Vorsorgen bewahrt vor Sorgen
Ausgabe Nummer 43 (2003)
Vorsorgen bewahrt vor Sorgen
| Gut besuchter 11. Tag der Bäuerin an der diesjährigen Olma in St. Gallen | |||
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| Unter der Leitung von Jürg Thürer, Landwirtschaftslehrer und Berater am LBBZ Plantahof, Landquart, diskutierten Fachleute das Thema Vorsorge und Partnerschaft in der Bauernfamilie. | |||
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| Vor kurzem konnte Jürg Thürer, Landwirtschaftslehrer und Berater am Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum am Plantahof, sein 30-jähriges Arbeitsjubiläum feiern. «Ich muss gestehen, dass sich meine Arbeit stark verändert hat. Wenn ich mich früher hauptsächlich mit reinen wirtschaftlichen Fragen beschäftigte, so stehe ich heute vermehrt vor Fragen und Problemen, welche die Menschen, ihr Zusammenleben in Generationen, in Lebensgemeinschaften und das Alter betreffen», so Jürg Thürer, am 11. Tag der Bäuerin an der Olma in St. Gallen, wörtlich. Heute werde das Wort Vorsorge in erster Linie im Zusammenhang mit der AHV und der 3. Säule gebraucht. Vorsorge im Dienste der Partnerschaft Ein weiterer wichtiger Aspekt sei aber auch die Vorsorge im Dienste und als Pflege der Partnerschaft. Der Referent ist der Meinung, dass keine Ehe einen Garantieschein besitze, dass sie ein Leben lang bestehen bleibe. Die Lebenserwartung in unserer Gesellschaft steigt beständig. Die Frauen, auch Bäuerinnen, gehen den Bund fürs Leben ein, möchten aber wirtschaftlich unabhängig vom Mann sein. Weiter stellte Thürer fest, dass der Nebenerwerb für viele Bauernfamilien immer wichtiger wird. Zudem investieren Bäuerinnen sehr oft ihr Erspartes in den Betrieb. Nach seinen Beobachtungen steigt die Scheidungsrate auch in bäuerlichen Kreisen. Bei der Auflösung der Partnerschaft muss meist die Frau zusammen mit den Kindern den Betrieb verlassen. Die Agrargesetzgebung verfolge hauptsächlich das Ziel, die Betriebe zu erhalten. Als weitere Vorsorgeaspekte nannte Thürer die steigenden gesundheitlichen Risiken auf den Bauernbetrieben, die Ansprüche der Menschen im Alter, die Existenzsicherung und einen allfälligen Ausstieg aus der Landwirtschaft. Ganzheitliche Betrachtungsweise Für Thürer muss immer der Mensch im Vordergrund stehen. Aus dieser Sichtweise muss sich der Betrieb der Familie anpassen und nicht umgekehrt. Der Erfolg auf einem Betrieb darf nicht allein vom Einkommen abhängen, viel wichtiger ist eine ganzheitliche Betrachtungsweise sowie eine gute Lebensqualität. Nach Thürers Feststellungen sinkt aber die Lebensqualität auf den Bauernbetrieben ständig. An diesem Missstand trage aber auch die neue Agrarpolitik bei. Die Vorsorge sehe ein vorausschauendes Denken und Handeln vor. Deshalb müssen die Ziele auch periodisch persönlich überprüft und neu formuliert werden, betonte Thürer. Ratschläge für den Alltag Für Ivon Karle und Hermann Arni-Karle Sozialpädagogin und Meisterlandwirt, Hettiswil, ist die Beziehungspflege wichtig. Sie ermunterten die Besucher, Traditionen zu überdenken und wenn nötig loszulassen. Ivon Karle empfahl Freiräume zu schaffen, Freundschaften zu pflegen und auch der Politik das nötige Interesse zu schenken. Für Hermann Arni ist die Ablösung von den Eltern sehr wichtig. Regula Colombo-Schulthess aus Chiggiona TI, schilderte die negativen Erfahrungen mit dem bäuerlichen Bodenrecht auf dem eigenen Betrieb. Die vielen Unannehmlichkeiten hätten aber ihre Partnerschaft gestärkt. Esther Müller-Krautter, Mediatorin, Flawil, sprach zum Thema «Verhandeln als Lösungsansatz bei Konflikten». Über die rechtliche Seite der Vorsorge sprach Heidi Etter-Strebel, Fürsprecherin und Notar Muri AG. Grosse Thurgauer Delegation Unter den Forumsbesucherinnen erkannte man eine grosse Thurgauer Delegation, unter ihnen auch Marianne Jöhr, Präsidentin Thurgauer Landfrauenverband. Sie äusserte sich sehr positiv über die interessanten Vorträge. Gerade für junge Frauen beinhalteten die Referate wertvolle Anregungen. Wichtig sei, dass man nicht naiv die Probleme angehe und immer wieder Situationen hinterfrage. Etwas Mühe bekundet Marianne Jöhr mit der Tatsache, dass Ehen vielfach zu schnell aufgelöst werden. Die Bereitschaft dazu sei auch in der Diskussionsrunde spürbar gewesen. Mario Tosato |
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