Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Januar 2018


Vergleichen lohnt sich

Ausgabe Nummer 23 (2017)

Der Arenenberger Ackerbautreff fand zum 3. Mal statt

Über drei Jahre hat das BBZ Arenenberg auf dem Betrieb Brunnegg in Kreuzlingen Langzeitversuche in bodenschonenden Anbauverfahren durchgeführt. Die Resultate präsentierten die Verantwortlichen am 3. Ackerbautreff. Im Namen vom BBZ Arenenberg, vom VTL und von Agroberatungsvereinen, konnten Daniel Nyfeler, Leiter Beratung Pflanzenbau BBZ, und Urs Dietiker, Präsident der Pflanzenbaukommission VTL, über 90 Interessierte auf dem Betrieb Brunnegg in Kreuzlingen begrüssen. Dort hatte das BBZ Arenenberg mit seinen Langzeitversuchen über drei Jahre die Auswirkungen von Pflug-, Mulch- und Direktsaatverfahren untersucht.

Gezielter Nährstoffeinsatz
Der schonende Umgang mit den Böden ist ein Anliegen aller Bauern. Dies beinhaltet auch das gezielte Ausbringen von Nährstoffen. Zum gezielten Ausbringen der Nährstoffe gehören das genaue Einstellen und die Wartung des Düngerstreuers, wie auch die gut überlegte Wahl des Ausbringzeitpunktes. Bei Fehlern können gemäss Ausführungen von Marcel Bucher, Landor, bis zu 30 % Verlust entstehen. Ein Verlust der sich im Geldbeutel doppelt niederschlägt: beispielsweise bei zu hohen Ausbringmengen und in der Folge von Lagerfrucht, welche beim Ertrag auch wieder negativ zu Buche schlägt. Dazu gehört, dass die Konsumenten heut sehr gut orientiert sind, sodass Streureste auf Teerstrassen und folglich Einträge in die Gewässer nicht mehr toleriert werden. In diesem Zusammenhang weist ein Nährstofffachmann auf die sorgsame Einstellung der Streuer, aber auch auf die gezielte Wahl der Düngerkomponenten hin. Auch um Kosten einzusparen, bei gleichzeitiger optimaler Nährstoffversorgung der Böden.

Direktsaat: Ein Ergebnis mit vielen Komponenten
Hermann Brenner und Gregor Affolter vom BBZ Arenenberg stellten auf dem Feld die Bestände des Pflug-, Mulchsaat- sowie Direktsaatverfahrens vor. Bei der Pflugbearbeitung wurden 600 Halme/m2 gezählt, was als sehr optimal betrachtet wird. Auch mit dem Krankheits- und Getreidehähnchenbefall sowie der Unkrautentwicklung ist Hermann Brenner zufrieden. 568 Halme/m2 werden nach dem Mulchsaatverfahren gezählt, dies bei guter Regelmässigkeit und geringem Krankheitsbefall. Schwieriger wird es bei der Direktsaat mit 468 Halmen/m2. In einer Krisensitzung mussten die Verantwortlichen Mitte März entscheiden, ob sie den Bestand so in die Vegetation gehen lassen können. Der Weizen ist nach der Saat schlecht aufgelaufen und auch Ausgang Winter sehr lückig. Am Tag des Ackerbautreffs weist das Feld zwar noch immer viele Lücken auf, doch Hermann Brenner ist froh, das Verfahren nicht aufgegeben zu haben. Bei der Bestockung konnte der Weizen etwas kompensieren und möglicherweise wird der Minderertrag nicht so gravierend sein.

Durchwuchs grösser als erwartet
Angrenzend an die drei voran beschriebenen Verfahren folgt ein Bioschlag, auf dem jeweils die gleiche Kultur wie im ÖLN angebaut wird. «Die Bearbeitung des Bodens mit der Messerwalze habe keine genügende Wirkung gezeigt», erklärte Daniel Fröhlich vom BBZ Arenenberg. Beim Mais Streifenfrässaat- Verfahren herrschte eine richtige Kunstwiese vor. Das habe also nicht funktioniert. Nach Fräsen, Liegenlassen und nochmals Fräsen war Mitte Oktober das Feld soweit vorbereitet, dass Wintergetreide gesät werden konnte. Im Kunstwiesenteil beobachtete Daniel Fröhlich eine schöne Dichte. Beim vorangehenden Silomais hingegen sei der Getreidebestand wegen mangelndem Stickstoff schlecht. Freude hat er hingegen an der wurzelbetonten Untersaat als Gründüngung für den Zuckerbedarf der Pflanzen.

Überzeugt von der Mulchsaat
Der Pfluglospraktiker Urs Dietiker aus Felben bei Frauenfeld ist überzeugt vom bodenschonenden Verfahren «Mulchsaat». Schon sein Vater hatte in den 1980er-Jahren damit experimentiert, was er selber ab 1997 weiterführte. «Der schwere Boden hat mich dazu motiviert, möglichst ohne Pflug zu wirtschaften », sagte er. Zusätzlich habe er seine Arbeiten zeitlich und ökologisch optimieren wollen. «Ziel war der schonende Umgang mit dem Boden und die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit. Es gibt aber nicht nur ein einziges richtiges Verfahren. Auf meinem Betrieb hat sich einfach gezeigt, dass Mulchsaat die beste Lösung ist.» Er spornte seine Kollegen an, im Hinblick auf die Zukunft gesunder Böden, solche Verfahren ebenfalls zu testen.
Zuletzt präsentierte Marcel Gerber, Betriebsleiter Brunnegg, seine Blühstreifen mit den kräftigen Blumen. «Die Saat vom 1. November habe dieses erfreuliche Resultat ermöglicht» sagte er. Weniger erfolgreich war er mit früheren Einsaaten.

Bodenbeschaffenheit: Der Spate gehört auf den Traktor
Die Auswirkungen des Mulchens zeigte Urs Zihlmann von Agroscope mit der Spatenprobe. «Die dadurch entstehende krümelige Schicht verschafft der Pflanze gute Keimbedingungen», erklärte der Bodenfachmann. «Viel schwieriger wird es für die Keimlinge in einer Direktsaat wegen der harten Bodenoberfläche. » Beim Pflug wies er auf die Pflugsohlenverdichtung hin, die sich mit der Zeit im Unterboden bilde. Nicht zuletzt schlug er den Landwirten vor, ihre Humusbilanz zu überwachen. Der übliche Humusgehalt pro Hektare betrage 90 bis 100 Tonnen. «Zur guten Humusbildung gehören die Regenwürmer, ebenso auch zur Bodenlockerung.» Zihlmann verweist dabei auf die ideale Zahl von 1000 bis 1500 kg Regenwürmern pro Hektare hin. Diese Regenwürmer sind zurzeit im Sommerschlaf, werden aber im Spätsommer, nach der Abernte der Felder, wieder aktiv. Mit der «Fütterung» der Regenwürmer, beispielsweise beim Einlegen der Oberflächenfrucht durch Vorschäler beim Pflügen, halten sich die Regenwürmer hauptsächlich rund 20 cm unter der Bodenoberfläche auf. Somit kommen sie weniger zwischen die Klingen der zapfenwellengetriebenen Bodenbearbeitungsgeräte.


Bernhard Müller



















« zurück zur Übersicht