Ausgabe Nummer 21 (2006)

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Vorgeschichte des Schlosses Arenenberg

Geschichte

Vorgeschichte des Schlosses Arenenberg


Die Kaiserin Eugénie schenkte dem
Kanton Thurgau das Schlossgut.
(Archiv Napoleonmuseum)

Vor 100 Jahren ging das kaiserlich französische Schlossgut Arenenberg an den Kanton Thurgau über, doch dies war weder End- noch Anfangspunkt. Durch die grosszügige Schenkung Eugénies, der letzten Kaiserin und Schlossherrin, wurde lediglich ein neues Kapitel in der viele Jahrhunderte alten Geschichte dieses wunderschönen Ortes geschrieben.
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts tritt der Arenenberg ins Rampenlicht der Geschichte. Es sind Konstanzer Patrizier, die sich hier einen Landsitz errichten. Sie erfreuen sich des damals schon angebauten guten Weins und der traumhaften Lage, bis die Katastrophe von 1499 hereinbricht. Im Schwabenkrieg wird vermutlich auch der Arenenberg zerstört. Kurz darauf wird das Gut an das Kartäuserkloster Buxheim bei Memmingen veräussert, ein Konvent, der später im Kloster Ittingen aufgehen sollte. Die Mönche betreiben einen schwunghaften Weinhandel und errichten im Bereich des heutigen Parks auf der Höhe der Eremitage ein kleines Kloster, dessen Spuren unter der Erde ruhen.
Erst das Jahr 1817 bringt wieder glanzvollere Zeiten. Hortense de Beauharnais, ehemalige Königin von Holland und Erbin Napoleons I., wählt das Bodenseegebiet mit der damaligen Metropole Konstanz als Exilsitz. Sie verliebt sich in den nahe gelegenen Arenenberg. Nach ihren Vorstellungen werden Park und Gebäude verändert, von der mittelalterlichen Struktur bleibt nur noch das heutige Schloss (Napoleonmuseum) erhalten. Ein dreiflügliges Ökonomiegebäude, die so genannte Dependance, wird errichtet. Darin befinden sich nicht nur die Räume des Prinzen Louis Napoléon, der später als Kaiser Napoleon III. in die Geschichte eingehen sollte, sondern vor allem Personal- und Gästezimmer, Küche, Hoftheater und Räumlichkeiten der Gärtnerei. Ungezählt sind die Besucher, die sich zwischen 1817 und 1838 auf Arenenberg einfinden: Franzosen, Schweizer, Engländer, Italiener, Polen, Bürger der deutschen Kleinstaaten und, und, und. Vertreter aus allen Berufsgruppen, berühmte Künstler und Literaten, aber auch Spione, die eifersüchtig überwachten, was hier am Untersee passierte. Immerhin, die Erbin des grossen Korsen erzog hier dessen potenziellen Nachfolger auf dem französischen Thron – eine interessante Konstellation.
Die Anlage erhält ein zusätzliches Gästehaus, die Gärten ein zeitgemässes Aussehen. Der Kaiser stirbt 1873 im englischen Exil. Seine Witwe, die Kaiserin Eugénie und Prinz Louis, der gemeinsame Sohn, kommen nun regelmässig im Sommer auf den Arenenberg. Wieder entwickeln sich politische Intrigen. Die Bonapartes haben die Hoffnung nicht aufgegeben, erneut in Frankreich an die Macht zu kommen. 1879 folgt die Katastrophe! Ihr Sohn Louis, der Hoffnungsträger, fällt in britischen Reihen in Südafrika. Nun verliert die Kaiserin jedes Interesse an ihrem Gut. Stück für Stück lässt sie Erinnerungsstücke entfernen. 1906 ist es so weit. Eugénie hat schon längst beschlossen, sich von Arenenberg zu trennen. So schenkt die Exkaiserin das Schlossgut Arenenberg aus Dankbarkeit für das einst genossene Asyl am Untersee dem Kanton Thurgau.

Debora Ventura, LBBZ Arenenberg