Ausgabe Nummer 19 (2007)

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Verfettung der Galtkühe unbedingt vermeiden!

Andreas Guhl bewirtschaftet in Oppikon einen Milchwirtschaftsbetrieb. Er hält im neuen Stall rund 40 Braunvieh- und Holsteinkühe. Seit vielen Jahren betreibt er auch erfolgreich Kälbermast; 180 Mastkälber verlassen jährlich seinen Betrieb. Um der Kalberkuh und dem Kalb einen möglichst guten Start zu ermöglichen, beginnen bei ihm die Vorbereitungen schon vor der Galtphase. Im Interview verriet Andreas Guhl einige seiner Erfolgsrezepte.

Galtkühe mager halten
Guhl füttert seine Galtkühe sehr restriktiv: letztjähriges Heu mittlerer Qualität, Weide nur so viel wie nötig. Er ist davon überzeugt: Sind die Kühe schon beim Kalben zu fett, sind die Geburtswege verfettet und enger, was zu Geburtsproblemen führen kann. Zudem frisst die Kuh nach der Geburt weniger und ist dadurch viel anfälliger auf Stoffwechselstörungen. Die restriktive Fütterung und die regelmässige Kontrolle der Kondition hat sich bei ihm bewährt: Seine Kalberkühe fressen mit viel Appetit und starten gut in die Laktation. Alle Kühe stellt er mit Euterschutz trocken. Mit neun Monaten erhält die Kalberkuh ein Vitamin-D3-Präparat. Die Anfütterung dauert sieben bis zehn Tage. Einen halben bis einen Tag vor der Geburt stallt er die Kalberkuh um in die saubere, gut eingestreute Abkalbebox. Bei der Zeitrechnung bezieht er die Rasse mit ein: Aus seiner Erfahrung tragen die Schwarzen rund eine Woche weniger lang als die Braunen. Während der Anfütterungszeit passieren die Galtkühe auch den Melkstand. Bei dieser Gelegenheit kontrolliert der Melker das Euter und taucht die Zitzen.

Rinder rechtzeitig in Herde eingliedern
Rinder werden mindestens drei Wochen vor der Geburt zuerst zehn Tage zu den Galtkühen gestellt, damit sie sich gegenseitig beschnuppern können und den Stall kennen lernen. Erst danach kommen sie mit der restlichen Herde in Kontakt. So wird versucht, die Rangkämpfe zu vermindern; ein wichtiger Stressfaktor wird so reduziert. Danach werden die Rinder gleich wie die Galtkühe behandelt.

Möglichst wenig Geburtshilfe
Das ist das Motto von Guhl. Dauert die Geburt sehr lange oder zeichnen sich Probleme ab, ertastet er die Lage. Geburtshilfe wird wirklich nur so viel geleistet, wie notwendig: konkret erst ganz am Schluss, bei der Austreibungsphase. Nach der Geburt bleibt das Kalb noch rund vier Stunden bei der Kuh in der gut einstreuten Abkalbebox. Obwohl das Kalb selber bei der Kuh saugen könnte, wird die Kuh direkt nach dem Kalben gemolken (auch in der Nacht!). So erhält das Kalb schon innerhalb einer Stunde zwei Liter Kolostralmilch mit dem Nuggi. In den ersten 24 Stunden wird es drei Mal mit zwei Liter Kolostralmilch versorgt. Die Kuh bleibt noch rund 24 Stunden in der Abkalbebox, bei Bedarf noch länger.

Beobachten und kontrollieren
Nach der Geburt misst er bei allen Kühen während der ersten drei Tage das Fieber. Ältere Kühe erhalten je nach Erfahrung und bei Bedarf ein Kalziumpräparat. Beim Kalb kontrolliert er beim Tränken, in den ersten Tagen, den Nabel, um auf erste Anzeichen einer Entzündung sofort reagieren zu können. Zudem streut Guhl den Aufzucht- und Mastkälbern zwei Mal pro Tag frisches Stroh ein, damit sie ein trockenes Liegebett haben. Diese Massnahme hat sich vollauf bewährt.

Immer an Eisen und Selen denken!
Guhl verabreicht seinen eigenen Aufzuchtkälbern konsequent Selen und Eisen oral in flüssiger Form, insbesondere nach Durchfall. Um Eisenmangel bei den Kälbern festzustellen, lässt er bei den Mastkälbern nach sechs Wochen den Hämoglobintest durchführen; allerdings hat er diesen Test anfangs überbewertet. Trotz guten Werten waren die Tiere zum Teil mit Eisen unterversorgt und reagierten positiv auf Eisengaben. Heute filtert er durch gezielte Beobachtung die Eisenmangelkandidaten heraus (Fell, schneeweisse Augen). Da viele der zugekauften Kälber Mangel an Selen und Eisen aufweisen, haben nach seiner Meinung viele Betriebe Probleme mit Selen- und Eisenmangel. Guhl kauft alle seine Mastkälber zu, damit er gleichaltrige Gruppen hat; eigene Kälber werden nur der Gruppe zugefügt, wenn sie altersmässig hineinpassen.

Auslauf bewährt sich mehrfach
Alle Mastkälber haben Zugang zum Auslauf, der gegen Osten ausgerichtet ist. Der Ausgang ist mit einem Streifenvorhang versehen; der Auslauf ist durch den Wald vor Bise geschützt. So haben die Kälber Morgensonne, sind aber geschützt vor der prallen Mittags- und Abendsonne. Er beobachtet oft, dass die Kälber auch bei Regen und Schnee draussen stehen. Der Auslauf stärkt das Immunsystem der Kälber ungemein. Konnte er früher nur eine 100er-Mastgruppe auf einmal einstallen, kann er heute problemlos mit je zwei 40er- und einer 20er-Kälbergruppe zeit- verschoben starten. Zudem benötigte er rund zwei Drittel weniger Medizinalfutter als zu der Zeit ohne Auslauf. Seine Mastkälber erhalten, wenn möglich, nur einmal, erst nach fünf Tagen, während sieben bis zehn Tagen, Medizinalkonzentrat. So gibt er den Tieren im neuen Stall Zeit, eigene Antikörper zu bilden. Bei Guhls werden die Mastkälber vom Rücken bis zum Schwanz geschoren: den Kälbern ist es wohler, und es erleichtert die Behandlung von Läusen, die Tränkekälber mitbringen. Die Läuse saugen den Kälbern das Blut aus (Eisenmangel!) und stecken zudem die anderen Tiere an. Die Aufzucht- und Mastkälber hält er räumlich getrennt. Wechselt er von einem zum andern Stall, wäscht er sich Hände und Stiefel. Gute Hygiene ist ein Muss.

Seine drei besten Tipps
Für seine Berufskollegen gibt Andreas Guhl folgende drei Tipps mit auf den Weg:

1. Galtkühe nicht verfetten lassen! Fette Kühe sind das grösste Problem!

2. Nach der Geburt bei der Kuh in den ersten drei Tagen (bis eine Woche Fresslust!) die Temperatur messen, beim Kalb den Nabel auf Entzündungen kontrollieren. Der Fiebermesser ist immer dabei.

3. Den Mast- und Aufzuchtkälbern, vor allem lebensschwachen Kälbern, Selen und Eisen verabreichen. Er gibt zu bedenken: Jede Geburt, jedes Kalb, jede Mast ist verschieden. Dies bedeutet jedes Mal eine neue Herausforderung!

Jenifer van der Maas, BBZ Arenenberg, Milchvieh Spezialberatung