Ausgabe Nummer 20 (2004)

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Unbefriedigende Situation bei den Aushilfskräften

Spezialkulturen verlangen nach «Hilfskräftestatut»
 
Unbefriedigende Situation bei den Aushilfskräften
 
Die Diskussion um das Ausländergesetz im Nationalrat hat das Thema «Saisoniers» wieder an die politische Oberfläche gespült. Dabei rufen Obst-, Gemüse- und Beerenbauern weniger nach Saisoniers nach «altem Muster» als vielmehr nach temporären ausländischen Erntehelferinnen und -helfern, wie man sie in allen industrialisierten Ländern bereits kennt.
 
«Alle westlichen Industrieländer kennen Regelungen für temporäre ausländische Arbeitskräfte mit Vertragslängen bis zu sechs Monaten», erklärt der Kesswiler Beerenproduzent Peter Knup. Er sei zwar kein Politiker, sagt Knup, der Vorstandsmitglied der Vereinigung Thurgauer Beerenpflanzer ist. Vielleicht spricht er aber gerade deswegen Klartext: «Ich verstehe wirklich nicht, warum ausgerechnet die Schweiz keine vergleichbare, flexible Regelung bekommen soll.» Exponenten aus der Thurgauer Obst- und Gemüsebranche teilen Knups Ansicht. Die landwirtschaftlichen Spezialzweige sind auf temporäre, ausländische Arbeitskräfte angewiesen, um Arbeitsspitzen zu bewältigen. Im Gemüsebau beträgt die optimale Dauer solcher Arbeitsverhältnisse etwa ein halbes Jahr – nämlich von Mai bis Oktober –, im Obstbau sind es die Erntemonate September und Oktober und im Beerenbau werden Aushilfskräfte sommers während drei bis vier Monaten benötigt.

Zu kurz – oder zu lang
Im Gemüsebau zeigen sich die Probleme der jetzigen Regelung am augenfälligsten: Praktikantinnen und Praktikanten bleiben mit drei oder vier Monaten zu wenig lang, «Jahresaufenthalter dagegen können auf vielen Betrieben während der Wintermonate kaum beschäftigt werden, und springen, sobald sie die Möglichkeit sehen, in eine andere Branche ab», macht Erwin Gamper, Präsident der Gemüseproduzentenvereinigung Thurgau-Schaffhausen klar.
Für den Egnacher Edwin Huber, seit Februar Präsident des Thurgauer Obstbauverbandes, ist eine schlanke Regelung der Arbeitskräftefrage «etwas vom Dringendsten, was ansteht». Gerade im Obstbau sei es frustrierend, wenn man das halbe Jahr über auf eine gute Ernte hin schaffe und dann die Leute für die Pflückarbeit nicht rekrutieren könne. «Warum soll man arbeitswilligen Leuten aus dem Ausland nicht die Gelegenheit bieten, in der Schweiz einen oder zwei Monate legal zu arbeiten und dabei ein Mehrfaches zu verdienen, als sie in ihrer Heimat bekommen würden?», fragt sich Edwin Huber. Schweizer Arbeitskräfte für solche Kurzeinsätze zu finden, sei nahezu unmöglich, sprechen sowohl Huber wie auch Knup aus Erfahrung. «Viele wollen lieber einen halben oder einen ganzen Tag pro Woche arbeiten, und dies das ganze Jahr über, aber solche Arbeitsstellen kann die Landwirtschaft kaum bieten», gibt Huber zu bedenken. Und Knup fügt an: «Sogar in Ländern mit Arbeitslosenquoten von sieben bis zwölf Prozent gibt es ausländische Erntehelferinnen und Erntehelfer.» Die Sozialverträglichkeit solcher Erntehelfer-einsätze steht für beide ausser Zweifel. «Das macht ja niemand ein Leben lang», argumentiert etwa Knup. «Die Gefahr, dass die Leute ausgenutzt werden, ist wirklich klein», beteuert Edwin Huber.

Im Ständerat lobbieren
Im Hinblick auf die anstehende Debatte im Ständerat will die Branche nun die politischen Verbindungen spielen lassen. «Der Schweizerische Obstverband sucht das Gespräch mit den Ständerätinnen und Ständeräten», sagt Edwin Huber. Und wie Bruno Hugentobler, Leiter der Fachstelle für Obst- und Rebbau am LBBZ Arenenberg, verrät, wollen die Thurgauer Gemüse-, Obst- und Beerenproduzenten auch mit den beiden Thurgauer Ständeräten an einen Tisch sitzen. (hil)
 
 
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