Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Vorrangiges Ziel: Braunvieh-Kühe im Stall

Ausgabe Nummer 12 (2017)

28 Braunviehhalter aus den Kantonen St. Gallen und Thurgau besuchten die Braunvieh- Akademie Modul 2 auf dem Betrieb von Markus und Emanuel Süess in Waldkirch SG. Die Teilnehmer empfanden die Weiterbildung als äusserst interessant.

Michaela Glarner, Projektleiterin Braunvieh-Akademie, stellte fest, dass die Braunvieh-Akademie die praxisnahe Weiterbildungsmöglichkeit für jeden Züchter sei. Nach dem Prinzip «Die Braunviehkuh für jeden Betrieb» wurden spannende Themen rund ums Braunvieh durch interessante Referenten behandelt.

Gut eingerichteter Bauernbetrieb
Zu Beginn der Braunvieh-Akademie stellten Markus und Emanuel Süess ihren Betrieb «Süess» vor. Der Milchviehlaufstall mit Tiefboxen wurde vor rund zwei Jahren in Betrieb genommen. Die Generationengemeinschaft betreibt Milchwirtschaft und Schweinemast. Vater Markus ist zu 75 Prozent und sein Sohn zu 25 Prozent auf dem Hof beteiligt. Bei Bedarf ist auch ein Onkel beschäftigt. Ab dem sechsten Monat findet eine Vertragsaufzucht statt. Zurzeit sind es 35 Kälber. Auf dem Betrieb werden 55 Kühe mit einer durchschnittlichen Milchleistung von 8815 kg Milch mit 3,53 Prozent Eiweiss, 30 Stück Jungvieh sowie 130 Mastschweine gehalten. Gegenüber des Abkalbestalls ist eine Behandlungsbox mit Tiefstroh und Klauenstand eingerichtet. Das Melksystem Swingover *8 (bietet 16 Melkplätze) ist eine wertvolle Hilfe. Die Milch wird an die Käserei Engelburg AG, Wick und Schlegel, geliefert. Der Betrieb «Süess» hat 26 Hektaren Wiesland. Auf einer weiteren Hektare wird Mais angebaut. Das Echo auf den neuen Stall war von den 28 Braunvieh-Akademie-Teilnehmern äusserst positiv. Die Akademie-Teilnehmer sprachen von zweckmässiger Einrichtung und grosser Sauberkeit im Stall und Milchzimmer.

Tierarzt gibt Empfehlungen ab
André Treier, med. vet., Tierarzt GTS bei TRIVET in Frick, erklärte zu Beginn seines Referates den Begriff ITB (integrierte tierärztliche Bestandesbetreuung), die zur Feststellung für Gesundheitsprobleme diene. Ziel der ITB sei die Optimierung der Herdengesundheit, die Reduzierung des Medikamenteneinsatzes sowie die tierschutz- und tierartgerechte Nutztierhaltung. Von grosser Bedeutung sei aber auch die Sicherung der Lebensmittelqualität und des Verbraucherschutzes. Ein weiteres Ziel sei die wirtschaftliche und rentable Milchproduktion. Treier wies auf die Bedeutung der Brunstbeobachtung, der negativen Energiebilanz und der Risikofaktoren hin. Nach seinen Aussagen sind Eierstockstörungen vorwiegend auf ein ausgeprägtes Energiedefizit und das vermehrte Auftreten entzündlicher Produktionskrankheiten zurückzuführen. Treier erklärte, dass es eine Reihe hormoneller Therapien gebe, welche aber nur unter bestimmten Voraussetzungen wirken.

Nachhaltige Zuchtstrategien und professionelle Produktionsmethoden
Stefan Buri, Teamleiter Reproduktion Swissgenetics, erklärte anhand der «Nutrivache» die Themen der intensiven Fütterung, den Stoffwechsel der Wiederkäuer und die Haltung der Tiere. Er wies auch auf Fruchtbarkeitsstörungen hin. Wichtig sei eine gesunde Ernährung der Kühe und eine gute Eutergesundheit. Auf das Fressverhalten sollte ebenfalls geachtet werden. Der theoretische Teil erlaubte den Kursteilnehmern, ihre Kenntnisse über das Fortpflanzungssystem zu vertiefen und die hormonelle Regelung der Brunstperioden der Kühe ausführlich zu studieren. Ebenso konnten sie die letzten Neuigkeiten der genomischen Auswahl erfahren. Erfolgreiche Milchund Rindfeischproduzenten setzen auf nachhaltige Zuchtstrategien und professionelle Produktionsmethoden. Dazu brauchen sie Tiere, welche leistungsfähig und gesund sind. Die Genetikprogramme von Swissgenetics richten sich konsequent nach diesen Bedürfnissen. Mit den in Partnerschaft mit Züchtern und Zuchtorganisationen betriebenen Prüfprogrammen wird marktgängige und zukunftsträchtige Genetik auf internationalem Niveau entwickelt, stellt Buri fest. Nutzbringende Zusammenarbeit in der Zucht setzt gegenseitiges Vertrauen zwischen dem Genetikanbieter und den Züchtern voraus. Dies erfordert beidseitig hohe Kompetenz und Transparenz.

Wichtige Erfassung der Gesundheitsdaten
Michaela Glarner wies zum Abschluss der Braunvieh- Akademie 2 darauf hin, dass die Erfassung der Gesundheitsdaten für die Braunviehzucht von grosser Bedeutung sei. Dies diene der Zucht robuster Tiere und damit einer Verbesserung der Gesundheit bei Milchviehzuchtbeständen. Verbessert soll auch die Wirtschaftlichkeit der Milchviehzuchtbestände dank Kostensenkung im Betriebsmanagement und Verminderung von Produktionsausfällen werden. Den Vorteil für die Züchter sah Michaela Glarner in einer langfristigen Kostensenkung dank gesünderer Tiere: Weniger Produktionsverluste, tiefere Tierarztkosten und weniger Abgänge. So könne eine Übersicht über Einzeltiere und Herdengesundheit erstellt werden. Die Erfassung der Gesundheitsdaten diene auch als Hilfsmittel für das Management und die Erfüllung der Tierarzneimittelverordnung. Als weitere Vorteile nannte Michaela Glarner die Bereitstellung von Managementhilfen, Ausweitung der Datenerfassung, Einführung der Zuchtwertschätzung und den Einbau in Zuchtprogramme.


Mario Tosato
















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