Warm ..., wärmer ..., heiss ..., ganz heiss ...
Ausgabe Nummer 3 (2004)
Warm ..., wärmer ..., heiss ..., ganz heiss ...
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Klimawandel stand im Zentrum der Pflanzenbautagung |
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| Klimaforscher gehen davon aus, dass heiss-trockene Sommer wie im Jahr 2003 schon bald keine Seltenheit mehr sein werden. Dies erklärte Jürg Fuhrer von der Forschungsanstalt Reckenholz an der Pflanzenbautagung Anfang letzter Woche in Weinfelden. «Für eine Fahrt ans Mittelmeer, geb ich alle meine Mittel her», heisst es im Schlager. Dies wird wenigstens was das Klima angeht bis in 70 bis 100 Jahren nicht mehr nötig sein. Die Sommer werden heisser und trockener, die Winter feuchter. «Ausnahmesommer», wie der vergangene werden dann die Regel sein. Dies machte Jürg Fuhrer, Leiter der Forschungsgruppe Lufthygiene/Klima an der Forschungsanstalt Reckenholz, anlässlich der Pflanzenbautagung am Dienstag vor einer Woche in Weinfelden klar. Aktuelle Modellrechnungen gehen davon aus, dass die durchschnittliche Jahrestemperatur gegen Ende des 21. Jahrhundert, um zwischen 1,5 und 4,5 Grad höher liegt als heute (bezogen auf den Standort Bern). Im «besten Fall», so meinte Fuhrer, werden es «nur» 1,5 Grad sein, das heisst, wenn es tatsächlich gelingt, den CO2-Ausstoss zu reduzieren. Der Wissenschafter zeigte sich allerdings skeptisch, ob dies gelingen wird, obwohl die Schweiz als weltweit einziges Land über ein CO2-Gesetz verfügt. Weniger stabiles Wetter Neben einem allgemeinen Anstieg der Temperaturen rechnen die Klimaforscher zudem damit, dass der Verlauf der mittleren Temperaturen grösseren Schwankungen unterworfen sein wird als heute. Für den Monat Juli zeigen die Modellberechnungen, dass einerseits die Durchschnittstemperatur um fünf Grad anstiegen wird. Andererseits muss damit gerechnet werden, dass die jährlich gemessenen Durchschnittswerte zwischen 16 und 26 Grad schwanken können, und damit auf einer viel grösseren Bandbreite als heute. «Wir gehen davon aus, dass dann jeder zweite Sommer ein &Mac220;Sommer 2003&Mac221; sein wird», hielt Fuhrer fest. Die Niederschlagsmenge dürfte sich nicht wesentlich verändern, allerdings müsse damit gerechnet werden, dass diese vermehrt im Winter fallen. «Wir bewegen uns auf ein mediterranes Klima hin», fasste Fuhrer zusammen. Der Anstieg der Temperatur sei rund zur Hälfte durch den Menschen verursacht, hielt er auf eine Frage aus dem Publikum fest. «Seit etwa Mitte der 1970er-Jahre erklärt der natürliche CO2-Anstieg allein die gemessenen Temperaturen nicht mehr.» Erst der Einbezug der zivilisationsbedingten CO2-Produktion brächte Modellrechnungen und tatsächliche Messungen wieder in Einklang. |
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| Erderwärmung? Eiszeit? Erderwärmung und eine neue Eiszeit schliessen sich durchaus nicht aus, erklärte Klimaforscher Fuhrer an der Pflanzenbautagung. Während allerdings für die Erwärmung die zunehmende Konzentration von Treibhausgasen (CO2, Methan, Lachgas usw.) in der Atmosphäre verantwortlich ist, brauche es für eine neuerliche Eiszeit eine grundsätzliche Änderung in den Meeresströmungen, beispielsweise indem der für Europa prägende Golfstrom abbricht. (hil) |
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| Was passiert mit Landwirtschaft? In seinem Referat kam Fuhrer auf die Folgen dieser Klimaverschiebung auf die Landwirtschaft zu sprechen. Die heisseren und trockneren Sommer führen dazu, dass die Böden wesentlich trockner sind als heute. «Es wird viel mehr Tage geben mit relativen Bodenfeuchten von unter 30 Prozent», nannte er eine Grössenordnung. Ertrags- und Qualitätsschwankung werden grösser und «es wird einen Verteilungskampf um Wasser geben», ist Fuhrer überzeugt. Die Schweizer Landwirtschaft wird mit neuen Schädlingen, Krankheit und Unkräutern konfrontiert, und die Bedingungen für die Tierhaltungen werden allgemein anspruchsvoller. Wegen der trockeneren Sommer wird der Futterbau weniger Ertrag abwerfen, und es können weniger Tiere mit einheimischem Futter ernährt werden als heute. Ein weiteres Beispiel für die Auswirkungen der Klimaverschiebung zeigte Fuhrer beim Weizen auf. Dort wird das empfindliche Stadium der Kornfülle mit der Periode der höchsten Trockenheit zusammenfallen. Wegen der grundsätzlich rascheren Entwicklung wird zudem die Kornfüllungsperiode verkürzt, die Erträge nehmen ab. «Das Klima verlangt nach neuen Sorten», so Fuhrers Fazit. Als drittes Beispiel nannte er die Reben, deren Vollblüte um das Jahr 2100 gegen 22 Tage früher einsetzen dürfte als heute. Rebbau wird dann wohl auch nördlich der Alpen in Höhenlagen von 800 bis 1000 Meter über Meer möglich sein. Jetzt neue Strategien prüfen Mit einer Reihe von Massnahmen, so ist der Forscher überzeugt, können die klimatischen Verschiebungen aufgefangen werden: Standortwahl prüfen Kulturen prüfen, neue Kulturen werden möglich (Zitrusfrüchte?) Aussaatzeitpunkt, Fruchtfolge und Sortenwahl prüfen Düngungen und Pflanzenschutz flexibler gestalten Wasserschonung als Maxime, verlustarme Bewässerungstechnik verwenden Nutzung anpassen (vor allem im Futterbau, um die stärkeren Jahr-zu-Jahr-Schwankungen auszugleichen) Neue Saatgutmischungen (Futterbau) Neue Bewirtschaftungstechniken verwenden (zum Beispiel Direktsaat, um Wasser zu sparen) «Wenn die Gesellschaft es will, bleibt die Kompensationsfähigkeit und die Investitionskraft der Schweizer Landwirtschaft durchaus erhalten», machte der Forscher den Anwesenden Mut. Es sei aber wichtig, bereits jetzt damit anzufangen, auf die sich abzeichnenden Veränderungen zu reagieren (zum Beispiel in der Züchtung). Dazu brauche es einen intensiven Dialog zwischen der Forschung und der Praxis. (hil) |
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| Gefahr durch Maiswurzelbohrer? Seit einigen Jahren macht der Maiswurzelbohrer von sich reden. Wie Hermann Brenner von der Fachstelle für Pflanzenschutz und Ökologie am LBBZ Arenenberg erklärte, wurde dieser Schädling aus Übersee eingeschleppt. Vor gut 10 Jahren wurde er in Ex-Jugoslawien erstmals entdeckt, vermutlich schlich sich der Schädling als «blinder Passagier» in einem Flugzeug ein. Von dort aus breitete sich der unscheinbare Käfer langsam, aber sicher in ganz Europa aus. Vor einigen Jahren wurde er in Norditalien festgestellt, und im Jahr 2000 wurden die ersten vier Käfer im Tessin in Fallen gefangen. Im letzten Jahr schliesslich wurden entlang der Autobahn A2 und in der Umgebung des Flughafens Kloten auch auf der Alpennordseite erste Tiere beobachtet. Auch im Elsass kommt der Käfer inzwischen vor. Der eigentliche Schädling sind nicht die Käfer sondern die Larven, die sich ausschliesslich von Mais ernähren. Diese höhlen die Maiswurzeln aus, was zu Halmbruch und Lagerung führt. Beim Maiswurzelbohrer als eingeschlepptem Schädling ist eine obligatorische Bekämpfung vorgeschrieben. In diesem Jahr wird in der Deutschschweiz das Beobachtungsnetz mit Leimfallen stark ausgeweitet. Mais auf Mais in der Fruchtfolge sollte wo immer möglich vermieden werden. Aus einem Radius von fünf Kilometern um einen Käferfund darf vor Ende September kein Mais «exportiert» werden, um das Verschleppen zu verhindern. Bodenbearbeitungs- und Erntemaschinen müssen gründlich gereinigt werden. Zudem ist in einem Radius von 10 Kilometern um den Fundort der Anbau von Mais auf Mais verboten. (hil) |
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