Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
21. Juni 2019


Vom Landwirt zum Unternehmer - individuell und praxisbezogen

Ausgabe Nummer 14 (2019)

Wer einen Landwirtschaftsbetrieb erfolgreich führen und weiterentwickeln will, muss unternehmerisch denken. Dieses unternehmerische Rüstzeug wird in der Betriebsleiterschule oder der Weiterbildung zum Agrotechniker HF oder zur Agrotechnikerin HF weitergegeben.

Für die erfolgreiche Führung eines landwirtschaftlichen Unternehmens genügen heute alleinige produktionstechnische Kenntnisse nicht mehr. Wer sein Unternehmen in die Zukunft führen will, muss dieses konsequent weiterentwickeln, Schwerpunkte setzen, unternehmerisch denken, seine Produkte erfolgreich vermarkten und über ein gutes Netzwerk verfügen.
Am BBZ Arenenberg werden diese Kompetenzen während der Betriebsleiterschule oder der Weiterbildung zum / r Agrotechniker/-in HF vermittelt. Beide Weiterbildungen sind auf unternehmerisch denkende Berufsleute ausgerichtet, die in der Landwirtschaft oder in der vor- und nachgelagerten Branche Fachund Führungsverantwortung übernehmen möchten.

Betriebsleiterschule – mit der Berufs- und Meisterprüfung zum Erfolg
Die Betriebsleiterschule ist in zwei Stufen (Berufsprüfung, Meisterprüfung) unterteilt und modular aufgebaut. Für die Berufsprüfung können nebst den Pflichtmodulen verschiedene Wahlmodule aus den Bereichen Produktionstechnik und Dienstleistungen besucht werden. Die Wahl dieser Module kann optimal auf den eigenen Betrieb oder die persönlichen Interessen abgestimmt werden.
Die erste Stufe der Betriebsleiterschule startet jedes Jahr jeweils nach den Herbstferien. Während zwei Jahren muss mit etwa zwei Ausbildungstagen pro Woche gerechnet werden. Diese finden hauptsächlich in den Wintermonaten statt.
Auf der Berufsprüfung aufbauend, können während eines Winters die Pflichtmodule für die Meisterprüfung besucht werden. Die Betriebsleiter befassen sich dabei vertieft mit Themen wie «Strategische Unternehmensführung», «Agrarpolitik», «Agrarrecht» oder «Steuern und Versicherungen». Die Module des Meisterlehrgangs werden alle zwei Jahre durchgeführt. Der nächste Lehrgang startet im Herbst 2019.

Lehrgang «Agrotechnik HF» – für Fach- und Führungskräfte
Wer in der Landwirtschaft oder der vor- und nachgelagerten Branche eine Führungsfunktion übernehmen möchte, bereitet sich mit der Weiterbildung zum / r Agrotechniker / -in HF optimal darauf vor. Nebst den Modulen der Betriebsleiterschule vertiefen sich die Lernenden mit Themen aus den Bereichen Naturwissenschaft, Informatik und Sprachen.
Der berufsbegleitende Lehrgang dauert drei Jahre. Im Sommer 2019 startet der nächste Lehrgang.

Nachgefragt bei Martin Koster
Martin Koster aus Oberaach absolvierte die Weiterbildung zum Agrotechniker HF, welche das BBZ Arenenberg zusammen mit den Ausbildungszentren Rheinhof Salez und Plantahof anbietet. Martin bewirtschaftet einen modernen Milchwirtschaftsbetrieb mit Obst- und Ackerbau innerhalb einer Betriebsgemeinschaft.

Was war deine Motivation, nach der Grundausbildung (Landwirt EFZ) die Weiterbildung zum Agrotechniker HF zu absolvieren?
Mit dem Ziel, den elterlichen Betrieb künftig erfolgreich weiterzuführen, war für mich schon sehr lange klar, dass ich im Minimum die Betriebsleiterschule absolvieren möchte. Nach dem Motto «Wenn schon, denn schon» entschied ich mich sehr rasch auch für die Weiterbildung zum Agrotechniker HF. Die Tatsache, dass das BBZ Arenenberg den Lehrgang berufsbegleitend anbietet, erleichterte mir die Entscheidung zusätzlich.

Die dreijährige berufsbegleitende Weiterbildung zum Agrotechniker HF hast du im Sommer 2018 erfolgreich abgeschlossen. Von welchen Fächern oder Lerninhalten konntest du rückblickend am meisten profitieren?
Am bedeutendsten waren für mich Fächer wie Strategische Unternehmensführung und Betriebswirtschaft, aber auch Volkswirtschaft und Agrarpolitik. Dabei befassten wir uns einerseits sehr intensiv mit dem eigenen Betrieb, lernten aber andererseits auch sehr viel über das Umfeld – auch ausserhalb der Landwirtschaft.

Wie praxisnah ist das Gelernte? Was konntest du bisher auf dem eigenen Landwirtschaftsbetrieb umsetzen?
Das Gelernte bezieht sich mehrheitlich sehr stark auf die Praxis, was mir bei der Wahl der Weiterbildung bereits ein Anliegen war.
Es fällt mir nun leichter, strategische Entscheidungen mit einem besonderen Augenmerk auf den betriebswirtschaftlichen Aspekt zu treffen.

Weshalb empfiehlst du landwirtschaftlichen Lehrabgängern, die Betriebsleiterschule oder Weiterbildung «Agrotechnik HF» zu besuchen?
Die Anforderungen an den Betriebsleiter eines landwirtschaftlichen Unternehmens haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Die Grundausbildung konzentriert sich sinnvollerweise sehr stark auf die Produktionstechnik. Die Betriebsleiterschule und die Technikerschule bauen auf diesen Grundkenntnissen auf und schaffen für die Absolventen beste Voraussetzungen für ein erfolgreiches Betriebsmanagement. Ein positiver Nebeneffekt sind für mich die beruflichen Möglichkeiten, welche einem Agrotechniker nebst oder anstelle der Tätigkeit als Landwirt offenstehen.


BBZ Arenenberg
Esra Müdespacher










« zurück zur Übersicht