Ausgabe Nummer 46 (2004)

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Verborgene Reserven mobilisieren

Controlling, wieso?
 
Verborgene Reserven mobilisieren
 
Die Gründe für Kontrollen von Tierdaten sind vielfältig: Kenntnis über Tierleistungen, Gesundheitszustand, Vergleich mit anderen Werten, Schwachstellen analysieren, Vorbeugen, Beweis für korrektes Arbeiten, Glaubwürdigkeit erhöhen, Produktqualität erhalten, Absatz des Produktes sichern. Das gesunde Tier, der zufriedene Mensch und natürlich auch die Wirtschaftlichkeit stehen im Zentrum. In dieser Sondernummer wird auf die verschiedenen Kontrollmöglichkeiten in der Milchviehhaltung eingegangen.
 
Klauenrehe ist eine komplexe Störung. Einige Verbindungen sind in der Grafik aufgezeigt. Regelmässig kontrollieren und agieren ist angesagt.
 
Nie einen Bereich isoliert anschauen!
Obwohl in der Praxis oft einzelne Bereiche detailliert überprüft werden, müssen die Ergebnisse im Zusammenhang gesehen werden. So sind z.B. die Ursachen für erhöhte Zellzahlen nicht nur bei der Melkanlage und beim Melken zu suchen, Fütterung und Kuhkomfort müssen miteinbezogen werden.
Die nachfolgenden Artikel geben einen vertieften Einblick in das Controlling von Milchleistungsdaten, Fütterung, Eutergesundheit und Fruchtbarkeit. Zwischen diesen Bereichen bestehen Beziehungen, sodass eine isolierte Betrachtung zu Fehlschlüssen führen kann. Das Puzzle ist so weit als möglich zusammenzulegen. Am Beispiel Klauengesundheit, Klauenrehe im Speziellen, sollen die Zusammenhänge etwas verdeutlicht werden.

Das Puzzle Klauenrehe
Im Stall oder auch auf dem Weg zur Weide fallen Kühe mit einem steifen, vorsichtigen Gang und einem etwas aufgekrümmten Rücken auf. Beim Klauenschneiden finden sich im Sohlenhorn und entlang der weissen Zone ausgedehnte Blutungen und Bezirke mit mangelhaftem Horn. Nicht selten haben solche Kühe mehrere Sohlengeschwüre. An den Klauen sind deutliche Hornringe sichtbar. Diese Klauenveränderungen sind Folgeerscheinungen einer Durchblutungsstörung der Lederhaut. Dies tritt ca. zwei Monate nach der Ursache auf: die Klauenrehe.
Die häufigsten Ursachen sind Pansenübersäuerung, Nachgeburtsverhalten, Gebärmutter- und Euterentzündungen und Acetonämie. Bei all diesen Störungen entstehen Giftstoffe, welche normalerweise in der Leber abgebaut werden. Ist diese überlastet, wird der Körper mit diesen Giftstoffen überschwemmt; dies hat Haut-reizungen (z.B. Lederhaut, Euter) zur Folge. Die Fütterung spielt nebst anderen Faktoren wie harte und glitschige Stallböden, mangelhafte Klauenpflege, Stress und erbliche Komponenten eine entscheidende Rolle.

Kontrollieren ist günstiger
Klauenrehe verursacht erhebliche Kosten, was sich direkt in den Produktionskosten niederschlägt. Schon nur ein Sohlengeschwür verursacht direkte Kosten von 300 Franken (Tierarzt, Medikamente). Die indirekten Kosten wie Milchverlust, Abmagerung, frühere Verwertung und damit eine höhere Remontierungsrate müssen mit rund 700 Franken in Rechnung gestellt werden. Total 1000 Franken, ohne Ihren Ärger eingerechnet. Wie viel ist Ihnen dieser Wert? 200 Franken oder mehr?
Wird Klauenrehe lange Zeit nicht entdeckt, schlägt sich dies ertragsmässig auch in anderen Bereichen nieder. Diesen Kühen bereitet das Laufen Schmerzen, weshalb sie sich nur so viel als notwendig bewegen. Sie fressen weniger und zeigen auch die Brunst weniger gut. Schlechtere Fruchtbarkeit und tiefere Milchleistung sind die Folgen. Durch rechtzeitige Kontrollen, z.B. Fütterung, BCS, Milchgehalte, Tierverhalten usw. kann vorzeitig eingegriffen werden. Untersuchungen haben ergeben, dass Kühe eine Ketose oder Verdauungsstörungen schon 8 Tage VOR der Störung durch ihr Verhalten und ihre Milchleistung anzeigen!
Die Klauengesundheit ist ein Messgerät für die Gesundheit der Kühe und gibt Ihnen Angaben über Managementfehler. Kontrollieren und vorbeugen ist besser als heilen. Nutzen Sie die Kontrollmöglichkeiten, agieren Sie!

Jenifer van der Maas, Fachstelle Betriebsberatung und Landtechnik, LBBZ Arenenberg
 
 
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