Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Was die Alpung von Mutterkühen bringt

Ausgabe Nummer 26 (2015)

Erfolgreiche Regionaltagung Mutterkuh Schweiz Region ZH, TG, SH mit Strickhof-Mutterkuh-Tag vom 20. Juni 2015

Auch dieses Jahr fand die Regionaltagung Mutterkuh Schweiz Region ZH, TG, SH zusammen mit dem Strickhof-Mutterkuh-Tag statt, turnusgemäss im Kanton Thurgau, auf dem Betrieb von Hanni und Peter Felder, in Egg, Amriswil. Im Mittelpunkt stand das Thema «Alpung von Mutterkühen».

Nach der Begrüssung durch Andreas Rüsch, Leiter Fachstellen und Dienstleistungen am Strickhof, richtete Markus Hausammann einige Grussworte an die gegen 80 Teilnehmenden der Regionaltagung Mutterkuh Schweiz Region ZH, TG, SH mit Strickhof- Mutterkuh-Tag. Der Präsident des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft VTL sowie Nationalrat und Landwirt, betonte die Bedeutung der Landwirtschaft für den Kanton Thurgau. Zum Beispiel stammt jeder zweite Liter Apfelmost aus dem Kanton Thurgau, der auch der grösste Schweizer Tafeltraubenproduzent ist. Durch die Tagung moderierte Peter Fenner. Das Vorstandsmitglied von Mutterkuh Schweiz streifte kurz die Struktur- und Prozessprüfung von Mutterkuh Schweiz im Herbst 2014, die ein neues Konzept für Beef.ch zur Folge hatte. Neu, das heisst ab 2016, findet jeweils eine «Zentrums-Beef» statt, 2016 in der Stadt Zürich, sowie mehrere «Regio-Beefs», die auch nur die Grösse eines 1.-August-Brunches aufweisen können.

Dank neuer DZ-Regelung interessant
Den fachlichen Teil der Tagung eröffnete Mario Bühler. Der Lehrer und Berater am Plantahof hob in seinem Referat «Alpung – dank neuer DZ-Regelung wieder interessant?» hervor, dass es mit der neuen Agrarpolitik einen Alpungsbeitrag von 370 Franken pro Mutterkuh (bei 100 Alpungstagen) gebe. Mario Bühler betonte aber, dass sich nicht jede Kuh für eine Alpung eigne. Dabei spiele insbesondere die Rasse eine Rolle. Es gelte, den Alpnutzen gut gegen die Alpungskosten abzuwägen. Es gebe Tiere, die auf der Alp deutlich tiefere Tagungszunahmen aufwiesen als zu Hause. Über seine positiven Erfahrungen mit der Alpung seiner Mutterkühe sprach Armon Fliri. Der Mutterkuhhalter vom Gut Sonnenberg, Unterengstringen, nannte als Gründe, seine Kühe für 90 Tage zur Alpung nach Bergün zu geben, Einsparen von Futter sowie Arbeitsentlastung. Die frei werdende Futterfläche und seine rechnerische Arbeitsentlastung investiert er in den Ackerbau, um ihn so zu erweitern. Rechne er die Kosten gegen den Ertrag auf, gewinne er 415 Franken pro Mutterkuh, so das Fazit von Armon Fliri. Vermarktung erfolgt über das eigene Restaurant Nach einem feinen Apéro und Mittagessen aus der Küche der Gastgeber Hanni und Peter Felder, die auf dem Areal ihres Betriebs auch das Restaurant Weinberg betreiben, stellte Peter Felder seinen Landwirtschaftsbetrieb mit anschliessendem Betriebsrundgang vor. Auf dem 21 Hektaren grossen Betrieb macht die Futterfläche für die 25 bis 26 Mutterkühe 17 Hektaren aus. Auf 1,5 Hektaren baut Peter Felder nebst der Hauptsorte Blauburgunder auch Gewürztraminer, Cabernet Dorsa, Dornfelder und Zweigelt an. Seinen Wein AOC Thurgau keltert er selbst. 75 Apfelbäume ergänzen die Betriebszweigspalette. Die Besamung der Simmental- und OB-Mutterkühe führt Peter Felder mit Charolais- oder Blonde Aquitaine- Samen selbst durch. Die Vermarktung eines Teils der Mutterkühe erfolgt über Vianco, einen guten Teil des Fleisches ihrer Mutterkühe setzen Hanni und Peter Felder aber über ihr Restaurant Weinberg selbst ab. Die Renner Hacktäschli und Siedfleischsalat servieren sie den Gästen vorzugsweise im schönen Gartenrestaurant mit Aussicht.

Keine Beurteilung ohne Griff
Zum Abschluss der Tagung demonstrierte Hans Ziswiler, Vianco, die Grundsätze der Schlachtviehbeurteilung am Lebendtier. Nach der Einteilung in Kategorien Jungmuni, Muni, Ochsen, Rinder, Kühe und Kälber gilt es, mit dem Auge und vor allem fünf unterschiedlichen und gekonnten Griffen das Schlachtvieh nach Fleischigkeitsklasse (CHTAX) und Fettgewebeklasse (1 bis 5) einzustufen. «Je fleischiger ein Tier ist, desto schwieriger ist es auch, das Fett vom Fleisch zu unterscheiden», erklärte der Fachmann. Zudem wies Hans Ziswiler die Mutterkuhhalter darauf hin, dass sie sich gut überlegen sollten, wann sie ein Tier der Schlachtung zuführten, um gutes Geld zu verdienen. Er brachte das Beispiel einer Kuh, eingestuft T+, mit einem Schlachtgewicht von 380 kg zu Fr. 9.10. «Es wäre schade, diese Kuh für einen Preis von 3400 bis 3500 Fr. zum Schlachten zu verkaufen, wenn sie noch Kälber produzieren könnte», so der Kommentar von Hans Ziswiler.

In seinem Schlusswort betonte Peter Fenner, dass sich der Vorstand von Mutterkuh Schweiz grosse Mühe gebe, den Markt zu begleiten, ganz nach dem Motto «Aus Gras wird Fleisch». Zudem gab er bekannt, dass sich etliche Tagungsteilnehmer nach einer Liste von Alpungsplätzen erkundigt hätten. Deshalb sei es laut Mario Bühler vom Plantahof wahrscheinlich, dass dafür eine Plattform geschaffen werde.

(mgt)













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