Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Unkrauterkennung per Smartphone-App oder Lenkhilfe fürs Tablet

Ausgabe Nummer 50 (2017)

Digitale Trends in der Landtechnik: Zukunftsmusik oder bald Alltag?

Auch in diesem Jahr fanden sich die Aussteller rund um die digitalisierte Landwirtschaft in Halle 15 der Agritechnica ein, um Neustes aus dem Bereich Software, Sensorik, präzises Lenken, Drohnen und Fernerkundung zu präsentieren. Der im Vergleich zu den Vorjahren grosse Besucherandrang in der Halle machte deutlich, dass das Thema digitale Landwirtschaft begeistert und interessiert.

Im Bereich der Landwirtschaftssoftware fällt auf, dass die klassische Ackerschlagkartei zur reinen Aufzeichnung und Dokumentation von Feldarbeiten langsam verschwindet. An ihre Stelle treten die Farm Management und Informationssysteme (FMIS). Dabei handelt es sich um meist cloudbasierte Systeme mit einem integrierten geografischen Informationssystem (GIS). Das GIS ermöglicht die grafische Verwaltung der Betriebsflächen, ähnlich wie dies im kantonalen LAGIS funktioniert. Interessant werden die Programme dann, wenn zusätzlich eine App bereitgestellt wird, mit der die Daten direkt auf dem Feld erfasst werden können.

Die Ackerschlagkartei wird zum Farm- Management und Information-System
So bietet Farmdok (www.farmdok.com) eine App für iOS und Android an, die mittels GPS-Signal die Fahrspuren und Feldgrenzen aufzeichnet und dann die gesamthaft applizierten Mengen ausrechnet. Vor allem für Betriebe ohne ISOBUS-fähige Maschinen ist das eine interessante Art der automatisierten Dokumentation. Mit der App xarvio (www.xarvio.com) startet Bayer den Versuch die Möglichkeiten der digitalen Bilderkennung auszuschöpfen. Die App analysiert Pflanzenbilder, die mittels Smartphone hochgeladen werden, und bestimmt Unkräuter, Pflanzenkrankheiten und sogar den N-Gehalt der Pflanzen. In einem nächsten Schritt soll die App an ein zentrales FMIS angebunden werden, in welchem die Dokumentation erledigt werden kann, und weitere Datenquellen, wie beispielsweise Satellitenbilder, angebunden werden.

Genaues Lenken und gemeinsame Sprache als Basis
Ein erster Schritt in Richtung Präzisionslandwirtschaft liegt in der Anschaffung eines Lenksystems, welches die präzise Spurführung ermöglicht. An der Agritechnica waren mit SBG Precision Farming, Hexagon Agriculture oder Trimble viele Hersteller vor Ort, die auch Nachrüstsätze für ältere Traktoren anbieten. Daneben gibt es interessante Softwareeinstiegslösungen, wie beispielsweise das Tool Smarttracks, welches einen digitalen Lenkassistenten für das Tablet inklusive GPS-Empfänger für den Schlepper beinhaltet. Die App unterstützt den Fahrer durch eine visuelle oder akustische Anzeige auf dem Tablet, welche über die Abweichung von der Referenzlinie informiert. Diese Lösung ist preiswert und die erhobenen Daten können direkt an ein FMIS angebunden werden.
Nebst Lenksystemen präsentierten die Firmen Reichhardt und Müller-Elektronik ihre ISOBUS-Nachrüstsätze für die ISO-genormte Kommunikation zwischen Zugfahrzeug und Anbaugerät. Einen Lichtblick in Sachen Datenkompatibilität bietet die Firma DKEData GmbH und Co. KG mit ihrem Agrirouter. Der Agrirouter ist ein webbasierter Datenkonverter, der es ermöglicht, Daten zwischen verschiedenen Maschinen und Softwarelösungen auszutauschen. Für die Innovation, die von einem Konsortium aus namhaften Agrartechnik- und Softwareherstellern getragen wird, gab es die DLG-Silbermedaille.

Drohnen für die grossflächige Applikation?
Bisher liegt das Haupteinsatzgebiet bei den Drohnen vor allem im Bereich der Bestandsüberwachung. So kann beispielsweise über einen Multispektralsensor ein Bestandsindex für die N-Düngung ermittelt werden. Weitere in der Schweiz bekannte Anwendungen sind der Abwurf von Trichogramma-Schlupfwespen zur Bekämpfung des Maiszünslers oder das Aufspüren von Rehkitzen mittels Wärmebildkamera. An der Agritechnica fiel nun auf, dass einige Anbieter auch die grossflächige Applikation von Betriebsmitteln via Drohne ins Auge fassen. So präsentierte die Firma Rauch eine Düngerstreuer-Drohne. Als Träger dient dabei der 8-rotorige Agronator mit vier Me- tern Durchmesser und einer Nutzlast von 30 kg Streugut.
Die Agrardrohne Drone4Agro kann sogar bis zu 100 kg zuladen. Allerdings ist dies erst ein Prototyp. Ausgestattet mit einem Spritzgestänge soll die Drohne in der Zukunft autonom mit einer Arbeitsbreite bis 9 m Spritzmittel aus der Luft ausbringen. Mit Blick auf die Verminderung von Bodenverdichtung können diese Drohnen mit ihren geringen Wartungskosten eine interessante Zukunftsperspektive bieten. Ein flexibler Einsatz dieser Geräte in der Schweiz wäre derzeit jedoch nicht möglich, da das Bundesamt für Zivilluftfahrt für alle Drohnen ab 30 kg Fluggewicht eine Aufstiegsbewilligung verlangt.

Robotik im Vormarsch
In Gedenken an den Fendt Gründervater präsentiert sich der Fendt-Roboter für die autonome Maisaussaat mit dem typisch bayrischen Namen Xaver. Die im Schwarm arbeitenden Robotereinheiten planen, überwachen und dokumentieren mit Hilfe einer Cloud-Lösung die präzise Maisaussaat. Die Satellitennavigation und das Datenmanagement in der Cloud ermöglichen ein Arbeiten rund um die Uhr mit permanentem Zugriff auf alle Daten. Nebst diesem System stellte Bosch die überarbeitete Version ihres Roboters Flourish für die mechanische Unkrautbekämpfung vor. Eine interessante Lösung für den Biolandbau verspricht der Roboter JÄTI eines österreichischen Herstellers, der Unkräuter erkennt und mittels Laser unschädlich macht. Das Raupenfahrwerk und das geringe Gewicht halten den Bodendruck tief.

Weitere Kompatibilität gefragt
Die digitalen Innovationen, die an der Agritechnica gezeigt wurden, stimmen sehr zuversichtlich. Gerade im Bereich der Bilderkennung und Automatisierung werden die Systeme dank schlauen Machine Learning Algorithmen immer besser. Auch die Softwarelösungen zur GPS-basierten Dokumentation und Auswertung auf den Schlägen haben sich stark entwickelt und sind anwenderfreundlicher geworden. Wichtig für die Zukunft ist es, dass die Daten und Systeme einfach zu bedienen sind und herstellerübergreifend genutzt werden können. Von daher sind Kooperationsinitiativen wie der agrirouter von der DKE-Data GmbH und Co. KG sehr zu begrüssen. Die Swiss Future Farm in Tänikon bietet die einzigartige Chance, wichtige Erfahrungen im Einsatz dieser neuen digitalen Technologien zu sammeln und diese eins zu eins auf einem Praxisbetrieb einzusetzen. Die Erkenntnisse aus unserer Arbeit werden zum Nutzen der Praxis an die Schweizer Landwirtschaft weitergegeben.


Florian Abt, BBZ Arenenberg
Projektmitarbeiter Swiss Future Farm
















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