Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Vorwärts gehen - vorwärts schauen

Ausgabe Nummer 47 (2016)

2. Junglandwirteforum Thurgau Auf dem gastgebenden Betrieb von Esther und Ernst Schürch in Homburg, die einen Milchschafbetrieb führen, fand Mitte November das 2. Junglandwirteforum TG statt.

Das Kommissionsmitglied Tobias Daepp begrüsste im Namen der Junglandwirtekommission die Gäste. Er freute sich, dass auch das zweite Forum auf grösstes Interesse bei den Junglandwirtinnen und -landwirten stiess, der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Als Gastreferenten hatte die Junglandwirte- Kommission TG Ueli Bleiker, Chef des Landwirtschaftsamtes Thurgau, eingeladen.

Erwartungen der Konsumenten
Der Referent thematisierte den gesellschaftlichen Wandel, der auch massgeblich Einfluss auf die künftige landwirtschaftliche Tätigkeit haben wird und zog das Fazit: Je höher der Wohlstand, desto weniger Ausgaben fliessen in die Landwirtschaft. Dies veranschaulichte er eindrücklich anhand der Fotodokumentation «Hungry Planet Family Food Portraits», welche 2005 in Buchform erschien und nichts von ihrer Aussagekraft und Eindringlichkeit verloren hat. Die reich gedeckte Tafel der industrialisierten Staaten steht in hartem Kontrast zu dem staubigen Boden, auf dem sich die Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern zum Essen versammeln. Der Referent zeigte eine Typologisierung zu den Erwartungen der Schweizer Bevölkerung an die Landwirtschaft. Dabei gebe es drei Kategorien, welche massgeblichen Einfluss haben: Dazu gehören die «Bewahrer», tendenziell die Generation 50+, welche naturnah produzierte Lebensmittel wünscht. Die «Ökonomen», welche je nach Studie einen Drittel, manchmal auch mehr der Konsumenten ausmacht, sind jene, die ihre Kaufentscheide in erster Linie über den Preis treffen. Ueli Bleiker meinte anerkennend, dass er kaum eine andere Branche als die Landwirtschaft kenne, welche in den vergangenen 20 Jahren einem so starken Wandel unterlegen war und entsprechende Anpassungsfähigkeit bewiesen habe.

Ehrliche Werbung gefordert
Wenn es darum geht, der Bevölkerung die Stärken der einheimischen Landwirtschaft aufzuzeigen, dann nehme der Aspekt «naturnah» und «Tierwohl» einen wichtigen Stellenwert ein. Hingegen sei Vorsicht angebracht, wenn in der Werbung zu stark die Emotionen in den Vordergrund gerückt werden. Der Konsument kann sehr schnell das Vertrauen in ein Label oder einen Produktionsstandard verlieren. Das Ausloben der landwirtschaftlichen Tätigkeit sollte auf den Betrieben stattfinden, weil dort ein Grossteil der Arbeit für den Zusatznutzen wie «naturnah» und «Tierwohl» geleistet wird. Aus diesem Grunde habe er es persönlich als sehr gut bewertet, dass an der OLMA 2016 dem Publikum kein verklärtes Bild zur Landwirtschaft, sondern die Realität mit hornlosen Kühen, Transponder am Hals und Melkrobotern, welche in vielen Betrieben längst Einzug gehalten haben, gezeigt wurde.
£Er zeigte das Produktivitätsdifferenzial wie vom BLW dargestellt auf und sagte dazu, dass ein zusätzlicher Anspruch besteht, den «ökologischen Fussabdruck» stärker zu verringern. Moderne biotechnische Methoden bieten viel Potenzial in mehr Umwelteffizienz, dies insbesondere im Zusammenhang mit der Diskussion um eine Reduktion beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. «Die gute landwirtschaftliche Praxis hat sich in der Vergangenheit bewährt und wird sich auch in Zukunft permanent wandeln und entwickeln.»

Qualitätsführerschaft übernehmen
Mit der AP 2022+ könnten Perspektiven geschaffen werden, wenn es unter anderem gelinge, sich über die Qualitätsführerschaft am Markt zu bewähren. Ueli Bleiker gab zu bedenken, dass in den Theorien von Darwin Denkanstösse zu finden sind, die bis heute Gültigkeit haben: Massgeblich zähle dazu, dass nur Flexibilität und sich rechtzeitig an veränderte Gegebenheiten anpassen das Überleben sichern. In diesem Sinne werde der Suche nach den Besten auch die Zukunft der Landwirte mitbestimmen. Noch vermehrt werden qualifizierte Mitarbeiter, effiziente Administration und Smart Farming/ Rationalisierung über den Erfolg landwirtschaftlicher Tätigkeit mitentscheidend sein. Täuschung und Enttäuschung des Konsumenten werden einen hohen Stellenwert einnehmen, so Ueli Bleiker.
In der Diskussion wurde an ihn die Frage gerichtet, wie sein Betrieb, wenn er denn einen führen würde, aussähe. Er entgegnete: «Aufgrund meiner Herkunft, meinem früheren Engagement für die Braunvieh- Jungzüchter und der Freude an Kühen würde ich vermutlich melken.» Der Amtschef sagte aber auch, dass er die Chancen der Arbeitsteilung und Spezialisierung nutzen und dort, wo es Sinn mache, Arbeit durch effiziente Technologie ersetzen würde. «Einer alleine kann nicht alles bewältigen.»


Isabelle Schwander










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