Ausgabe Nummer 31 (2006)

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Viele Belüftungsanlagen sind fehlkonzipiert

Ursachen mangelnder Lüfterleistung


Karl Barth hat während 34 Jahren die Ventilatorhersteller-Firma Karl Barth AG geführt. Obwohl er seinen Betrieb übergeben hat, wird er noch oft für eine Beratung bei Anlagen mit mangelnder Trocknungsleistung angefordert.

Woran erkennt man eine einwandfrei funktionierende Heubelüftung?

Die Lüftungsanlage ist funktionstüchtig, wenn der Stock gleichmässig und innert nützlicher Frist abtrocknet. Falls dies nicht der Fall ist, stimmt etwas am ganzen Lüftungskonzept nicht.

Welches sind Ihrer Meinung nach die häufigsten Ursachen bei einer mangelhaften Trocknungsleistung?

Meistens wird zu viel auf ein Mal eingeführt. Denn oft wächst nur der Betrieb, aber der Heustock bleibt unverändert und es wird einfach hinausgepresst. Dabei ist die Heustockgrundfläche der zentrale Faktor, welcher uns die Belüftungsleistung bestimmt. Es ist schlichtweg vermessen, drei Meter Heu mit weniger als 60 Prozent TS auf einmal einzuführen und zu erwarten, dass die Heubelüftung diese Unmenge Wasser aus dem Stock bringen kann. 1.5 Meter sind bei feuchtem Futter das Maximum. Das ergibt je nach Ertrag und Futterart zwei bis drei ha Schnittfläche pro Charge auf 100 Quadratmeter Heustockgrundfläche.
Nur in sehr seltenen Fällen ist der Lüfter zu schwach. Was aber öfters vorkommt, sind zu starke Gebläse, welche durch die Wucht den Stock in der Mitte richtig gehend verdichten. Teilweise werden aber auch die Streuwinkel und Verzögerungen bei den Teleskopverteilern nicht nachgestellt, was zu einer schlechten Futterverteilung auf dem Stock führt.
Schwierig zu belüften sind auch lange ?Schläuche?. So habe ich einmal eine Anlage mit 5 x 25 m Meter angetroffen, welche noch stirnseitig belüftet wurde. Es war hier natürlich unmöglich, eine vernünftige Luftverteilung zu erreichen.

Sind die Lüfter immer richtig installiert?

Wenn der Lüfter auf der Nordseite eines Gebäudes oder in einem Betonkanal versenkt installiert ist, haben wir natürlich ganz schlechte Rahmenbedingungen. Auch Heustöcke, welche als ?Betonsilos? erstellt wurden, bieten schwierige Voraussetzungen, weil sich Beton kaum erwärmt. Hier hilft nur ein vollständiges Auskleiden der Betonflächen mit Spanplatten. Um Kosten zu sparen wurden auch recht gute Erfahrungen mit recycliertem Teerbelag, der mit einer Fliesszwischenlage direkt auf den erdigen Untergrund aufgebracht und eingewalzt wurde, gemacht. Bezüglich Erwärmung und Isolation weist Boden ansprechende Eigenschaften auf. Werden trotzdem Betonböden erstellt, sind diese zwecks Isolation (Luftabkühlung) unbedingt mit Holz abzudecken.

Es handelt sich also vorwiegend um Fehler, welche bei der Konzeption des ganzen Heustockes gemacht wurden. Welche Massnahmen können im Nachhinein noch ergriffen werden?

Richtig! Wir schätzen, dass mehr als 20 Prozent der Anlagen konzeptionelle Mängel aufweisen, welche durch einen frühzeitigen Einbezug des Belüftungsspezialisten hätten gelöst werden können. Die FAT hat ja hervorragendes Know-how auf diesem Gebiet.
Ist die Belüftungsleistung mangelhaft, wird in der Praxis die Lösung oft mit stärkeren Lüftern oder mit Ölofen gesucht. Durch diese Massnahmen verstärkt sich aber nur die gefürchtete Kaminbildung, wodurch sich das ganze Problem noch verschärft.

Grössere Betriebe stellen häufig auf Silo um. Können Heutrocknungsanlagen für grössere Viehbestände überhaupt funktionsfähig betrieben werden?

Ich sehe da keine Einschränkungen. Wie bereits eingangs erwähnt müssen für den Frühlingsschnitt pro Charge für rund 2.5 Hektaren Einfuhrmenge minimal 100 Quadratmeter Heustockgrundfläche vorhanden sein. Nach dem Einfüllen von feuchter Ware sollte man mindestens zwei bis drei Tage unter guten Bedingungen belüften können bevor die nächste Charge erfolgt. Ansonsten gibt es keine Einschränkungen. Ich war in letzter Zeit auch bei der Planung von verschiedenen Grossanlagen für ca. 100 GVE beteiligt, welche heute einwandfrei funktionieren.

Wie stehen Sie zum Einsatz von Sonnenkollektoren zur Lufterwärmung?

Sonnenkollektoren sind ein wirksames Mittel, um die Trocknungszeit und die Trocknungskosten zu reduzieren. Idealerweise beträgt die Fläche des Sonnenkollektors das 2 bis 2.5-fache der Stockgrundfläche. Mit optimal konzipierten Anlagen erreichen wir bis zu 15°C Lufterwärmung. Wichtig ist aber wiederum der frühzeitige Einbezug von Spezialisten. Nicht alle Architekten verfügen über die nötige Erfahrung, um die Kollektoren richtig zu planen. So werden häufig Kollektoren mit einer Länge von über 20 m erstellt. Da wäre unbedingt ein Mittelkanal einzuplanen, weil die Strömungsverluste sonst viel zu gross sind.

Können Holzschnitzelheizungen auch für die Lufterwärmung verwendet werden?

Das ist unter Umständen sogar eine sehr sinnvolle Möglichkeit. Wichtig ist aber, dass die Schnitzelanlage über eine Leistung von mindestens 60 bis 120kW verfügt. Sonst rechnen sich die Kosten für den Wärmetauscher von Fr. 3"500.- bis 4"000.- nicht.
Anders sieht es bei Wärmepumpen aus, welche hauptsächlich aus dem Ausland in die Schweiz drängen. In österreichischen Berechnungen schneiden diese immer sehr gut ab. Es ist aber zu berücksichtigen, dass im Raum Salzburg die Elektrizitätswerke den Verkauf von Wärmepumpen subventionieren, was die Wirtschaftlichkeitsrechnung natürlich verfälscht. In der Schweiz rechnen sich Wärmepumpen nicht.

LBBZ Arenenberg, Fachstelle Nutztierhaltung, Christof Baumgartner