Ausgabe Nummer 15 (2008)

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Vertragsunterzeichnung für Ammoniakpilotprojekt

Das Thurgauer Landwirtschaftsamt einmal mehr in Pionierrolle

BLW-Vizedirektor Christoph Böbner und Projektleiter Hans Stettler, Chef Landwirtschaftsamt Thurgau, unterzeichneten in Wängi den Vertrag für das Projekt «N-Effizienz der Hofdünger steigern durch Reduktion der Ammoniakverluste».

Im Jahr 2000 belegte der Kanton Thurgau mit 50,9 Kilogramm Ammoniak-N pro Hektare landwirtschaftliche Nutzfläche den 6. Rang. Der schweizweite Durchschnitt lag bei 38 Kilogramm, erklärte Hans Stettler, Chef des Landwirtschaftsamts des Kantons Thurgau, an der Vertragsunterzeichnung vom letzten Mittwoch.

Bund beteiligt sich mit 10 Mio. Franken
Als erster Kanton starte nun der Thurgau das Ressourcenprojekt «N-Effizienz der Hofdünger steigern durch Reduktion der Ammoniakverluste». Laut Stettler belaufen sich die Projektkosten auf 10 Millionen Franken, an denen sich der Bund mit 80 und der Kanton mit 20 Prozent beteiligt. Während der Projektdauer von 2008 bis 2013 werden die Ammoniak-Emissionen aus der Landwirtschaft pro Jahr um 20 Prozent gesenkt werden. Gleichzeitig werde der Stickstoffmineraldüngereinsatz reduziert, stellte Christoph Böbner,Vizedirektor des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW), fest. Diese Zielsetzung werde in erster Linie durch den grossflächigen Einsatz des Schleppschlauches bei der Güllenausbringung und durch gezielte betriebsspezifische Massnahmen erreicht. Ein Monitoring verfolge während der Projektdauer die Auswirkungen der Massnahmen auf die Ammoniak-Emission und den Mineraldüngereinsatz. Die Reduktion der Ammoniak-Emission werde nach Ablauf der Projektdauer beibehalten, da nebst wirtschaftlichen und praktischen Aspekten sich die Bewirtschafter verpflichten, den Schleppschlauch nach der finanziellen Unterstützung weiterhin einzusetzen. Mit diesem Projekt fördere der Bund die Verbesserung der Nutzung von natürlichen Ressourcen in der Landwirtschaft, betonte Böbner.

Thurgau als positives Beispiel
Als Schweinehalter kennt Andreas Binswanger, Präsident des Thurgauer Bauernverbands (TBV), die Probleme der Güllenausbringung. Vor rund zehn Jahren machte er bei der Ausbringung der Schweinegülle erste Versuche mit dem Schleppschlauch. Der Einsatz des Schleppschlauches auf seinem Betrieb bringe eine bessere Planbarkeit des Ausbringens der Gülle, eine höhere Akzeptanz bei der Bevölkerung und eine Verminderung des Einsatzes von Handelsdünger, stellte Binswanger fest. Der TBV-Präsident erklärte, dass das Ammoniakprojekt des Thurgauer Landwirtschaftsamtes bei den Bauernfamilien nicht von Beginn weg auf eitle Freude gestossen sei. Die mit zunehmenden Fortschritten des Projektes laufend abgegebenen Informationen hätten sich die Akzeptanz der vorgesehenen Massnahmen jedoch spürbar erhöht. «Skepsis besteht jedoch nach wie vor insbesondere in Bezug auf die Fortführung der Massnahmen, wenn die Anschubfinanzierung nach Ablauf der sechs Jahre beendet ist. Wird dann der freiwillige Einsatz des Schleppschlauches zur Pflicht?» sagte Binswanger. Am Beispiel dieses Projektes habe der Kanton Thurgau aufgezeigt, auf welche Weise Gesetze, Verordnungen und Massnahmen des Bundes umgesetzt werden können, um von vornherein die notwendige Akzeptanz bei den Betroffenen zu finden. Der Einsatz des Schleppschlauches zur Reduktion des Ammoniakausstosses werde von der grossen Mehrheit der Thurgauer Bauernfamilien als vernünftig, praxisgerecht und nachhaltig beurteilt.

Mario Tosato


A. Binswanger (TBV), C. Blank (BLW)
und Hj. Walter, Präsident SBV (hinten:
v. l.), wohnen der Vertragsunterzeichnung
durch Hans Stettler und Christoph Böbner (vorne: v.l.) bei. (tos)
A. Binswanger (TBV), C. Blank (BLW) und Hj. Walter, Präsident SBV (hinten: v. l.), wohnen der Vertragsunterzeichnung durch Hans Stettler und Christoph Böbner (vorne: v.l.) bei. (tos)