Ausgabe Nummer 13 (2006)
Viehhandel in schwierigem Umfeld
Ostschweizer Viehhändler trafen sich im Thurgau
Viehhandel in schwierigem Umfeld
Tiefe Preise und die Geschäftsaufgabe von drei mittelgrossen Fleischproduktionbetrieben beunruhigen den Verband Ostschweizerischer Viehhändler an seiner 90. Generalversammlung in Weinfelden.

Lukas Perler, Albert Brühwiler und
Regierungsrat Kaspar Schläpfer
(von links) unterhalten sich über
Schlachtviehpreise und die
Rinderseuche BVD. (tos)
Zu Beginn seines Jahresrückblickes, anlässlich der von rund 100 Viehhändlern besuchten 90. Generalversammlung des Verbands Ostschweizerischer Viehhändler (VOV), befasste sich Präsident Albert Brühwiler mit der Preissituation im Schlachtviehmarkt. Aufgrund des geänderten Importsystems geriet der Kuhpreis trotz tiefem Angebot unter Druck. Im Schnitt wurden die Kühe mit 6.15 Franken je Kilogramm Schlachtgewicht (SG) um 45 Rappen tiefer gehandelt als im Vorjahr. Hingegen lagen die Kalbfleischpreise im Jahresschnitt 60 Rappen pro Kilo SG über dem Vorjahr. Als absolut trauriges Kapitel bezeichnet Brühwiler den Schweinemarkt 2005, mit einem historischen Tiefstpreis im November von 3.50 Franken je Kilo SG. Lagen die Ferkelpreise im März noch bei 8.30 Franken je Kilo Lebendgewicht (LG), sanken die Preise dramatisch infolge der schlechten Schlachtpreise auf 4 Franken pro Kilo LG.
Veränderungen in der Fleischproduktion
Veränderungen ergaben sich nach Brühwilers Aussagen auch in der Fleischproduktion, musste doch die Neue Fleisch AG Schaffhausen den Konkurs einreichen. Die Marti AG, Othmarsingen, und die Macana, Matzingen, gaben ihre Geschäftstätigkeit auf. Im Fall der Marti AG wurde eine aussergerichtliche Nachlassung vereinbart und 60 Prozent der Ausstände bezahlt. Dadurch verloren viele, vor allem mittelgrosse Viehhandelsunternehmen, Zehntausende von Franken, zeigt sich Brühwiler enttäuscht. Im Juli konnte der neue Schlachthof der Micarna SA, Bazenheid, in Betrieb genommen werden, wo nun nur noch Schweine geschlachtet werden. Der Schlachthof entspricht den neusten EU-Normen und ist somit EU-kompatibel. Er gelte als modernster Schlachthof Europas. Pro Stunde können bis zu 360 Schweine geschlachtet werden. Wenig Freude löste Brühwiler mit der Meldung aus, dass der Schlachthof St. Gallen wegen Umbau ab 17. Mai bis im Frühjahr 2007 geschlossen wird. Geschlachtet wird während dieser Zeit in Zürich.
Produktionskosten müssen gesenkt werden
Regierungsrat Kaspar Schläpfer gratulierte dem VOV zu seinem 90-jährigen Bestehen. Mit Besorgnis habe der Regierungsrat zur Kenntnis genommen, dass die Prognose der landwirtschaftlichen Gesamtrechnung für das Jahr 2009 ein Nettounternehmenseinkommen ergebe, das mit 2,47 Milliarden Franken kleiner sei als die staatlichen Leistungen von 3,13 Milliarden Franken. Das zeige, dass ein erheblicher Teil der staatlichen Leistungen in die vor- und nachgelagerte Wirtschaft fliesse. Eine wirksame Landwirtschaftspolitik müsse daher nach Ansicht des Thurgauer Regierungsrates zielgerichtete Massnahmen für eine Verbesserung des Einkommens in der Landwirtschaft umfassen. «Dazu sind zusätzliche Massnahmen zur Senkung der Produktionskosten in der Landwirtschaft und in der nachgelagerten Wirtschaft unumgänglich», sagte Schläpfer.
Wega-Viehausstellung soll attraktiver werden
Wie Brühwiler erklärte, beteiligt sich der VOV wieder an der Auktion an der Wega in Weinfelden, doch werden zur Attraktivitätssteigerung einige Veränderungen vorgenommen. So werden die Auktionstiere erst am Freitag, 29. September, eingestallt. Die Auktion findet nicht wie bisher am Freitagabend, sondern am Montagmittag, 2. Oktober, statt. Die Elitekühe werden am Samstag rangiert.
Im Anschluss an die Generalversammlung informierte Lukas Perler, Bundesamt für Veterinärwesen (BVET), über die Flächensanierung der Rinderseuche BVD (Bovine Virus Diarrhoe).
