Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
26. Juni 2020


Weidemast von Bio-Milchrassen - eine Alternative?

Ausgabe Nummer 23 (2018)

Heute werden die männlichen Bio-Milchrasse-Kälber in den konventionellen Mastkanal geliefert. Vom Bio-Gedanken her ist die Verwertung dieser Kälber in den Bio-Kanal zu bevorzugen. Seit Anfangs 2018 bietet das gemeinsam mit FiBL und Aldi Suisse initiierte Projekt «Bio-Weidemast von Milchrassenochsen und Rindern als Banktiere» eine Lösung für die biologische Mast und Vermarktung von Kälbern der Milchrassen. Walter Denzler bei Wängi produziert seit 2013 Tiere für das Label Bio-Weide-Beef der Migros. Er gibt Auskunft, auf was es bei der Weidemast ankommt.

Fleisch von Milchrassen, kommt das an? Degustationen haben gezeigt, dass das Fleisch sowohl von weiblichen wie auch männlichen Tieren der Milchrassen einen sehr guten Geschmack aufweisen, und das Fleisch sowohl bei Konsumenten als auch bei Metzgern gut ankommt. Da das Projekt «Bio-Weidemast von Milchrassenochsen und Rindern als Banktiere» erst ganz am Anfang steht und einzelnen Produzenten mit einem ersten Durchgang des «Aldi-Bio-Weide-Rindes» starten, haben wir uns bei einem langjährigen Bio-Weide- Beef-Produzenten erkundigt.

Gute Beobachtung ist wichtig!
Walter Denzler bei Wängi TG hält rund 85 Bio-Weide- Beef-Tiere sowie 8 bis 9 Ausmelkkühe. So verlassen jährlich rund 50 Weiderinder oder Ochsen den Betrieb unter dem Label Bio-Weide-Beef der Migros. Linus Silvestri AG ist Walter Denzlers Systempartner für Migros-Bio-Weide-Beef. Denzler hat das Glück, dass er alle Kälber vom gleichen Bio-Milch-Betrieb beziehen kann. Die drei bis vier Wochen alten Tränker gelangen als erstes in ein Quarantäne-Iglu, wo sie bis zu 10 Tage bleiben.
Denzler tränkt die Kälber selber noch vier Monate, die Ausmelkkühe liefern die dazu notwendige Milch. Dieses System hat sich seit Beginn bewährt. «Ich benötige keine prophylaktischen Antibiotika. Wichtig ist, die Tiere gut zu beobachten!» Die Kälber so jung zu erhalten, bringt ihm einen weiteren Vorteil: «Die Sozialisierung der Kälber. Ich kann die Kälber sehr früh an mich und an einen guten Umgang gewöhnen.»

Die Erfolgsfaktoren
Denzlers Erfolgsfaktoren einer guten Weidemast: Kontrolle der Kosten, top Futter und ein gutes Auge für die Tiere. Walter Denzler rechnet mit spitzem Bleistift: «Die Kosten im Griff behalten ist ein absolutes Muss. Die Tränker und Remonten sind zu teuer um etwas zu ‹gfätterle› ». Er rechnet für jedes Kalb, was es ihm bringt.

Zudem: «Zur Ausmast füttere ich keinen Mais. Wenn ich den Mais verkaufe, löse ich mehr als bei einer Verfütterung. Der Maiseinsatz bei der Weidemast ist gut zu überlegen!»
Die Ochsen und Rinder hält Denzler in separaten Weiden, jedoch nach Alter gemischt. Ochsen brauchen top Weiden von guter Qualität. Die Rinder weiden auch auf Parzellen mit extensiver Weide.
Bei Bio-Weide-Beef liegt das Zielgewicht bei 260 bis 280 kg SG, beim Aldi-Bio-Weide-Rind dürfen die Tiere bis zu 310 kg (C/H-Tiere) beziehungsweise 320 kg SG (A/T-Tiere) aufweisen. «Wenn ein Tier kein ‹T› erreicht, so geht es in den konventionellen Kanal. Unter Bio-Weide-Mast-Bedingungen bleibt es eine Herausforderung, in 27 Monaten die Ochsen gedeckt zu liefern.»

Angebot und Nachfrage bleiben bestimmend
Aldi-Bio-Weide-Rind auf Denzlers Betrieb? «Ja wenn ein Absatz dafür da ist, wäre dies eine Möglichkeit. Angebot und Nachfrage ist bestimmend.» Allerdings: Gemäss Reglement könnte er die Kälber erst im Alter von mindestens 5 Monate und abgetränkt übernehmen – dies passt nicht in sein System. Zudem müsste sein Kälberlieferant nochmals gleichviele Plätze für die männlichen Milchrasse-Kälber bereitstellen wie für seine Aufzuchtkälber, plus Arbeit und Vertränken von Bio-Milch.

Partnerschaftliche Zusammenarbeit im Zentrum
Denzler betont: «Es muss ein Wandel im Bewusstsein beim Milchproduzenten geschehen, denn nur so gibt es Remonten von Milchrassen für die Weidemäster. Ob Bio-Weide-Beef oder Aldi-Bio-Weide- Rind: Ein System klappt nur, wenn das Angebot der Tiere partnerschaftlich organisiert werden kann. Ein Milchproduzent muss mitdenken und die Masttiere gezielt auswählen, auch im Hinblick auf seinen Partner, der die Kälber oder Remonten übernimmt.» Für Denzler steht Limousin im Zentrum, Angus-Kreuzungstiere streuen mehr bei CH-TAX, sind jedoch schneller gedeckt. Denzler blickt stolz auf seine Tiere: «Wichtig bleibt, gesunde, widerstandsfähige Tiere gut zu beobachten, gut zu füttern und zu pflegen. Das Auge des Bauern mästet das Vieh.»


Jenifer van der Maas
Bioberatung
BBZ Arenenberg










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