Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Unternehmerische Verantwortung wahrnehmen

Ausgabe Nummer 13 (2015)

Betriebserfolg und Lebensqualität

Wachsende Betriebe, sinkende Erlöse, steigende Kosten – viele Betriebe bewegen sich auf wackligen Beinen. Die Betriebsleiterfamilie versucht mit noch mehr Arbeit den Einkommensrückgang zu kompensieren und gefährdet mittel- und langfristig die eigene Gesundheit, die Familie und letztendlich den Betrieb.

Grundlage für eine gesunde Entwicklung ist die Grundhaltung «Der Betrieb dient mir und meiner Familie als Existenzgrundlage». Damit ist auch gesagt, dass das Engagement für den Betrieb sich in einem Rahmen bewegen soll, der sich den Zielen der Familie in Bezug auf das Verhältnis von Arbeitsund Freizeit unterordnet und nicht die ganze Familie nur für den Hof leben muss. Gerade bei Entwicklungsschritten ist diesem Aspekt besondere Beachtung zu schenken. Mehr Land, ein grösserer Stall oder ein zusätzlicher Betriebszweig bedeuten mehr Arbeit und höhere Anforderungen an die Betriebsleitung. Entsprechend sind die Auswirkungen auf den Arbeitsanfall ehrlich zu prüfen. Aussagen wie «Da goht dänn scho» führen irgendwann zu einer Überlastung.

Ziele formulieren
Damit sich der Betrieb im Rahmen der Vorstellungen der Betriebsleiterfamilie entwickelt, hilft die Formulierung von Zielen zu Fragen rund um Betriebsentwicklung, Finanzen, Arbeits- und Freizeit. Mit der schriftlichen Formulierung kann die Verbindlichkeit für alle Beteiligten erhöht werden. Zielformulierungen, die in kleinen Schritten erreichbar sind, motivieren und schaffen Erfolgserlebnisse. Zielformulierungen können zum Beispiel lauten:
– Ab 2016 haben wir die Buchhaltung jeweils Ende April abgeschlossen.
– Wir zahlen jährlich 8000 Franken auf unser Vorsorgekonto ein.
– Wir haben einmal pro Monat einen ganzen Tag frei.
– In den Sommerferien machen wir mit der ganzen Familie einen
   mindestens dreitägigen Ausflug.
Die Ziele werden mindestens einmal jährlich überprüft und bei Bedarf an die neue Situation angepasst.

Stärken nutzen
Grundlage eines erfolgreichen Betriebskonzepts ist, dass es auf den Fähigkeiten und Interessen der Betriebsleiterfamilie abstellt. «Welche Arbeiten mache ich besonders gerne?», Was kann ich besonders gut?» sind hilfreiche Fragen bei der Suche nach den richtigen Betriebszweigen. Umgekehrt ist auch zu prüfen, ob Arbeiten, die man nicht gerne macht oder nicht gut beherrscht, reduziert werden können. Die Aufgabe eines Betriebszweiges kann dazu ein Weg sein. Vielleicht kann auch die Zusammenarbeit mit einem Berufskollegen für beide Seiten gewinnbringend sein. Ein im Bereich Büro, ÖLN und Aufzeichnungen begabter Landwirt unterstützt beispielsweise bei der Administration seinen Nachbar, während dieser umgekehrt mit seinem Talent Arbeiten im Maschinenunterhalt übernimmt.

Es gibt kein Erfolgsrezept
Jede Betriebsleiterfamilie hat unterschiedliche Fähigkeiten, Neigungen und Interessen und unterschiedliche Ausgangslagen. Damit wird auch klar, dass es nicht pauschale Erfolgsrezepte gibt. Während für den einen Betrieb die Wachstumsstrategie passt, ist es auf einem anderen Hof ein neuer Betriebszweig oder aber auch der Schritt Richtung Nebenerwerb oder gar der Ausstieg aus der Landwirtschaft. Für die einzelne Betriebsleiterfamilie mit ihrem Betrieb spielt es dabei keine Rolle, in welche Richtung sich der Nachbar bewegt oder welche Ausrichtung in den landwirtschaftlichen Medien favorisiert wird. Entscheidend sind alleine die betriebliche Ausgangslage kombiniert mit den Fähigkeiten, Interessen und Zielen der Betriebsleiter.

Hilfe nutzen
Der beste Landwirt kann nicht alle Aufgabengebiete auf seinem Betrieb beherrschen. Es ist deshalb notwendig und entlastend, für einzelne Teilbereiche kompetente Unterstützung anzufordern. Solche Unterstützung kann aus der Familie, von Berufskollegen, von Lieferanten, von Abnehmern, vom Treuhänder oder von Beratungsdiensten beigezogen werden. Es ist eine unternehmerische Notwendigkeit, sich in Teilbereichen Hilfe von aussen zu holen. Damit können Entscheide abgesichert und neue Ansichten und Erkenntnisse gewonnen werden.

Mut zu neuen Wegen
Gerade bei den aktuell schwierigen Rahmenbedingungen spüren viele Betriebe, dass sie dringenden Handlungsbedarf haben, weil Aufwand und Ertrag nicht mehr stimmen oder die Liquiditätslage angespannt ist. Hier hilft eine Analyse der Ist-Situation, das Erarbeiten von möglichen Alternativen und anschliessend der Mut, eine Veränderung herbeizuführen. Vielfach müssen dabei emotionale Hürden bei sich selber aber auch in der eigenen Familie überwunden werden. Angst vor Reaktionen von Berufskollegen oder aus der Gemeinde hemmen und verhindern notwendige Betriebsveränderungen.
Unternehmerische Verantwortung wahrnehmen heisst, seinen Betrieb laufend zu analysieren und Anpassungen auf Grund seiner Zielsetzungen und der aktuellen Rahmenbedingungen vorzunehmen. Erstrebenswert ist es, Veränderungen zu prüfen, solange noch kein Leidensdruck besteht. Dann stehen noch viele Alternativen offen und die beteiligten Personen können mit der nötigen Energie die Umsetzung anzupacken.


Mathias Roth,
BBZ Arenenberg







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