Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Vollständige und nachhaltige Nutzung und lokale Wertschöpfung

Ausgabe Nummer 38 (2014)

Informationsanlass «Landwirtschaft gibt Gas!» der Kommission Erneuerbare Energien VTL

Biogene Abfälle und Hofdünger sollen verstärkt energetisch genutzt und anschliessend stofflich verwertet werden.

Am 11. September 2014 begrüsste Walter Strupler, Präsident der Kommission Erneuerbare Energien VTL, im «Stelzenhof» ob Weinfelden zu einem Abend mit Informationen über die Potenziale zur Produktion von Biogas in der Landwirtschaft. Eingangs erörterte Bernard Dubochet vom Amt für Energie des Kantons Thurgau die Massnahmen im «Konzept Biomasse Thurgau». Mit diesem Konzept sollen bis 2025 spezifische Ziele erreicht werden. Dazu zählt unter anderem die lokale Wertschöpfung. Biogene Abfälle und Hofdünger aus dem Kanton Thurgau sollen möglichst in Anlagen im Kanton, respektive im unmittelbar angrenzenden Gebiet, verwertet werden. Zur Zielerreichung werden Massnahmen in den Bereichen Planungsgrundlagen, Umlenkung von Biomasseströmen, Beratung und Unterstützung sowie finanzielle Förderung festgelegt. Die Massnahmen sollen die Planung und Realisierung von Projekten unterstützen und die Zusammenarbeit zwischen den Akteuren verstärken. Dabei sollen keine Vergärungstechnologien oder Verwertungswege des Biogases (zum Beispiel Erzeugung von Strom und Wärme, respektive Einspeisung ins Erdgasnetz) bevorzugt werden. Die finanziellen Unterstützungsbeiträge sollen technologieneutral ausgestaltet werden. Bernard Dubochet wies auf die neuesten Fördersätze des Förderprogramms Energie 2014, Stand 12. September 2014, hin.

Überlegungen zum Standort
Christian Eggenberger, Leiter Betriebsberatung am BBZ Arenenberg, informierte über wirtschaftliche Berechnungen und Modelle für Hofdüngeranlagen. Er stellte fest, dass das Potenzial für Hofdüngeranlagen im Thurgau gut ist: «Die Betriebe werden grösser, die Spezialisierung nimmt zu, die Landwirte sind gut ausgebildet und haben entsprechendes Technikverständnis. » Als Anforderungen an Substrat, respektive Hofdüngermengen, gelten 150 GVE von Rindern oder Schweinen. Vorteilhaft sei, so Christian Eggenberger, wenn die Gülle möglichst wenig verdünnt ist und ein Teil des Hofdüngers als Mist vorliegt. Dies bedinge, dass in der Regel zwei oder mehr Betriebe an einer Anlage beteiligt sind und der Gülletransport über Bodenleitung erfolgt. Die Distanz der Betriebe beschränke sich dadurch auf zirka 1 km. Als betriebliche und bauliche Voraussetzungen für eine Hofdüngeranlage gehören die Überlegungen zum Standort (Distanz zu Wohnzone, Nähe zu Stromeinspeisung/ Kapazität, Möglichkeit für die Nutzung der Abwärme) sowie die Nutzung bestehender Bauten, vorhandener betrieblicher Einrichtungen und Güllegruben. Er zeigte Modelle von Anlagen auf und wies darauf hin, wie entscheidend der Standort der Güllegrube, auch bezüglich Investitionen, ist.

Frühzeitige Anmeldung für KEV
Christian Eggenberger thematisierte mögliche Formen der Zusammenarbeit, wie zum Beispiel die Gründung einer GmbH. Darin sind alle Partner Gesellschafter und gewähren Darlehen, die Anlage wird im Baurecht erstellt. Es wird ein Verantwortlicher für den Betrieb bestimmt, der als Angestellter der Gesellschaft tätig ist. Zum Projektablauf zur Realisierung einer Biogasanlage: Wenn ein interessierter Landwirt am BBZ Arenenberg seine Projektidee vorbringt, ermöglicht die Beratung in einer kostenlosen Vorstudie eine erste Beurteilung und nimmt Berechnungen vor. Daraus geht hervor, ob es sich lohnt, das Projekt weiter zu verfolgen. In einem weiteren Schritt wird eine detaillierte, auf der spezifischen Situation aufbauende Machbarkeitsstudie (die Vorstufe zu Projektierung, Projektentwicklung; Umsetzung/Bau und Betrieb) erstellt. Die Machbarkeitsstudie ist kostenpflichtig, jedoch werden durch das kantonale Förderprogramm bis zu 60 Prozent der Kosten, maximal mit 30 000 Franken, übernommen. Christian Eggenberger wies darauf hin, dass eine frühzeitige Anmeldung für die KEV (kostendeckende Einspeisevergütung) wichtig ist, da auch für Biogasanlagen eine Warteliste besteht und damit zu rechnen sei, dass eine Zusage erst in zwei bis drei Jahren erfolgt. Der nächste Referent, Michael Müller, Biolandwirt und Betreiber einer Biogasanlage als GmbH, schloss sich in weiten Teilen den Ausführungen des Vorredners an.

Perspektiven für den Anlagenbau
Michael Müller wies darauf hin, dass eine Hofdüngeranlage Zeitaufwand erfordert und meinte, finanzielle Überlegungen dürften nicht im Vordergrund stehen: «Es gehört auch Freude und Interesse an der Materie dazu.» In seiner Funktion als Präsident von Ökostrom CH präsentierte er darüber hinaus die Ziele und Aufgaben dieser Genossenschaft, welche die Interessen der energieproduzierenden Landwirte vertritt. Toni Nauer von der EKT AG erörterte in seinem Beitrag, wie sie mit der Schaffung standardisierter Anlagetypen und Abläufen die Landwirtschaft bei der Realisierung von Biogasanlagen unterstützen wollen. Josef Schmidiger von der Unternehmung der Meyer Gruppen (Meyer AG/Schweizer AG) stellte die Eckpunkte einer Flüssigvergärungsanlage auf. Er erklärte deren Entwicklung und zeigte bildlich auf, wo die kritischen Grössen sind. Karl-Heinz Restle von der Renergon AG zeigte unter anderem auf, unter welchen Umständen eine einfache Feststoffvergärung, allenfalls in Kombination mit einer Flüssigvergärung, zielführend sein könnte.
Der Informationsabend wurde mit einer Diskussion beendet. Dabei interessierten die Zukunftsaussichten für Biogasanlagen und die Sicherheit der KEV. Walter Strupler verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass mit den deutlich erhöhten Förderbeiträgen in den nächsten Jahren im Thurgau nun doch einige Hofdünger-Biogasanlagen entstehen würden.


Isabelle Schwander


Weitere Informationen:
www.energie.tg.ch
www. oekostromschweiz.ch










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