Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
7. Dezember 2018


Waldpflege und Holznutzung im Fokus

Ausgabe Nummer 25 (2014)

Die neue Chefin des Departementes für Bau und Umwelt, Regierungsrätin Carmen Haag, besuchte Anfang Juni die Forstreviere Hüttwilen und Eschenz-Mammern.

Der erste Revierbesuch von Carmen Haag wurde von diesen beiden Forstrevieren mit Unterstützung des Forstamtes, organisiert. Die Departementschefin traf dabei mit den Reviervorständen, Revierförstern, Vertretern der Waldeigentümer sowie mit den lokalen Gemeindeammännern zusammen. In lockerem Rahmen wurden die beiden Forstreviere vorgestellt und aktuelle forstwirtschaftliche Themen diskutiert. In ihrer Begrüssungsansprache betonte Carmen Haag, dass sie sich über die vielfältigen Herausforderungen, welche mit dem Wald verbunden sind, bewusst ist. Sie lobte die erfolgreichen Bestrebungen des Forstamtes, die unterschiedlichsten Interessensund Nutzergruppen des Waldes einander näherzubringen. Das Departement für Bau und Umwelt hatte dem Forstamt den Auftrag erteilt, langfristige Strukturvorschläge für die Einteilung der Forstreviere zu entwickeln. Ulrich Ulmer, Kantonsforstingenieur, erklärte, dass im Verlaufe des Jahres 2012 eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Arbeitgeber (Forstreviere) und der Arbeitnehmer (Revierförster) sowie des Waldwirtschaftsverbandes Thurgau entsprechende Vorschläge erarbeitete. Dabei wurde auf einen kurzfristigen Zeitraum geachtet, da in den nächsten fünf Jahren mehrere Pensionierungen anstehen.

Holzmarkt in Bewegung bringen
Gemäss Vorschlag der Arbeitsgruppe ist bis 2017 eine Reduktion von 27 auf 23 Forstreviere mit 28 Revierförstern geplant. In einem zweiten Schritt wurden aus einer kantonalen Gesamtoptik heraus Vorschläge für die Entwicklungen bis zu den Jahren 2025 bis 2030 entworfen. So soll es im Jahre 2030 noch 16 Forstreviere geben, welche von 26 Revierförstern betreut werden. Ein zentrales Thema des Anlasses mit Revierbesuch war die Situation des nach wie vor schwierigen Holzmarktes. Das Fazit des angeregten Meinungsaustauschs zwischen der neuen Departementschefin und den Revierförstern lautete dahingehend, dass trotz aller Bemühungen durch den Forstdienst, die Waldbesitzer für die Forstpflege (zum Beispiel mittels Durchforstungen) zu motivieren und damit Holz zu nutzen, der mangelnde Preisanreiz eine negative Auswirkung auf die Holznutzungsmenge hat. Walter Schmid, Gemeindeammann von Hüttwilen, plädierte dafür, dass im Thurgau Holz vermehrt nicht nur als Konstruktionssondern auch als Isolationsmaterial, insbesondere bei kantonseigenen Projekten, eingesetzt wird. Bezüglich der energetischen Nutzung des Holzes habe sich einiges bewegt, es bedürfte jedoch noch vermehrter Anstrengungen. Als ein gutes Beispiel nannte er den Neubau des Kompetenzzentrums am BBZ Arenenberg; er wünschte sich, es würden weitere Bauten dieser Art folgen. Im Verlaufe der angeregten Diskussion erfolgte eine weitere Wortmeldung betreffend Energieholz. Man solle vor allem auf lokale Projekte setzen.

Bekämpfung invasiver Arten
Daniel Böhi, Kantonsforstingenieur, legte dar, dass seitens des Forstamtes stets lokale, beziehungsweise regionale Projekte (zum Beispiel Wärmeverbund) unterstützt worden seien. Grosse Projekte hingegen seien aus seiner Sicht heikel: Bei solchen Vorhaben spiele indessen immer auch die Politik mit. Carmen Haag interessierte sich dafür, wie sich die Förster dem Problem der invasiven Arten stellen. Der Tenor lautete, dass die Förster insgesamt nur «Kosmetik» betreiben können. Daniel Böhi betonte, dass bei gewissen Arten noch die Möglichkeit der Tilgung bestehe (zum Beispiel Riesenbärenklau), hier setze man den Schwerpunkt. Das Amt für Umwelt setzt breitflächig auf die Aufklärung in der Bevölkerung, jedoch spielt bei der Verbreitung von Neophyten nach wie vor insbesondere der Handel, welcher Problempflanzen wie zum Beispiel Sommerflieder und Kirschlorbeeren oder Kanadische Goldruten verkauft, eine nicht unwichtige Rolle.
Im Anschluss an die Diskussion führte Meinrad Hugentobler, Revierförster, alle Teilnehmer zur Besichtigung eines Waldstückes bei Klingenzell. Hier erörterte er die Jungwuchs-, Dickungs-, und Stangenholzpflege. Er erklärte, dass die Jungwaldpflege zu den Kernkompetenzen der Forstbranche zählt und den nötigen Stellenwert auch in der Aus- und Weiterbildung einnimmt. In einem Waldstück im Gebiet Hörnli, das vom Lothar-Sturm stark betroffen war, schilderte Revierförster Robert Schönholzer die Herausforderungen von Naturverjüngungsflächen: Hier gelte es, die richtige Balance zu finden zwischen ökologischen Pflegemassnahmen und der Berücksichtigung ökonomischer Interessen.


Isabelle Schwander










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