Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
20. April 2018


Viele Milchproduzenten stellen auf Fleischproduktion um

Ausgabe Nummer 13 (2017)

- 101. Generalversammlung des Verbands Ostschweizerischer Viehhändler

Auch die diesjährige Generalversammlung des Verbands Ostschweizerischer Viehhändler in Gossau SG wurde mit einem Fortbildungsprogramm ergänzt.

Albert Brühwiler, Präsident Verband Ostschweizerischer Viehhändler (VOV), konnte 130 Verbandsmitglieder und Gäste zur 101. Generalversammlung begrüssen. An der letzten GV habe er mit der Feststellung «Fleisch top – Milch flop» die Besucher begrüsst. Dies habe auch heute noch Gültigkeit. Dazu komme noch der Fleischskandal in Brasilien. Die Milchproduktion sank im vergangenen Jahr gegenüber dem Vorjahr um nahezu 1 Prozent. Unerreicht hoch waren auch die Lagerbestände von Butter, im Maximum 9000 Tonnen. Infolge des bedenklich tiefen Milchpreises ging der Milchkuhbestand auf 567 285 Kühe zurück.
Nach Brühwilers Aussage stellen immer noch viele Milchproduzenten auf Fleischproduktion um, um so ein anständiges Einkommen zu generieren. Die Preise im Nutzviehmarkt sanken im Frühjahr um rund 200 Franken auf 2900 Franken je Kuh. Im Juni und Juli kletterten die Preise auf fast 3400 Franken, während sie im Herbst wieder etwas sanken. Wie Brühwiler erklärte, sind problemlose Kühe mit einem Produktionspotenzial von 8000 kg Milch pro Jahr und tiefen Zellzahlen gesucht. Schlachtkühe seien infolge der sinkenden Milchkuhbestände Mangelware und deshalb sehr gesucht. Wie Albert Brühwiler erklärte, verlief der Bankviehmarkt 2016 erfreulich. Trotz einer um 3,5 Prozent höheren Produktion bezahlten die Abnehmer gute Preise.

Kälbermäster hatten kein einfaches Jahr
Zahlreiche Medienberichte über die Kalbfleischfarbe und das Schlachten junger Tränkekälber trübten das Image des Kalbfleisches. Im Frühjahr 2016 wurden rund 630 Tonnen Kalbfleisch eingefroren. Trotzdem sank der Preis im Mai auf 12 Franken pro Kilo Schlachtgewicht. Obwohl sich der Markt im Sommer erholte, blieben die Preise tief. Ende Jahr wurde der Kälbergesundheitsdienst gegründet, welcher auf Initiative der Kälber- und Bankviehmäster entstanden ist. Dabei stehen vor allem die Reduktion von Antibiotika und die Gesundheit der Kälber im Vordergrund. Erfreulich sei die Entwicklung beim QM-Schweinepreis, kletterte doch dieser im heissen Sommer auf den Jahreshöchstpreis von 4.30 Franken je Kilogramm Schlachtgewicht, was 50 Rappen mehr sind als im Sommer 2015. Die guten Schweinepreise des rentablen Schweinejahres 2013 (4.47 Franken) blieben jedoch unerreicht.

BVD-Virus verursachte Kosten von 75 Mio. Franken
Nach Aussagen von Albert Brühwiler wurde im Berichtsjahr auf 111 Betrieben der BVD-Virus nachgewiesen, was mehr war als im Vorjahr mit total 195 PI-Tieren. Vor allem die Viehhandlungsbetriebe werden strengeren Kontrollen unterzogen, mit Ohrenstanzproben der neugeborenen Kälber und Blutproben für einzelne Tiere. «Bis heute hat das nationale Ausrottungsprogramm, welches vor zehn Jahren begonnen wurde, Kosten von über 75 Mio. Franken verursacht. «Trotzdem ist der BVD-Virus weiter aktiv, ein Ende ist so schnell nicht in Sicht», sagte Brühwiler.

Konkurrenzkampf bei Schweizer Fleisch
Marcel Allemann, Leiter Verkauf Grosshandel, Systemgastronomie, Industrie bei Bell Schweiz AG, erklärte Trends im Fleischkonsum und das Essverhalten in der Zukunft. Nach seinen Aussagen sorgen Fleischskandale – wie zur Zeit in Brasilien – immer wieder für negative Schlagzeilen, was die Konsumenten verunsichere. Allemann betonte, dass Schweizer Fleisch ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung sei. Bei Fleisch herrsche im Detailhandel ein grosser Konkurrenzkampf. Den «Label-Salat» bezeichnete er als Wahnsinn. Allemann erklärte, dass sich Coop der neuen Marktstimmung angepasst habe. Zum einen diene das Einkaufen zur Unterhaltung und zum anderen werde der Konsument «durchsichtig». Mit Rabatten bis zu 50 Prozent werden die Kunden angelockt, und die Anbieter dehnen so ihren Marktanteil aus. Der Referent betonte, dass bei Fleisch die Ernährungssicherheit in der Schweiz auf einem hohen Niveau gehalten werde. Geachtet werde auf die Programme RAUS und Tierwohl. Der Geflügelanteil belaufe sich zurzeit auf 60 bis 65 Prozent.

Schlachthof ist weder Krankheits- oder Notschlachtstätte
Dr. Ruedi Thoma, Fleischinspektor Schlachthof St. Gallen, erklärte, dass die Schlachtfrequenz am Schlachthof St. Gallen 70 Banktiere, Kühe und 90 Kälber pro Stunde betrage. Wichtig sei, dass möglichst keine Unterbrüche in der Schlachtkette entstehen. Krankschlachtungen erfolgen jeweils am Schluss. Wichtig sei eine korrekte Markierung der Tiere. Thoma wies darauf hin, dass Begleitdokumente eine Urkunde darstellen. Der Referent zeigte einige Tiere, welche trotz Krankheiten ohne Angaben in den Schlachthof geliefert wurden. Er betonte, dass der Schlachthof St. Gallen weder Krankheits- oder Notschlachtstätte sei. Begleitdokumente seien zentral und verbindlich. Es erfolgen im Rahmen der Verhältnismässigkeit Kostenverfügungen oder Anzeigen.

BVD Ausrottungsprogramm trägt Früchte
Der Abschluss des anerkannten Fortbildungsprogramms bildete das Referat des Thurgauer Kantonstierarztes Dr. Paul Witzig. Er wies darauf hin, dass nach dem BVD-Ausrottungsprogramm sämtliches Rindvieh auf den Virus getestet werde. So auch die neugeborenen Kälber. Das Rindvieh werde ständig überwacht. Der grösste Teil des Rindviehbestandes trage heute keine Antikörper mehr. Trotzdem sei es wichtig, dass die Bestände ständig überprüft werden, betonte Witzig.


Mario Tosato







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