Ausgabe Nummer 13 (2006)
Unternehmer brauchen einen Markt!
Interview mit Margrit Wolf
Unternehmer brauchen einen Markt!
Am vergangenen Dienstag organisierte Margrit Wolf zum letzten Mal den Schlachtviehmarkt Weinfelden. Der «Thurgauer Bauer» befragte Margrit Wolf zu ihrer Zeit bei der EZG und über ihre aktuellen Zukunftspläne.

Margrit Wolf zum letzten Mal am
Schlachtviehmarkt der Abschied fällt schwer. (kb)
Margrit Wolf, Sie waren bei der Gründung der EZG Bodenseefleisch vor vier Jahren dabei. Fällt es schwer, die EZG jetzt zu verlassen?
Margrit Wolf: Nein, wenn ein Entscheid gefällt wird, soll man nicht zurückschauen. Wir hatten eine genial gute Zeit in der EZG und im MR-Boden-See-Rücken. Und wenn ich Rückschau halte, dann mit grosser Befriedigung.
Sie sind eine Visionärin, das haben Sie in den letzten Jahren bewiesen. Zu Ihren Stärken gehört offensichtlich, Projekte anzupacken und zu realisieren. Wie und wann begann Ihre Tätigkeit für die Landwirtschaft?
Margrit Wolf: 1999 mit der Übernahme der Geschäftsführung des damaligen MR Seerücken, dem heutigen MR-Boden-See-Rücken: Mein Auftrag lautete, einen erfolgreichen Maschinenring (MR) zu führen und Dienstleistungen für Bauern anzubieten. Es zeigte sich, dass dazu nicht nur Maschinen gehören. Die Frage «Wie kann der Bauer die Produktionskosten senken und die Wertschöpfung verbessern?» stand immer im Vordergrund. So entstand die Idee, für den Bereich Schlachtviehhandel eine EZG zu gründen. Diese Vision habe ich mit dem Vorstand des MR-Boden-See-Rücken besprochen, die Idee wurde gutgeheissen und umgesetzt. Mit dem Maschinenring haben wir auch die Thur Milch Ring AG ins Leben gerufen und, zusammen mit drei weiteren Maschinenringen, das Handelsunternehmen MR Agro AG gegründet. Und alle diese Unternehmen sind erfolgreich tätig.
Auf den Markt reagieren und Unternehmer zu sein sind zentrale Grundlagen für einen erfolgreichen Landwirt. Wobei ich behaupte, wir haben heute im landwirtschaftlichen Bereich keine Marktsituation, die uns auch als selbstständige Unternehmer auftreten lässt. Unsere Abhängigkeiten sind enorm.
War Ihre Familie in der Landwirtschaft verwurzelt?
Margrit Wolf: Nein, von der Landwirtschaft hatte ich überhaupt nichts verstanden als ich vor 25 Jahren einen Bauern heiratete. Wir sind heute noch glücklich verheiratet, haben zwei erwachsene Kinder. Ich hatte eine gute, nicht immer einfache «Lehrzeit», lernte aber, mich der Herausforderung zu stellen und eignete mir Kompetenzen an: Nach Absolvieren der Bäuerinnenprüfung bildete ich mich während zwei Jahren weiter, als Fachhörerin am Arenenberg, zusammen mit den landwirtschaftlichen Jahresschülern.
Margrit Wolf, Sie sind eine Visionärin, wie sieht Ihre berufliche Zukunft aus?
Margrit Wolf: Ich erfreue mich über einige Optionen, interessante Angebote. Zudem habe ich zwei bis drei Ideen für mögliche Projekte, dazu gehört auch eine Heiratsvermittlung für Bauern. Ganz sicher ist eine Weiterbildung geplant.
Im Moment sind mir aber zuerst Ferien und Erholung wichtig. Während acht Jahren habe ich 150 Prozent geleistet und muss jetzt einmal kürzer treten. Es ist noch vieles offen, ich freue mich aber auf neue Herausforderungen.
