Vorsicht vor toten Katzen und schlechter Silage
Ausgabe Nummer 3 (2004)
Vorsicht vor toten Katzen und schlechter Silage
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Botulismus-Vergiftungen als Thema an der Viehwirtschaftstagung |
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| Vergiftungen von Nutztieren mit dem Nervengift Botulin sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Veterinärmediziner Ueli Braun vom Tierspital der Universität Zürich machte die Zuhörerschaft an der Viehwirtschaftstagung letzte Woche in Weinfelden anschaulich mit den Gefahren des ungeheuer starken Giftes vertraut. Quellen für Vergiftungen sind unentdeckte Kadaver im Futter und verdorbene Siloballen. Zum klassischen Fall von Botulin-Vergiftungen komme es dann, wenn sich irgendwo im Heustock eine Katze zum Sterben hinlegt und der Katzenleichnam unentdeckt bleibt, erklärte Professor Ueli Braun vom Tierspital Zürich anlässlich der traditionellen Tagung der Kommission Viehwirtschaft des Thurgauer Bauernverbandes. Im sich zersetzenden Tierkörper findet das sonst harmlose, geläufige Bakterium «Clostridium botulinum» ideale Bedingungen, um das gefährliche Nervengift zu bilden: Sauerstofffreie, eiweissreiche Umgebung, Temperaturen zwischen 25 und 35 Grad und ein leicht saures bis basisches Milieu. Ähnliche Bedingungen wie in Tierkadavern können auch in festgepressten Silageballen herrschen. Braun nannte denn auch verdorbene Ballensilage als eine der häufigsten aktuellen Quellen für Botulin-Vergiftungen, vor allem auch bei Pferden, die mit Silage gefüttert werden. Das Gift Botulin wirkt ungeheuer stark, wie Braun mit einen drastischen Beispiel veranschaulichte: Ein Esslöffel davon ins Wasser des Bodensees gerührt, und daraus eine Spritze voll gezogen und injiziert würde reichen, einen Menschen zu töten, erklärte er. Glücklicherweise sind das Gift und die (früher bekannten) Vergiftungen mit verdorbenen Konservendosen heutzutage sehr selten. Blockiert die Nervenenden Vergiftete Tiere zeigen deutliche Symptome. Das Gift setzt sich an den Nervenenden (den Synapsen) fest. Kühe zeigen Schluck- und Kaubeschwerden. Die Zunge wird gelähmt und lässt sich widerstandslos aus dem Flotzmaul ziehen. Der Gang wird unsicher, es kommt zum Festliegen. Schliesslich stirbt das Tier an Lähmung der Atemwege. Auffällig ist, dass nicht alle Tier gleich stark auf das Gift ansprechen. Pflanzenfresser seien empfindlicher als Fleischesser. Geier, die sich von Kadavern ernähren, seien sogar resistent. Neben einer Diagnose anhand der Symptome, welche Braun mit einigen Videosequenzen illustrierte, ist es auch möglich, das Toxin anhand eines Kadaverfundes oder im Labor nachzuweisen. |
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| Vorbeugen ist wichtig Den betroffenen Tieren wird versucht, mit Hilfe von Traubenzuckerinfusionen und einer möglichst fürsorglichen Betreuung wieder auf die Beine zu helfen. Auch das Einflössen von Pansensaft von gesunden Tieren hilft. Eine Impfung ist möglich, beim bereits kranken Tier aber nicht mehr angezeigt, meinte Ueli Braun. Zu überlegen sei höchstens, die gesunden Tiere in einem betroffenen Stall zu impfen. Eine Ansteckung von Tier zu Tier ist nicht möglich. Wichtiger als die Behandlung ist für Professor Braun die Vorbeugung mit Hygienemassnahmen. So müsse verhindert werden, dass tote Tiere ins Futter gelangen (beispielsweise auch «angemähtes» Wild), zudem dürften Rinder nicht aus stehenden Gewässern getränkt werden. Auch bei der Bereitung von Silageballen steht eine saubere Arbeitsweise an erster Stelle, wenn es darum geht, Botulin-Vergiftungen zu verhindern. Nur bei trockenem Wetter und nicht zu tief mähen, damit Verschmutzungen des Erntegutes möglichst vermieden werden. Verdächtige Futtermittel müssten abgesetzt und Muster für die Toxinbestimmung zur Seite gelegt werden, riet der Veterinärmediziner. Die Latenzzeit von Botulin-Vergiftungen bei Nutztieren betrage etwa drei Tage bis eine Woche. Eine vorbeugende, generelle Impfung hält Braun nicht für sinnvoll, da die Fälle doch recht selten sind. Seines Erachtens wäre es bedeutend wichtiger, wenn die Rindviehhalter ihre Bestände regelmässig Entwurmen oder das Notwendige gegen Leberegel tun. (hil) |
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