Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Was ist bei der Beweidung speziell zu beachten?

Ausgabe Nummer 6 (2017)

Tipps vom Fachmann für Konfliktlösung Wanderwege

Immer wieder sorgen Vorfälle auf Weiden zwischen Wanderern, Bikern und weidenden Tieren für Unstimmigkeiten. Es gibt aber zahlreiche klare Regeln, wie Heinz Feldmann an einem Informationsabend des landwirtschaftlichen Bezirksvereins in Hinwil aufzeigte.

In den letzten Jahren kam es zu immer mehr Konflikten und Unfällen zwischen Wanderern, Bikern und Viehherden, wobei es sogar in Laax zu einem tragischen, durch weidende Rinder verursachten, Todesfall kam. Insbesondere der Umstand, dass es immer mehr Mutterkuhherden mit Kälbern und teilweise mitlaufenden Stieren gibt, hat die Situation verschärft. «Wir verfügen in der Schweiz über rund 65 000 Kilometer gut unterhaltene, einheitlich signalisierte und aktive Wanderwege. 44 Prozent der Schweizer Bevölkerung gehört zu den Wanderern und weitere 300 000 Gäste aus allen Schichten schätzen das Wandern», hielt Heinz Feldmann vor den zahlreich erschienenen Bäuerinnen und Bauern fest. Als Sicherheitsfachmann bei der landwirtschaftlichen Beratungsstelle für Unfallverhütung (BUL) beschäftigt er sich mit der gesamten rechtlichen Fragestellung und die Problemzone Wanderwege und Rindvieh. Bereits 2011 wurde in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Bauernverband, Mutterkuh Schweiz, der BUL und Vereinigung Schweizer Wanderwege ein erstes Hilfsmittel erarbeitet, welches für viele offene Fragen Antworten liefern konnte. Feldmann verwies einleitend auf die rechtlichen anspruchsvollen Grundlagen, welche insbesondere im OR geregelt sind (siehe Box). «Kann der Tierhalter den Nachweis erbringen, dass er sich an die gebotene Sorgfalt in der Verwahrung und Beaufsichtigung gehalten hat, und somit der entstandene Schaden durch eine andere Person oder ein Tier verursacht wurde, tritt eine Minderung der Haftung ein», so Feldmann. Konkret sprach er jene Wanderer an, welche mit Hunden unterwegs sind. Es gibt in der Schweiz bereits über 525 000 Hunde. Diesbezüglich verwies er auf die Verpflichtung der Hundehalter, ihre Hunde im Freien so zu führen, dass sie sich soweit möglich auch unangeleint bewegen können.

Beidseits Empfehlungen beachten
Grundsätzlich sind die Wanderer angehalten, sich auf Distanz zum Rindvieh zu halten, Kälber sollten in keinem Fall berührt werden, und Hunde sind an der Leine zu führen. Doch anderseits müssen sich Rindviehhalter auch an gewisse Empfehlungen halten. Dazu gehört eine frühzeitige Gefahrenbeurteilung mit Massnahmenplanung und Umsetzung, frühzeitig vor Beginn der Weidesaison. Aggressive Tiere sind auszumerzen, und die Pflege eines intensiven Kontaktes zu den Weidetieren ist ratsam. Grundsätzlich sollten auf Weiden mit Wanderwegquerungen nur unauffällige und ruhige Tiere gehalten werden. «Mutterkühe mit jungen Kälbern sollten nur auf Weiden ohne Wanderwege sein. Abkalbungen auf solchen Weiden sind zu vermeiden. Zugleich sind mitlaufende Zuchtstiere sorgfältig zu beobachten», riet Feldmann weiter. Es soll zudem der Leitfaden «Alpung von Mutterkühen» beachtet werden. Damit kann erreicht werden, dass die möglichen Gefahren durch Konflikte zwischen den weidenden Tieren und Wanderern klein gehalten werden. Temporäre oder dauerhafte Umleitungen von Wanderwegen sind nur in Absprache mit den verantwortlichen Behörden möglich. Zu den weiteren Empfehlungen gehört das Anbringen von Hinweistafeln betreffend Mutterkuhhaltung auf der Weide oder stromführende Zäune. Mit einem Schild «Achtung Stier» kann auf einen mitlaufenden Zuchtstier hingewiesen werden. Wenn nötig und möglich, sind Wanderwege auszuzäunen. «Es ist deshalb auch zwingend, dass man eine Risikobeurteilung mit Ratgeber und Checkliste vornimmt, die Massnahmen nach den Grundsätzen von agritop umsetzt und alles schriftlich festhält», so Feldmanns Fazit. Kommt es zu einem juristischen Streitfall, ist alles was schriftlich vorhanden ist, von Vorteil.


Roland Müller







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