Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
22. Mai 2020


Und wenn das Herbizid nicht wirkt?

Ausgabe Nummer 18 (2020)

Sonnenblumen

Sonnenblumen sind eine Kultur, bei der die Herbizidbehandlung im Vorauflauf mit Bodenherbiziden durchführt werden muss. Diese Bodenherbizide müssen bis zwei Tage nach der Saat ausgebracht werden. Damit diese ihre gewünschte Wirkung zeigen, brauchen sie Bodenfeuchte. Doch diese war in der vergangenen Zeit nach der Saat nicht vorhanden. Nachdem nun etwas Regen gefallen ist, stellt sich die Frage nach der Wirkung der ausgebrachten Bodenherbizide. Grundsätzlich können diese noch eine reduzierte Wirkung auf alle noch nicht aufgelaufenen Unkräuter verzeichnen. Auf die bereits aufgelaufenen Unkräuter haben sie indes keine ausreichende Wirkung mehr. Je nach Saat und Behandlungszeitpunkt sowie der Bodenart kann die Wirkung unterschiedlich sein.

Eine genaue Feldkontrolle lohnt sich. Vor allem müssen die aufgelaufenen Unkrautarten und derer Schadpotenzial auf den Sonnenblumenertrag oder die Erntbarkeit erkannt werden. Situativ muss dann gehandelt werden. Entweder kann man den Bestand belassen, ohne dass man Schritte unternehmen muss, oder aber man muss handeln.

Nachauflauf, kaum eine Alternative
Aktuell gibt es nur bewilligte Gräserherbizide im Nachauflauf bei Sonnenblumen, breitblättrige Unkräuter können chemisch nicht mehr bekämpft werden. Eine Ausnahme gibt es nur bei der Sorte P64HE 118 Express Sun. Diese und wirklich nur diese spätreife HighOleicSorte ist im Nachauflauf mit dem Herbizid Express SX behandelbar.

Alternative zur chemischen Unkrautbehandlung
Jetzt sind Alternativen gefragt! Hacken und Striegeln stehen prioritär zur Verfügung. Sonnenblumen sind beim Auflaufen und während der Jugendentwicklung relativ stark und robust. Das ermöglicht den Striegeleinsatz bereits ab dem Keimbis zum Zweiblattstadium. Nachher kann mit dem Hackgerät bis kurz vor Reihenschluss gefahren werden. Je nach Unkrautdruck sind ein bis drei Durchgänge nötig. Das Striegeln hat den Vorteil, dass nicht, wie beim Hackgerät, nur zwischen den Reihen bearbeitet werden kann, sondern auch in der Reihe.

Untersaaten
Untersaaten haben bei allen im Frühling gesäten Kulturen nur eine geringe Unkrautunterdrückungswirkung. Dies darum, weil die im Boden liegenden Unkrautsämlinge einen Vegetationsvorsprung gegenüber den frisch gesäten Sämlingen haben. In den Sonnenblumen können Untersaaten jedoch eine gute Wirkung auf die Spätverunkrautung haben. Nach der Blüte bis zur Abreife lassen die Sonnenblumen wieder viel Licht auf den Boden, was die lichtkeimenden Unkräuter zum Wachsen anregt. Eine Bodenbedeckung mit Untersaat reduziert darum die Entwicklung einer Spätverunkrautung. Wichtig ist, dass Untersaaten nur dann einen Erfolg bringen, wenn sie ab dem Vierblattstadium der Sonnenblumen ausgesät werden auf Parzellen, wo kein Bodenherbizid nach der Sonnenblumensaat ausgebracht wurde. Sät man sie zu früh, so konkurrenzieren die Untersaaten die Sonnenblumen genauso wie das Unkraut.


Text und Bild
Hanspeter Hug, BBZ Arenenenberg







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