Ausgabe Nummer 27 (2007)

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Verminderung des Ammoniakausstosses

Pionierprojekt aus dem Thurgau

Der Ammoniakausstoss aus der Landwirtschaft im Kanton Thurgau soll bis im Jahr 2020 um 42 Prozent gesenkt werden. Zu diesem Zweck hat der Regierungsrat des Kantons Thurgau grünes Licht für ein sechsjähriges schweizerisches Pilotprojekt gegeben.

Mit der Ausarbeitung und Realisation des schweizerischen Pilotprojektes zur Verminderung des Ammoniakausstosses stelle sich der Kanton Thurgau an die Spitze der Kantone, die sich um die Reduktion des Ammoniakausstosses bemühen, sagte der Thurgauer Landwirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer an der Pressekonferenz auf dem Landwirtschaftsbetrieb der Gebrüder Rüedi in Felben. Er lobte Hans Stettler, Chef Landwirtschaftsamt Thurgau, der mit seinen Projektmitarbeitenden die Initiative ergriff und nun ein wirkungsvolles Projekt vorstellen könne.

Projekt auf sechs Jahre befristet
Wie Stettler feststellt, bildet die Empfehlung der Konferenz Kantonaler Landwirtschaftsämter Schweiz (KOLAS) die Basis für das Pilotprojekt «N-Effizienz der Hofdünger durch die Reduktion der Ammoniakverluste ». Das langfristige Ziel des Pilotprojekts bestehe darin, die Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft im Thurgau bis zum Jahr 2020 um 42 Prozent zu reduzieren. Das Ziel des auf sechs Jahre befristeten Projekts sei es, die Ammoniakemissionen um 20 Prozent zu reduzieren. Dies entspreche rund 530 Tonnen Ammoniakstickstoff pro Jahr. Erreicht werde dies durch eine Steigerung der Stickstoffeffizienz der Hofdünger. Nach Stettlers Angaben kommt für den Thurgauer Regierungsrat weder eine behördlich angeordnete Reduktion der Tierbestände noch der Zwang zur Ausbringung des Hofdüngers mit Schleppschlauchgeräten in Frage. Die Förderung werde deshalb während einer begrenzten Zeit mit finanziellen Anreizen unterstützt. Vorgesehen sei die Förderung mit einem Flächenbeitrag von 45 Franken pro Hektare, auf welche Gülle mit einem Schleppschlauch ausgebracht werde. Mit diesem Flächenbeitrag würden die Mehrkosten des Schleppschlaucheinsatzes entschädigt.

11,7 Millionen Franken Projektkosten
Nach Angaben von Roland Künzler, Agridea, Lindau ZH, führt das Projekt während einer Laufzeit von 2008 bis 2013 zu Kosten von insgesamt 11,7 Millionen Franken, wovon der Bund 9,3 Millionen Franken (80 Prozent) beisteuere. Somit verbleiben dem Thurgau Kosten von 2,4 Millionen Franken. Nach Angaben von Stettler kann das Projekt erst nach Genehmigung des Budgets 2008 durch den Grossen Rat und der Inkraftsetzung des revidierten Bundesgesetzes über die Landwirtschaft per 1. Januar 2008 gestartet werden. Das Projekt endet im Jahr 2013.

Seit elf Jahren Erfahrung
Im Anschluss an den theoretischen Teil der Pressekonferenz hatten die Interessierten Gelegenheit, die drei Systeme Schleppschlauchverteiler mit Druckfass, Schleppschlauchverteiler am Rollomat mit Umschlagtank sowie Güllegrubber mit Transportfahrzeug im Feldeinsatz zu besichtigen.Werner Dietiker arbeitet zusammen mit seinem Sohn Urs seit elf Jahren mit einem Schleppschlauchverteiler. So werden auf ihrem Hof in Felben jährlich rund 2500 Kubikmeter Gülle ausgetragen. Als Vorteile nannte Werner Dietiker eine optimale Ausnutzung des betriebseigenen Stickstoffes sowie die minimale Geruchsbelastung. Aus ackerbaulicher Sicht wies er auf die minimale Bodenbelastung und die Düngung zum richtigen Zeitpunkt mit hoher Genauigkeit in Bezug auf Menge und Verteilung hin. Das Pilotprojekt finde die volle Unterstützung des Thurgauer Bauernverbands (TBV), betonte Claus Ullmann, Vizepräsident TBV. Damit könnten finanzielle Einbussen durch den Verlust wertvollen Düngers verhindert werden. Zudem sei eine ökonomische und tierfreundliche Nutztierhaltung nahe beim Konsumenten möglich.

Mario Tosato


Schleppschlauchverteiler am Rollomat mit Umschlagtank. (tos)
Schleppschlauchverteiler am Rollomat mit Umschlagtank. (tos)