Ausgabe Nummer 47 (2006)
Waldwirtschaft im Aufbruch
Projekt «Bündelung der Holzvermarktung» soll bessere Preise generieren
Wie an der Delegiertenversammlung des Waldwirtschaft-Verbandes Thurgau im Restaurant zur Traube in Weinfelden zu erfahren war, ist die Nachfrage nach Rund-, Industrie- und Energieholz gross.«Wir haben lange auf bessere Preise gewartet. Umso mehr sind wir an der Entwicklung in der Waldwirtschaft erfreut. Die Nachfrage nach Rund-, Industrie- und Energieholz ist gross», begrüsste Bernhard Friedrich, Präsident Waldwirtschaft Thurgau (WVTG), die rund 150 Delegierten.
Grosse Nachfrage nach Frischholz
Albert Germann, Holzvermarktungsstelle St. Gallen, sprach von einem sehr unruhigen Holzmarkt. Nach seiner Meinung sind die Rohstoffmärkte global in Bewegung. Im Baumarkt herrsche sowohl in der Schweiz als auch im benachbarten Ausland ein Aufwärtstrend, entsprechend sei die Nachfrage nach Schnittwaren und frischem Holz sehr gross, was sich positiv auf die Preise auswirke. In allen Sägereien herrsche deshalb zur Zeit eine Vollbeschäftigung. Die ersten Lieferungen an die Grosssägerei Stallinger in Domat/Ems seien erfolgt. Die Nachfrage nach Rundholz in Mitteleuropa steige weiter. Für das kommende Jahr werde in diesem Raum ein Bedarf von rund 10 Millionen Kubikmeter Rundholz prognostiziert. Eine Mehrnutzung des Waldes sei deshalb erwünscht. Um gute Preise zu realisieren sei es aber wichtig, dass sich die Holzverkäufer an die Richtpreisempfehlungen der Waldbesitzer halten, bekräftigte Germann.
Einzug Selbsthilfefonds neu geregelt
Der Vorstand des WVTG stellte den Antrag, den Einzug an den Selbsthilfefonds (SHF) der Waldwirtschaft neu zu regeln. Bisher wurden pro Kubikmeter rund 71 Rappen eingezogen, was einem Jahresbeitrag von rund 77"500 Franken entspreche. Neu soll der SHF-Beitrag aus der laufenden Rechnung durch die Forstrevierkörperschaft direkt an die Kantonale Inkassostelle bezahlt werden. Laut Friedrich kann die Forstrevierkörperschaft, gemäss Berechnung, den SHF-Beitrag über eine Erhöhung des Hektar-Beitrages von zirka 4 Franken einfordern. Mit überwältigendem Mehr wurde dem Antrag zugestimmt.
Aktualitäten aus dem Forstamt
Zum Schluss der Delegiertenversammlung orientierte Kantonsforstingenieur Paul Gruber über die Aktivitäten im Forstamt. Nach seinen Ausführungen werden die Leitideen «Zukunft Wald Thurgau» überarbeitet wobei die Walderhaltung und Waldpflege nach wie vor im Zentrum stehe. Das Forstamt beschäftigt sich im weiteren mit dem NFA und der Vorbereitung zur Revision des Kantonalen Richtplanes im Jahre 2008. Ein aktuelles Thema sei auch der Feinstaub. Nach Möglichkeiten sollten die Fahrzeuge, welche im Wald zum Einsatz kommen, mit Partikelfilter nachgerüstet werden. Mario Tosato
Erfolgreiches Projekt
Wie Vizepräsident Roman Engeler erklärte, ist das Projekt «Bündelung der Holzvermarktung» im Herbst 2005 gut gestartet. Im ersten Jahr konnten 26"000 Kubikmeter Rundholz zu einem Totalbetrag von 2 Mio. Franken, was einem Kubikmeterpreis von 77 Franken entspreche, vermarktet werden. Um gute Preise zu erzielen sei es wichtig, dass die Kräfte gebündelt werden und keine Direktverkäufe erfolgen. (tos.)

Albert Germann, Bernhard Friedrich, Roman Engeler und Paul Gruber (v. l.) freuen sich über die positive Entwicklung in der Waldwirtschaft. (tos)
