Ausgabe Nummer 9 (2008)
Wechsel an der Spitze des Thurgauer Weinbauverbandes
Auf Peter Egloff folgt Othmar Lampert
Im Thurgau kommt es zu einem Wechsel an der Spitze des Weinbauverbandes. Auf Peter Egloff folgt Othmar Lampert, und neu zieht Karin Lenz in den Vorstand ein.Die Thurgauer Winzer und Weinmacher blicken auf ein erfreuliches Weinjahr zurück. «Wir durften eine sehr gute Ernte mit einer sehr guten Weinqualität einbringen », führte Peter Egloff (Fahrhof) an der Hauptversammlung des Thurgauer Weinbauverbandes am vergangenen Freitag in Weinfelden aus. Mit 77 °Öchsle beim Müller- Thurgau und 91 °Öchsle beim Blauburgunder konnten sehr hohe Zuckerwerte erzielt werden. «Der Konsument wünscht sich solche Weine», zeigte er sich zuversichtlich und stellt zugleich auch fest, dass ein erfreulicher Trend für einheimische Weine vorhanden ist. Egloff zeigte sich hingegen über die aktuellen Traubenpreise besorgt. «Trauben für den Handel müssen heute unter den Gestehungskosten produziert werden», fügte er bei. Der Handel müsse sich hier etwas einfallen lassen, wenn er auch in Zukunft Trauben erhalten will, zeigte sich Egloff überzeugt. «Die heutigen Preise sind für junge Weinbauern keine Perspektiven mehr», fügte er weiter an. Nach vierjähriger intensiver und engagierter Amtszeit an der Spitze des Verbandes kündigte Egloff seinen Rücktritt an. Die Versammlung wählte neu das bisherige Vorstandsmitglied Othmar Lampert aus Steckborn an die Verbandsspitze, während neu Karin Lenz aus Uesslingen in den Vorstand einziehen wird. Für den zurückgetretenen langjährigen Rechnungsrevisor Jakob Gentsch aus Oberneunforn ist neu Monika Hagen aus Wilen gewählt worden.
Diskussionslos wurde auch die Jahresrechnung des Verbandes genehmigt. Diese schloss bei einem Aufwand von 130300 Franken mit einem kleinen Ertragsüberschuss von knapp 100 Franken ab. Nebst einem Grundbeitrag von 100 Franken je Betrieb bleibt der Flächenbeitrag mit 370 Franken je Hektare unverändert. Gesamthaft werden im Kanton 200 Rebbewirtschafter gezählt.
Grosse Absatzförderung
Im vergangenen Jahr investierte der Verband in die gesamte Absatzförderung rund 79000 Franken. In laufenden Jahr werden es rund 60500 Franken sein. Finanziell werden die Präsentation an den Pferdesporttagen in Frauenfeld sowie die Präsenz an der Thurgauer Frühjahrsmesse und der MEOT in Romanshorn unterstützt. Nebst einem eigenen Stand für Thurgauer Weine wird zum Weinfestival geladen. «Der Einsatz hat sich am Eidgenössischen Turnfest mit eigenem Festzelt für Thurgauer Weine gelohnt», bilanzierte Max Wellauer. Während der Reinertrag direkt den beteiligten Helfern zufloss, konnten gesamthaft 57 verschiedene Weine mit einem Gesamtwert von 21500 Franken ausgeschenkt werden. Ein grosses Engagement wird im laufenden Jahr an der bevorstehenden Schlaraffia gezeigt. Weiter wird der Verband wiederum an der Thurgauer Frühlingsmesse präsent sein und am Schweizer Gesangsfest in Weinfelden ebenfalls ihre Weine den rund 18 000 Sängern vorstellen. Ebenfalls wird auf der Frauenfelder Rennbahn wie in den vorangegangenen Jahren an den vier Renntagen der Verband aktiv mitwirken, und die grosse Gourmetwanderung findet am 15. Juni im Seebachtal statt.
Hanspeter Wägeli, verantwortlich im Vorstand für die Weinwerbung, präsentierte den Mitgliedern das neue, angepasste Logo für den Thurgauer Wein. Zudem hat sich der Verband finanziell am neu gegründeten Agromarketing Thurgau beteiligt.
Eine Diskussion löste die Frage über die weitere Zukunft einer Branchenlösung für den ganzen Kanton Thurgau aus. Dabei wurde festgestellt, dass der Thurgauer Weinbauverband in der übrigen Deutschschweiz nicht als Branche wahrgenommen wird. Egloff versicherte, dass man grundsätzlich alle Beteiligten in der Weinwirtschaft unter einen Hut bringen möchte. Dabei wurde er vom Kopräsidenten des Deutschschweizer Weinbauverbandes (DSWV), Erich Gysel (Hallau), unterstützt, welcher ein Zusammenrücken von Handel und Produktion auf Kantonsebene wünscht. Gleichzeitig warnte er aber vor einer Alibilösung. Gysel informierte zudem über den erfolgten Umzug des Sekretariates des DSWV von Bern nach Wädenswil. Nachdem das Wallis aus dem nationalen Verband ausgetreten ist und rund 30 Prozent weniger Geld vorhanden ist, musste eine neue Lösung auch für den DSWV gesucht werden. «Für den neuen Standort Wädenswil sprechen das Kompetenzzentrum mit Forschung und Bildung sowie die Nutzung von Synergien », betonte Gysel. Damit die Bundesgelder für die Absatzförderung ausgelöst werden können, muss die Branche ihrerseits Mittel einsetzen. Entsprechend sind vom DSWV Massnahmen eingeleitet worden, welche von den Kantonen zusätzliche Gelder für Werbemassnahmen nötig machen.
Im Grusswort vor der Mittagspause erinnerte Gemeindeammann Max Vögeli an die geschichtliche Bedeutung des Tagungsortes. Seit 1834 tagt der Thurgauer Kantonsrat jeweils während der Wintermonate in Weinfelden. Zudem ist Weinfelden mit einer Rebfläche von 45 Hektaren eine beachtliche Weinbaugemeinde im Thurgau.
AOC und Traubenwelke
Am nachmittäglichen Weinbautag standen die Agrarpolitik und Fachthemen auf der Traktandenliste. Rebbaukommissär Bruno Hugentobler äusserte sich dabei zum eindrucksvollen verflossenen Rebjahr 2007. Im vergangenen Herbst wurde der Blauburgunder mir einem Durchschnittsertrag von 607 Gramm je Quadratmeter und der Riesling x Sylvaner mit 85 Gramm geerntet. Diese Werte liegen beim Blauburgunder leicht unter und beim Müller-Thurgau geringfügig über dem langjährigen Mittel. Von der Ernte 2007 übernahm der Handel 48 Prozent, während 52 Prozent durch Selbstkelterer und Selbstvermarkter abgesetzt wurde. Vor zehn Jahren lag dieses Verhältnis noch bei 69 zu 31 Prozent zugunsten des Handels. Im vergangenen Jahr sind im Thurgau aufgrund von drei Gesuchen 76,1 Aren neu in den Rebkataster aufgenommen worden und die gesamte Thurgauer Rebfläche beläuft sich auf 263,76 Hektaren, wobei 156 Hektaren mit Blauburgunder, 62 Hektaren mit Müller-Thurgau und 44 Hektaren mit verschiedenen Sorten bestockt sind.
«Ab der Ernte 2008 wird auch der Thurgau aufgrund der neuen Agrargesetzgebung die AOC einführen müssen. Wir wollen aber zusammen mit den Kantonen Zürich und Graubünden eine einheitliche Lösung für den Vollzug suchen», betonte Hugentobler. Dabei verwies er auf einen bereits vorliegenden Entwurf der kantonalen AOC-Verordnung. Weine, welche inskünftig mit einer Ursprungsbezeichnung mit einer Lage-, Orts- oder Regionalbezeichnung verkauft werden wollen, müssen die AOC erfüllen. Ohne AOC dürfen die Weine aber nur noch als Land- oder Tafelwein ohne Angabe vom Ursprung vermarktet werden. «Dabei handelt es sich aber nicht über ein eigentliches Qualitätslabel», betonte der Thurgauer Rebbaukommissär. Die AOC-Weine werden unter anderem einer sensorischen und analytischen Prüfung unterzogen. Zur Diskussion steht zudem die amtliche Weinlesekontrolle. Im vergangenen Jahr sind gemäss Hugentobler im Thurgau auf zwei Betrieben Tests mit der Selbstkontrolle durchgeführt worden. Er bezeichnete die Resultate als positiv und kündigte an, dass es 2008 nochmals Testbetriebe geben wird. Danach erfolgt der Entscheid über eine mögliche Selbstdeklaration. Neuerungen gibt es hinsichtlich des Rebkatasters. Unbestockte, aber im Kataster liegende Flächen verlieren nach fünf Jahren diesen Status. Hugentobler äusserte sich zudem zu den Umstockungsbeträgen für Müller-Thurgau, welche der Bund bis 2011 gewährt. Im vergangenen Jahr flossen für 30 Aren rund 7300 Franken in den Thurgau, für 2008 liegen keine Gesuche vor. «Aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach Müller-Thurgau-Weinen ist diese Massnahme aber vermehrt umstritten », fügte Hugentobler bei. Abschliessend zeigte der Bündner Rebbaukommissär Hans Jüstrich Ursachen und Möglichkeiten für die Bekämpfung der Stiellähme und Traubenwelke auf. Diese beiden Krankheitsbilder haben in den vergangenen Jahren die Weinbauern in der ganzen Ostschweiz beschäftigt.
Roland Müller

Othmar Lampert (links) löst Peter Egloff an der Verbandsspitze ab, während Karin Lenz neu in den Vorstand einzieht. (RoMü)
