Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Wärme-Kraft-Kopplungsanlage für Holzshnitzel

Ausgabe Nummer 10 (2016)

Die Firma Schmid energy solutions zeigte kürzlich die erste Anlage für Kleinverbraucher, welche Strom und Wärme aus Holzschnitzeln produziert. Für Landwirtschaftbetriebe und KMU eine interessante Alternative.

«Wenn die Schweiz den Ausstieg aus der Atomkraft schaffen und die ehrgeizigen Ziele der Energiestrategie 2050 erreichen will, sind eine dezentrale Energieproduktion und eine möglichst hohe Eigenversorgung unerlässlich», sagte Josef Gemperle, Kantonsrat und Landwirt, bei der Begrüssung der weit über 100 Interessierten bei der Firma Schmid energy solutions. Gemperle gilt als treibende Kraft für erneuerbare Energien im Kanton Thurgau und lud zusammen mit Andy Vogel von der Kommission Erneuerbare Energien des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft, der Holzenergie Thurgau sowie der CVP, FDP und SVP, zu dieser innovativen Veranstaltung ein. Bisher waren die Anlagen, welche Strom und Wärme aus Holzschnitzeln produzieren, sogenannte Wärme- Kraft-Kopplungsanlagen, nur im obersten Leistungssegment für Grossanlagen mit hoher Grundlast realisierbar. Das kann sich nun aber ändern.

Holzgas treibt Blockheizkraftwerk an
Die Firma Schmid energy solutions hat mit der Firma Spanner Holzkraft® eine partnerschaftliche Zusammenarbeit. Die Spanner-Gruppe ist ein inhabergeführtes Unternehmen mit über 400 Mitarbeitern im deutschen Bayerbach. Das Tochterunternehmen Spanner Re beschäftigt davon gut 110 Mitarbeiter und entwickelt seit 2006 Holzkraftanlagen, von denen aktuell zirka 500 Anlagen weltweit in Betrieb sind. Viele davon auch im kleineren Leistungsbereich zwischen 30 bis 45 Kilowatt elektrischer Leistung. Diese Anlagen setzen sich aus einem Holzvergaser und einem Blockheizkraftwerk zusammen. Das Herzstück der Anlage, der sogenannte Reformer, produziert durch einen kontrollierten Prozess aus naturbelassenen trockenen Holzhackschnitzeln reines Holzgas. Mit dem Holzgas wird das Blockheizkraftwerk betrieben. Die Systeme müssen wärmegeführt betrieben werden. Die dabei erzeugte Wärme kann zu Heizzwecken für Gebäude, Trocknungsanlagen oder Nahwärmnetze genutzt werden. Der erzeugte Strom wird vorzugsweise selbst verbraucht oder in das öffentliche Stromnetz eingespeist.
Die Spanner Holz-Kraft-Anlage gibt es mit verschiedenen Leistungen. Das kleinste Modul mit 9 KW ist in der Entwicklung und steht vor der Markteinführung in Deutschland. Das Ziel ist, dass dieses Modul bis Ende 2016 dem Markt zur Verfügung steht. Hier gibt es durch Änderungen der Gesetzgebung im Markt Schweiz noch weitere Entwicklungsarbeit.
Der Brennstoffbedarf beträgt pro KW elektrisch erzeugtem Strom ca. 24 kg / h. Für das kleinste Modul HKA 10 entspricht dies ca.1 m3 Brennstoff/Tag. Die Besucher, welche vorwiegend aus dem landwirtschaftlichen Umfeld stammten, interessierten sich vor allem für die kleinste Anlage. Die HKA 10, welche ungefähr 60 000 Euro kostet, hat eine elektrische Nennleistung von 9kW und eine thermische von 25 Kilowatt. Der sinnvolle Einsatzbereich dieser Kompaktanlage beginnt bei einem Jahreswärmebedarf von ca. 10 000 Liter Heizöl. Der Verbrauch bei 7000 Betriebsstunden entspricht ca. 300 Kubikmeter Holzschnitzel. Die Anlage misst 2,5 x 1,3 x 2,2 Meter und kann, gemäss Auskunft von Daniel Stoll, Kundenbetreuer Schweiz der Firma Spanner Re, zusammen mit einer Holzschnitzeltrocknungsanlage, Schaltzentrale und dem Vorratsbunker für ungefähr 100 000 Euro realisiert werden.

Unterstützung durch KEV ist schwierig
Rainer Jahnke, Abteilung Energie des Kantons Thurgau, erläuterte in seinem Referat die strategischen Zielsetzungen des Kantons und die entsprechende Umsetzung. Bei der Bundesförderung warnte er vor der kostendeckenden Einspeisevergütung KEV, mit welcher man in Zukunft kaum noch rechnen könne. Für eine Wärme-Kraft-Kopplungsanlage in der kleinsten Grösse HKA 10 vergütet der Kanton Thurgau 2000 Franken pro Kilowatt elektrischer Leistung. Das heisst, man könnte bei einer 9 Kilowattanlage mit einer Unterstützung von ungefähr 18 000 Franken rechnen oder maximal 25 Prozent der Gesamtkosten. An eine Machbarkeitsstudie bezahlt der Kanton 60 Prozent der Kosten.
Bei dem anschliessenden Rundgang durch die Produktionshallen der Schmid energy solutions bekamen die Besucher einen kleinen Eindruck, wie Heizanlagen hergestellt werden. Das besondere Highlight war natürlich für alle die Holz-Kraft-Anlage HKA 10 und die seriösen Erklärungen von Daniel Stoll, Firma Spanner, und René Eisenegger, Verkaufsleiter bei der Firma Schmid energy solutions.
Beim anschliessenden Apéro beantworteten die Fachleute die Fragen der Besucher, und manch einer, konnte sich die Anschaffung einer solchen Anlage durchaus vorstellen.


Ruth Bossert




Interview mit Philipp Lüscher,
CEO Schmid AG, energy solutions

Herr Lüscher, die Informationsveranstaltung über die neuen Spanner Holz-Kraft-Anlagen fand ein überwältigendes Interesse bei den Landwirten. Weshalb haben Sie noch keine so kleine Anlage gebaut für die Landwirtschaft?
Die Unsicherheiten bei unseren Kunden betreffend der kostendeckenden Einspeisevergütung KEV verhindern zurzeit Projekte im Bereich der Wärme-Kraft- Koppelung (Wärme und Stromerzeugung) mit Holz.

Per 1. Januar 2016 sind neue Grenzwerte für stationäre Verbrennungsmotoren in Kraft gesetzt worden. Diese sind strenger als diejenigen der EU. Was bedeutet das für Ihre Firma?
Es bedeutet, dass wir neue, innovative Produkte wie zum Beispiel den HKA 10 der Firma Spanner Re² (10 kW elektrische Leistung und 25 kW thermische Leistung) mit Komponenten zur NOX-Reduktion ausrüsten müssen, was den wirtschaftlichen Betrieb solcher Kleinanlagen zusätzlich erschwert.

Das heisst, die heute vorgestellte Spanner Holz- Kraft-Anlage könnte zum jetzigen Zeitpunkt in der Schweiz nicht in Betrieb genommen werden?
Diese Aussage ist korrekt. Die Anlage muss auf jeden Fall den neuen gesetzlichen Gegebenheiten angepasst werden. Dies bedeutet weitere Entwicklungsarbeit für die Firma Spanner Re². Es ist jedoch fraglich, ob der Markt Schweiz für die Firma Spanner Re² bei der heutigen Ausgangslage (KEV, gesetzliche Vorschriften) oberste Priorität hat.

Und wie geht es nun weiter? Wird die modifizierte Anlage dann auch teurer?
Die Firma Schmid AG wird sich auf jeden Fall dafür einsetzen, dass wir ein marktgerechtes Produkt erhalten. Wir beurteilen die dezentrale Wärme-Kraft- Koppelung weiterhin als die effizienteste Nutzungsform von Holz. Mit den heutigen Energiepreisen (Öl, Gas und Strom) und der politischen Unsicherheit bezüglich der Energiestrategie 2050 wird es jedoch noch einiges an Engagement brauchen, bis solche Anlagen breitflächige Anwendung in der Schweiz finden werden.


Interview: Ruth Bossert









Grosses Interesse bei den über 100 Besuchern. (rb)












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