franken. Das gleiche Grundstück in der Bauzone, wo ein Quadratmeterpreis von 200 Franken angenommen wird, stellt einen Wert von 200 000 Franken dar. Natürlich sind das meist nur theoretische Überlegungen, die Lage des Grundstücks ist schliesslich gegeben; Veränderungspläne von Seiten der Politik künden sich in der Regel an. Dem Zufallsprinzip in Bezug auf Zonenzugehörigkeit kann man nicht gross entrinnen, es erstaunt mich bloss bei jeder kleinsten Anfrage, welch grosse Arbeit sich viele Ämter mit «unserem» Bauernhof gemacht haben und machen. Da sind die landwirtschaftlichen Bewirtschafter gerade mal ein kleiner Teil von allen, die sich dort beschäftigen! So schön es sein mag, selber ein Rädchen im Ganzen zu sein, so befremdlich ist es, wie andere über unsere Existenzgrundlage, unseren Arbeitsplatz, unsere Häuser und Grundstücke verfügen.

... und Praxis ...
Es bleibt wohl an uns, zu überlegen, ob es mehr Spass macht, einen Platz zu wischen mit Ertrags- oder Verkehrswert – mühsam kann beides sein. Und Gartenarbeit auf buchhalterisch hoch bewertetem Niveau geht genau so in die Knochen wie auf einem simplen «Gmüesplätz», auch das Wohlbefinden der Pflanzen schert sich nicht um Zonenfragen. Zudem wird es auch langsam Zeit, sich zu fragen, was denn im kommenden Gartenjahr auf den Beeten gedeihen soll; die neuen Samenkataloge sind da und lassen so richtig eintauchen in Blüten- und Gemüseträume. Wenn’s draussen so richtig «grüsig» ist, dann macht das Planen und Auslesen drinnen an der Wärme erst recht Freude. Ich habe bei Samen Mauser eine Wucherblume entdeckt, die ich gerne einmal ausprobieren werde: Sunset soll mit herrlichen Farbtönen die Blumenbeete verzaubern und von Frühsommer bis Spätherbst blühen – genau so was kann ich brauchen! Im übrigen werden einmal mehr die altbewährten Sommerblumen Zinnien und Tagetes die Hauptsorten sein, wobei da immer wieder neue Züchtungen auftauchen. Besonders gefällt mir an diesen Blumen, dass sie eine kurze Anzuchtzeit haben; im April ausgesät, im Mai pflanzen und ab Juni blühen bis zum Frost. Salvien haben etwas länger, die säe ich gerne im März, damit die ersten Blüten nicht erst Ende August erscheinen.

... mit Blumenschmuck
Schon bald wird wieder für den Valentinstag geworben, dem Tag, da man sich Blumen schenkt. Ich tu dies auf meine Weise: um dieses Datum herum nehm’ ich, warm eingepackt, die Rebschere und verpasse den Geranien im Keller den Rückschnitt. So – hoffe ich wenigstens – schenke ich ganz viele Blumen an alle, die sie dann im Sommer sehen wollen. Alles was abgebrochen, schief oder verletzt ist, wird sowieso entfernt, bei den Efeugeranien belasse ich die Triebe wenn möglich so lange, dass die Kistchen ebenerdig aufgestellt werden können. Je älter die Pflanzen sind, desto mehr muss ausgelichtet werden, lieber weniger dafür starke Triebe, die einander nicht in Platz, Licht und Luft bekämpfen müssen. Auch die betagten, aufrechten Geranien werden kräftig zurückgeschnitten, ein paar Knospen pro Stängel genügen. Was dennoch zuviel ist, kann später nochmals ausgeklaubt werden, auch hier gilt: genug Platz einrechnen pro Pflanze (fünf Pflanzen für ein Kistli von 80 cm). Nach dem Rückschnitt die Pflanzen gut wässern und auf Läusebefall kontrollieren, ab Mitte März ans Licht stellen. Und dann warten auf das Wunder des Frühlings: Aus so kümmerlichen Resten werden wieder grosse, grüne, blühende Pflanzen. Noch ein Wort zu den Neujahrsvorsätzen: Dieses Jahr werde ich ganz bestimmt lange genug Geduld haben und nicht zu früh die ersten Tomätchen aussäen ...


Ruth Merk