Ausgabe Nummer 40 (2004)
Vino e vacche
| Landwirtschaft im Kanton Tessin | ||
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Vino e vacche
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| Steile Täler und wenig Flachland sind charakteristisch für das Tessin. Deshalb besteht die Tessiner Landwirtschaft grösstenteils aus Bergbetrieben. Trotz der Rationalisierung ist sie immer noch durch kleine Familienbetriebe gekennzeichnet. Aufgrund der landschaftlichen Eigenheiten stellt die Viehwirtschaft den Hauptproduktionssektor dar. In den flachen Regionen (Magadino-Ebene) haben sich Intensivkulturen entwickelt, vor allem Gemüsebaukulturen. Diese erlauben es, auf kleinen Flächen höhere Einkünfte zu erzielen. In den Hügelregionen wird vorwiegend Rebbau betrieben. Das Tessin und das Braunvieh Der Kanton Tessin und seine Züchter sind aus Tradition und Berufung untrennbar mit der Braunviehrasse verbunden. Zahlreiche Braunviehzuchtgenossenschaften bestehen seit mehr als hundert Jahren und gehören zu den ersten der Schweiz. Rund 80 Prozent des heutigen Tessiner Rinderbestandes gehört der Braunviehrasse an. In den letzten Jahren, insbesondere nach der Gründung der Züchtergruppe «Top Ticino», konnte sich die Qualität der nationalen Spitze nähern. In nahezu allen Veranstaltungen ist für die Tessiner Platz auf dem Siegerpodest. Ziegenzucht Die Unwirtlichkeit der Tessiner Bergtäler zwang die Bergbauern wenig anspruchsvolle, dafür aber sehr raue und unabhängige Ziegenrassen zu halten. So entstand die Nera Verzascaziege, eine besonders robuste Rasse mit schwarzem kurzen Fell. Diese Ziegen sind heute im ganzen Tessin vertreten, besonders in den unwegsamen Gebieten, in denen mittlerweile keine anderen Landwirtschaftstätigkeiten mehr ausgeübt werden. Die Tiere sind einzig während der Gebärperiode im Frühjahr im Stall. Schafzucht Das gute Tessiner Niveau der Schaftzucht ist ein Resultat der guten Zusammenarbeit der Sektionen mit den kantonalen Behörden. Zwei wichtige Entwicklungs-etappen haben die Zucht geprägt: Durch Kreuzungen mit dem «Weissen Alpenschaf» während des Zweiten Weltkrieges konnte die einheimische Rasse deutlich verbessert werden. 1958 wurde mit der Zucht der «weissen Alpenrasse» auf die verstärkte Nachfrage nach Schlachtschafen reagiert. Leider sind die Zukunftsaussichten für die Schafzucht nicht sehr ermutigend. Die Sze-narien der neuen Agrarpolitik, welche von der Öffnung der internationalen Märkte beeinflusst wird, lassen einen Abbau der Tätigkeiten auf dem Gebiet der Zucht vorhersehen. Nach dem freien Fall der Wollpreise ist wegen der Zuteilung der Importkontingente an einen kleinen Kreis von Zwischenhändlern auch der lukrative Absatz des Fleisches ernsthaft in Gefahr. Alpen, Pässe und Pferde Die Nord-Süd-Achse mit ihren Pässen erforderte früher einen grossen Bedarf an Pferden und Saumtieren. Tatsächlich wurden die Tiere eher gekauft als gezüchtet, denn die Stuten mussten so hart arbeiten, dass wenig Kraft für die Aufzucht eines Fohlens blieb. Im Jahre 1977 wurde die neue Pferdezuchtgenossenschaft (PfZG) Ticino gegründet. Die Deckstation in Breganzona ist mit einem Freiberger Bundeshengst besetzt. Seit Jahren ist die Haltung eines eigenen Warmbluthengstes nicht mehr nötig, weil für die oft abgelegen wohnenden Züchter die künstliche Besamung eine bessere Möglichkeit darstellt. Herdebuch-Haflinger und die Maultierzucht sind nicht mehr vertreten. Schweinezucht Da das Tessin vorwiegend ein Bergkanton ist, weist es keine grosse Schweinebestände auf. Alpschweine bringen ausgesprochene Spezialitäten hervor. Bevor sie geschlachtet werden, werden sie mit Kastanien, Getreide, Kartoffeln und anderem Futter gemästet. Aus «mazza casalinga» (Hausschlachtung) gehen hochwertige Wurstwaren hervor, die aber auf Grund der geringfügigen Produktion auf dem Markt schwer erhältlich sind. Geflügelzucht Nur wenige Landwirtschaftsbetriebe betreiben die Geflügelzucht als zusätzlichen Produktionszweig. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass im Tessin die Geflügelzucht wenig Tradition hat. Agrarpolitik Innerhalb des engen Handlungsspielraumes der eidgenössischen Normen hat das Tessin begonnen, eine eigene Landwirtschaftspolitik umzusetzen, die den Eigenheiten des Kantons Rechnung trägt. Am 1. Januar 2003 trat ein neues Gesetz in Kraft welches viel stärker auf die Unterstützung der Absatzförderung als auf die Bevormundung oder Staatsgarantie ausgerichtet ist. Hauptziel der Kantonsreform ist, die Tessiner Landwirtschaft wieder wettbewerbsfähig zu machen. Für den Wiederaufschwung der Tessiner Landwirtschaft ist es grundlegend wichtig, mit anderen Sektoren und Wirtschaftszweigen zusammenzuarbeiten. Gemeint sind insbesondere der Tourismus, die Gastronomie, der Handel und der Agrar-Nahrungsmittelbereich. Die Zusammenarbeit mit diesen Branchen eröffnet noch Wachstumsmöglichkeiten. (mgt/uhu) |
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