Ausgabe Nummer 39 (2004)

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Von einer dressierten Sau und einer Hochzeit auf der Wiese

Restaurant Gertau, Pferdepension und Schenke
 
Von einer dressierten Sau und einer Hochzeit auf der Wiese
 
Das Hobby zum Beruf machen bleibt für viele ein Traum. Ursula und Werner Attinger konnten den Traum verwirklichen. Das Paar betreibt in Gertau ein Restaurant mit Fährbetrieb und Pferdepension.
 
Mit dem Pferd Quarto und den Hunden Chessie und Breeze hat Ursula Attinger auch einige Kunststücke bereit. (uhu)
 
Ursula Attinger stammt ursprünglich aus dem Zürcher Oberland. Sie ist gelernte Hotelfachassistentin. Nach ihrer Ausbildung verbrachte sie einige Zeit im Welschen, den USA und den Malediven. Mit ihrem Mann, Werner Attinger, gelernter Wirt, wollte sie etwas Eigenes eröffnen. Per Zufall stiessen sie 1995 auf die Liegenschaft Gertau. Früher wurde dort neben dem Fährbetrieb ein Kiosk betrieben, doch stand die Liegenschaft seit einem Jahr leer. Aus dem kleinen Kiosk entstand ein Restaurant, ein Pferdepensionsbetrieb mit 16 Pferden und einer Reithalle. «Die Entwicklung war am Anfang langsam. Wir mussten den Leuten zuerst zeigen, dass wir da sind. Sie kannten die Fähre Gertau nicht mehr», blickt Ursula Attinger zurück. «Vieles entwickelte sich durch Mund-zu-Mund-Propaganda.»

Hochzeit auf der Wiese
Bei Hochbetrieb beschäftigen Attingers heute bis zu sechs Aushilfen. Das Restaurant, welches mit dem Qualitätsgütesiegel ausgezeichnet ist, bietet für 45 Personen Platz. Grössere Anlässe können auf Anfrage auch in der Scheune oder in der Reithalle durchgeführt werden. So werden Kindergeburtstage gefeiert, Schulklassen setzen mit der Fähre über die Sitter, und sogar Paare geben sich hier das Ja-Wort. Ursula Attinger erzählt, wie vor kurzem ein Pfarrer auf der Wiese in Gertau ein Paar traute. Die Lage zwischen Hauptwiler Weiher und Hudelmoos lädt viele Wanderer und Spaziergänger zu einer Rast ein. Ursula Attinger freut es, dass viele Leute die Ruhe und die Natur in Gertau geniessen.

Servitut Fähre
Das Grundstück ist mit dem Servitut behaftet, die einzige Fähre im Kanton Thurgau zu betreiben. Die Fähre ist im Besitz der Gemeinde, Attingers sind für den Fährbetrieb verantwortlich. So muss die Fähre im Frühling überholt werden. Nach einem Hochwasser muss die Fahrrinne wieder freigeschaufelt werden. «Wenn die Sitter viel Wasser führt, hilft die Strömung die Fähre zu bewegen. Bei wenig Wasser ist Muskelkraft gefordert», schmunzelt Ursula Attinger.

Eigenes Heu für die Pferde
Das besondere an den Pferdeboxen in Gertau ist, dass sich je zwei Pferde eine Boxe mit permanentem Auslauf teilen. So können die Pferde den für sie so wichtigen Sozialkontakt pflegen. Trotzdem ist das Verletzungsrisiko geringer als in grösseren Gruppen. Bevor zwei Pferde sich den Auslauf teilen, muss gut beobachtet werden, ob sie sich verstehen. Nicht jedes verträgt sich mit jedem. Im Gegensatz zu anderen Reitställen tragen im Winter die meisten Pferde keine Decke. Deshalb haben sie ein dickes Fell. Anfänglich waren einige Pferdebesitzer skeptisch gegenüber dieser Haltungsform. Doch ist Ursula Attinger überzeugt, dass sich vor allem der Besitzer umgewöhnen müsse. Denn die Pferde machen es automatisch. «So gehaltene Pferde sind leistungswilliger, ausgeglichener und haben, da sie sich mehr bewegen können als in einer Boxe, eine bessere Grundkondition», weiss sie aus Erfahrung. Im Stall haben Attingers drei eigene Pferde. Früher startete Ursula Attinger an Dressur- und Springprüfungen. Heute fehlt ihr die Zeit dazu.
Das Heu für die Pferde mähen Attingers auf zehn Hektaren selber. Bis vor zwei Jahren pflanzten sie auf einer Hektar Chicorée an.

Dressierte Sau
Vierzig Schafe grasen rund um den Hof. Neben Katzen, Hunden und Gänsen hielten Attingers im letzten Jahr eine dressierte Sau. Diese kam mit auf die Fähre und kannte die Kommandos «Sitz» und «Platz». Für den Eigengebrauch im Restaurant werden einige Ferkel und Schafe geschlachtet. Zudem wird geräucherter Lachs angeboten, von dem ein Teil an andere Restaurants verkauft wird.

Hektischer Sommer
Vor allem im Sommer ist es in Gertau hektisch. Das Restaurant ist täglich, ausser am Sonntagabend, geöffnet. Meist arbeitet Ursula Attinger im Service, während ihr Mann die Küche betreut. Doch können beide die Arbeiten des anderen machen. «Die Gäste schätzen sehr, dass wir anwesend sind. Das Restaurant lebt sicher auch von unserer Persönlichkeit. So erkundigen sich die Gäste nach uns, wenn wir einmal nicht da sind», berichtet Ursula Attinger. Dies schränkt die Freizeit des Paars ein. So ist es während der Sommermonate fast nicht möglich, dass beide zusammen fortgehen können. Im Winter, wenn das Restaurant geschlossen ist und nur auf Voranmeldung öffnet, bleibt mehr Zeit für Büroarbeit und die Freizeit. Werner Attinger spielt Curling. Ursula Attinger kann sich mehr ihren Hunden und Pferden widmen. Sie hat drei Australian Cattle Dogs. Stolz erzählt sie, dass sie sich zusammen mit der zehnjährigen Hündin Chessie an der Schweizer Meisterschaft im Agility im vorderen Drittel platzieren konnte. Australian Cattle Dogs gibt es nur sehr wenige in der Schweiz. Diese lebhaften Hunde wurden in ihrer Heimat Australien zum Rindertreiben eingesetzt. Ursula Attinger ist begeistert von dieser Rasse. Doch müssen sie beschäftigt werden. «Wenn sie zu wenig Beschäfigung haben, suchen sie sich selbst eine. Diese entspricht nicht immer ganz den Wünschen des Besitzers», schmunzelt sie. Vor kurzem organisierte das Paar einen Agility- und einen Schaftreibekurs für Australian Cattle Dogs in Gertau.

Werbung
Das Restaurant Gertau ist jedes Jahr an der BIGWA, der Bischofszeller Gewerbeausstellung, mit dem Western Country Bar & Saloon vertreten. Bereits zum zweiten Mal wurde in der Reithalle ein Konzert der Atlantis Big Band organisiert. In regionalen Medien platzieren sie einige Inserate. An Pferdeveranstaltungen sponsern sie die Flots und Plaketten. Auch unterstützen sie regionale Vereine in der Region. Jedes Jahr am Muttertag findet das traditionelle Mammut-Flossrennen Sitter-Thur statt. (uhu)
 

Gästebetreuung
Qualität gewinnt in allen Bereichen an Bedeutung, auch in der Gästebetreuung. Sie entsteht nicht von einem Tag auf den anderen, sondern stellt in allen touristischen Branchen einen kontinuierlichen Prozess dar. Das LBBZ Arenenberg bietet verschiedene Kurse an, um die Quali-tät der Gästebetreuung zu fördern. Siehe Rubrik Aus- und Weiterbildung. (uhu)

 
 
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