Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Unterschiede überbrücken am Zukunftstag

Ausgabe Nummer 46 (2017)

Seitenwechsel war das Thema am nationalen Zukunftstag vom 9. November. 11- bis 13-jährige Mädchen und Buben schnupperten einen Tag lang in eher geschlechtsuntypischen Berufen und Lebensfeldern. Die 12-jährige Beverly sowie Laila und Sarah entschieden sich für das Projekt Landwirtin. Auf zwei Betrieben erlebten sie, wie unterschiedlich der Beruf ausgeübt werden kann.

Melkzeit ist bei den 75 Kühen im Stall von Albert Neuweiler rund um die Uhr. Im Freilaufstall können die Tiere selber in den Melkroboter, wenn ihnen danach ist. Am Chip erkennt der Roboter die Daten jeder Kuh. Erst nach acht Stunden Pause wird sie wieder gemolken, ansonsten wird sie sanft hinausgeschupst ohne den Bissen Extrakraftfutter als Belohnung. Frühmorgens wird ein erster Kontrollgang gemacht, und melkfaule Kühe werden mit einem liebvollen Klaps aufgefordert, sich Richtung Roboter zu bewegen, bevor der «Milchmann» mit dem Tanklastwagen die Milch einsammelt. Über 2000 Liter haben sich in zwei Tagen angesammelt.

Im Naherholungsgebiet von Kreuzlingen
Die zwölfjährige Beverly wurde vor sieben Uhr von ihrer Mutter auf den Hof gebracht, damit sie beim Melken dabei sein konnte. Die Bäuerin Heidi Neuweiler hatte die Aufgabe übernommen, den Zukunftstag zu gestalten. Sie hatte sich entschieden, Beverly, Vera und Jamie, welche als Bereiter schnupperten, zusammen durch alle Bereiche auf dem Hof zu begleiten. «Wir sind ein traditioneller Mischbetrieb mit Milchkühen, Acker, Obst, Wald und Pferden. » Auch der grosse Manitou begrüsste die Frühaufsteher freudig. Als Dalmatiner ist er eher untypisch für einen Hofhund, aber typisch für die relative Freiheit, welche Landwirte in der Ausgestaltung ihres Berufes haben. Auf dem Hof an der Alpstrasse, hoch über Kreuzlingen, haben sich Heidi Neuweiler und Tochter Rebecca einen eigenen Betriebszweig mit Reit- und Pensionspferden geschaffen. Da ist die Stadtnähe ideal. Spaziergänger kennen den Hof, wo im Sommer Kühe auf der Weide mit Blick auf den Bodensee grasen und von wo auch die feinen Pausenäpfel stammen. Brian, das Shetlandpony, durfte am Wochenende an der Martinsfeier das Pferd des heiligen Martin spielen.

Landwirtin, ein vielseitiger Beruf
Die Augen von Beverly glänzten, während sie im Stall Tuchfühlung aufnahm mit den Tieren und den vielen Informationen aufmerksam zuhörte. Ihre Zukunftsträume haben mit Tieren zu tun. Sie ist mit Hund und Katze aufgewachsen. Eine Tätigkeit auf der Bank würde ihr auch gefallen, aber die Banken machen eigene Infotage. Auch eine Landwirtin braucht Kenntnisse in Buchhaltung, muss elektronische Geräte überwachen können und viele administrative Arbeiten erledigen. Auf dem Hof von Albert Neuweiler wurden schon mehrere junge Frauen als Lernende zur Landwirtin ausgebildet. «Was uns Frauen vielleicht an Muskelkraft fehlt, haben wir im Kopf», meinte Heidi Neuweiler, die jeweils im Herbst, wenn die andern bei der Obsternte sind, den Stall mit 75 Tieren allein besorgt.

In der Geflügelmasthalle
Laila traf man am Vormittag in der leeren Geflügelmasthalle von Rolf Lutz in Oberandwil an. Der Stall musste gereinigt, desinfiziert und frisch eingestreut werden, bevor am nächsten Tag die Eintagsküken von der Brutanstalt geliefert wurden. Laila wusste bei der Anmeldung für den Zukunftstag noch nicht, was für Arbeiten sie erwarteten. Sie hätte zwar gerne die jungen Küken gesehen, aber es machte ihr auch Spass, die Futter- und Wassertröglein zu reinigen. Ihre Mutter hatte sie und ihre beste Freundin Sarah am Morgen aus dem Kanton Zürich in den Thurgau chauffiert. «Hier ist mehr Natur und es gibt mehr Bauernhöfe als bei uns», schwärmten die Mädchen. Sie sind beide sehr tierliebend und haben zu Hause Meersäuli und Fische. Sogar vor Mäusen, Spinnen und anderen Insekten, die sie gerne beobachten, haben sie keine Angst. Laila freut sich, dass sie am Nachmittag bei den Kälbchen ausmisten und den Weidezaun abräumen dürfen. So können sie doch noch Tiere erleben. Während die Mädchen die ganzen Reihen Futtertröglein auseinandernehmen und putzen, heizt Rolf Lutz die Halle ein. 34 °C warm soll sie sein, bis die frisch geschlüpften Küken darin eingestallt werden.

Imagepflege
Rolf Lutz beteiligte sich gerne am Zukunftstag. «Das ist Imagepflege für die Landwirtschaft. Es gibt immer weniger Bauern, und solche Begegnungen, auch zwischen Stadt- und Landbevölkerung, sind wichtig, damit die übrige Bevölkerung auch sieht, wieviel Arbeit hinter unseren Produkten steht.


Trudi Krieg













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