Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
7. Dezember 2018


Vorsorgesituation der Bauernfamilien

Ausgabe Nummer 19 (2015)

Mitteilung des Schweizer Bauernverbands

In einer repräsentativen Studie untersuchte der Schweizer Bauernverband die Vorsorgesituation der Schweizer Bauernfamilien. Das Bild ist durchzogen: Im Alter stehen viele besser da, als bei einem Todes- oder Invaliditätsfall.

Über 2700 Landwirtinnen und Landwirte haben im vergangenen Jahr an der Vorsorgestudie des Bauernverbands mitgewirkt. Ziel war es zu untersuchen, wie gut die Bauernfamilien für das Alter sowie die Risiken Invalidität und Todesfall abgesichert sind. Unter Vorsorge ist nicht nur der Abschluss einer Versicherung gemeint. Wichtig für die Landwirte ist der Aufbau eines funktionierenden und finanziell gesunden Betriebes. Dies zeigt sich insbesondere auch an den Zahlen der Altersvorsorge. Diese sagen klar aus, dass der grösste Teil der Befragten das Existenzminimum im Alter abgesichert hat, wenn der Betrieb innerhalb der Familie übergeben wird.
Grundsätzlich zeigte die Studie grosse Unterschiede: Gemäss den Studienresultate haben weniger als 1 Prozent der bäuerlichen Familien das Existenzminimum im Alter nicht abgesichert. Die Altersvorsorge scheint – auch dank den Grundleistungen der AHV – unproblematisch.
Weniger gut sieht es aus, wenn der die Betriebsleiter oder seine Partnerin stirbt oder invalid wird. Je nach Bedürfnissen und Situation bestehen bei einem Viertel bis einem Drittel der Betriebe Vorsorgelücken, um das Existenzminimum zu garantieren. Der Bedarf gemäss Privatverbrauch aus der Buchhaltung ist bei 48 bis 74 Prozent der bäuerlichen Familien nicht abgedeckt. Es gibt in diesem Bereich einen nicht zu vernachlässigenden Anteil an Bauernfamilien, die trotz des zu günstigen Konditionen von der Agrisano zur Verfügung gestellten umfassenden Angebotes, ungenügend vorgesorgt haben. Es kann festgestellt werden, dass der ungenügende Vorsorgeschutz einerseits sehr stark mit einem zu tiefen Einkommen korreliert, andererseits aber auch, dass dem Aufbau des ausreichenden Versicherungsschutzes, gerade für die Risiken Tod und Invalidität, zu wenig Beachtung geschenkt wird. Nebst dem durch einen Schicksalsschlag verursachten menschlichen Leid, treffen die finanziellen Konsequenzen die Bauernfamilien äusserst hart. Ein in der Praxis zusätzlich feststellbares Problem ist die Bestimmung des Invaliditätsgrades. Die Ursache dafür liegt vor allem in den sehr tiefen Einkommen begründet. Dafür verantwortlich kann einerseits die schlechte Ertragslage des Betriebes sein, oder aber auch eine unverhältnismässige Abschreibungs- und Investitionsstrategie, die eine übertriebene Steueroptimierung zum Ziele hat. Tiefe Einkommen aus der Landwirtschaft haben zur Folge, dass trotz gesundheitsbedingten Einschränkungen, mit einer zumutbaren Erwerbstätigkeit ausserhalb der Landwirtschaft, ein (theoretisch) vergleichsweise hohes Invaliden-Einkommen erzielt werden könnte und somit, gemäss den Bestimmungen der Invalidenversicherung, kein Anspruch auf Leistungen besteht.
Insgesamt hat die Umfrage des SBV aufgezeigt, dass die Vorsorge ein sehr wichtiges und zentrales Thema ist. Dies zeigt sich unter anderem auch an der guten Rücklaufquote, welche darauf schliessen lässt, dass sich die bäuerlichen Familien mit dem Thema Vorsorge auseinandersetzen. Da das Thema Vorsorge aber auch ein sehr komplexes Thema ist, ist es wichtig, die Landwirte richtig und kompetent zu beraten, damit die beste Vorsorgelösung unter Einbezug von Familienverhältnissen und der finanziellen Situation gewählt werden kann. Die gesamte Studie inklusive die vorgeschlagenen Massnahmen sind auf der Internetseite www.sbv-usp.ch/medien/medienmitteilungen/ zu finden.

Peter Kopp und Annina Christoffel,
Schweizer Bauernverband




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