Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
6. Juli 2018


Weinjahr mit vielen Herausforderungen

Ausgabe Nummer 37 (2016)

Thurgauer Weinbranche tagte in Wigoltingen

An der Herbstversammlung des Branchenverbandes Thurgauer Weine (BTW) in Wigoltingen standen das aktuelle Rebjahr und die bevorstehende Herausforderung bezüglich der Kirschessigfliege (KEF) im Zentrum. Zudem wurde über aktuelle Werbe- und Marketingmassnahmen informiert.

Viele Informationen gab es für die Thurgauer Rebleute und Weinmacher an ihrer gut besuchten Herbstversammlung. Verbandspräsident Othmar Lampert blickte dabei auf die Aktivitäten des Verbandes in den letzten Monaten zurück. Als wertvoll und fruchtbar bezeichnete er den Austausch mit anderen Spezialkulturen. Es fand auch eine Sitzung mit dem Amt für Raumplanung statt. Gerade bezüglich der vielen offenen Fragen, wie Hagelschutz- oder Seitenschutznetze, besteht ein grosses Diskussionspotenzial. «Wir haben deshalb vereinbart, dass wir uns jährlich mit diesem Amt treffen, um solche umfassenden Themen zu diskutieren oder auch an praktischen Beispielen zu erklären», hielt Lampert fest.
Demnächst startet das Vinum mit einer grossen Vorstellung der verschiedenen Deutschschweizer Weinbauregionen. «Der Branchenverband Deutschschweizer Wein hat deshalb beschlossen, die damit verbundenen Kosten im Umfang von 16 000 Franken zu übernehmen», so Lampert weiter. Bezüglich der nationalen Weinwerbung, wo sich auch der Thurgau mit beachtlichen Summen beteiligt, werden die laufenden Projekte abgeschlossen. Alle anderen Massnahmen werden einer umfassenden Überarbeitung unterzogen.
Rebbaukommissär Markus Leumann blickte dabei auf ein sehr anspruchsvolles und ereignisreiches Rebjahr zurück. «Wir verzeichneten zum Start einen normalen Austrieb. Danach folgte die Frostnacht im April, welche lagebedingt teilweise beachtliche Schäden verursachte», so Leumann. Damit aber nicht genug. Der eher schwierige Blüteverlauf sorgte für Verrieselungen, und auch örtliche Hagelschäden brachten bedingte Ausfälle. Man stellte auch gebietsweise einen erheblichen Befall von Falschem Mehltau fest. Leumann geht deshalb davon aus, dass die Ertragserwartung deutlich unter dem langjährigen Mittel liegen wird. «Die aktuellen Zuckerwerte und somit der Reifegrad entspricht im Vergleich und Zeitplan dem Herbst der Jahre 2012 und 2014. Wir können somit davon ausgehen, dass ab Ende September mit der Lese des Müller-Thurgau und ab Mitte Oktober des Blauburgunder begonnen werden kann», führte Leumann aus.

Kirschessigfliege
Alle Vorzeichen deuten darauf hin, dass in den bevorstehenden Herbstwochen die Kirschessigfliege wieder eine grosse Herausforderung wird. «Leider zeigen die aktuellsten Bonitierungen bezüglich der Eiablagen, dass die KEF auf den ersten eher frühreifen roten Traubensorten auch in den Thurgauer Rebbergen angekommen ist», hielt Leumann fest. Bereits haben aber schon viele Rebleute reagiert und setzen vorerst auf präventive Massnahmen. Dabei ist der Einsatz des weissen Tonerdepräparates Kaolin deutlich sichtbar, mit welcher die Traubenzone weisslich eingefärbt wird. Dieses Gesteinsmehl fällt bei der Kelterung aus und hat keinerlei Auswirkungen auf die spätere Gärung oder gar den Wein. Dieser weisse Belag auf den Beeren soll als Barriere wirken und die Fliege davon abhalten, auf den nun weisslich eingefärbten blauen Trauben Eier abzulegen. Inwieweit diese sehr breit angewendete Methode wirkt, wird sich aber erst zeigen müssen, wobei die Hoffnung und Zuversicht im Weinbau sehr gross sind.

Rebbauforum und Weinwerbung
«Wir wollen mit dem neu ins Leben gerufenen Rebbauforum SH/TG praxisbezogene Versuche verschiedenster Art durchführen», führte der Hallauer Rüdiger Steck aus, welcher dieses Gremium leitet. Mit dem ehemaligen und jetzt pensionierten Werner Siegfried von der Forschungsanstalt Wädenswil konnte die ideale Fachperson gefunden werden, welche die umfassenden Versuche fachlich betreuen wird. «Wir haben bereits einen breiten Fächer an offenen Fragen, auf welche wir mit Praxisversuchen Antworten liefern wollen. Dazu gehören die Optimierung der Düngung und Bodenpflege, die Unterstockbearbeitung, neue Spritztechnologien oder Optimierung der Pflanzabstände», führte Steck weiter aus. «Die Gourmetwanderung war mit 1100 Teilenehmern ein voller Erfolg. Für 2017 konnten wir die Region Thur-Seebachtal gewinnen», kündigte Markus Frei an. Zudem stellte er die vor dem Abschluss stehende grosse Faltkarte mit den Thurgauer Weinbauregionen vor, welche mit zahlreichen Informationen gespickt ist. «Die länderübergreifende Weinregion Bodensee als Interregprojekt ist auf Kurs. Die entsprechenden Verträge sind um drei weitere Jahre bis 2018 verlängert worden», kündigte Markus Müller an. Er ermunterte die Thurgauer Winzer und Weinmacher aber, verstärkt mitzuwirken und das angebotene Netzwerk sowie die Werbemöglichkeiten mit den zahlreichen Veranstaltungen besser zu nutzen.
Zum Abschluss kündigte Verbandspräsident Othmar Lampert auf die kommende Hauptversammlung Anfang 2017 seinen Rücktritt an. «Nach 10 Jahren an der Spitze möchte ich zurücktreten. Mit unseren Vizepräsidenten Markus Müller ist ein Nachfolger bereit», so Lampert.


Roland Müller







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