Ausgabe Nummer 36 (2005)

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Weizenernte 2005 – standortabhängige Qualität

Ernteergebnisse Streifenversuche Winterweizensorten Forum Ackerbau

Weizenernte 2005 – standortabhängige Qualität

Je nach Standort fielen die Hektolitergewichte sehr unterschiedlich aus. Ebenso konnte die geforderte Qualität für IP-Suisse oder sogar für konventionellen Brotweizen nicht immer erreicht werden. Die Futterweizensorten Tapidor und Winnetou brachten im Mittel der drei letzten Jahre die nötigen Mehrerträge, um gegenüber Arina und Zinal konkurrenzfähig zu sein.

Das Forum Ackerbau hat in Zusammenarbeit mit den landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentren Rütti-Zollikofen BE, Liebegg AG, Charlottenfels SH (nur Brotweizen), Arenenberg TG, Plantahof GR, Strickhof ZH, Wallierhof SO und Hohenrain LU (nur Futterweizen) sowie swiss granum insgesamt 15 Brot- und 9 Futterweizensorten in zwei Verfahren angebaut (siehe Kasten). 

Die Anbauverfahren Erntejahr 2005
– Saat 14, Oktober bis 4. November 2004; 325 bis 400 Körner/m2.
– Extenso (nur Brotweizen), N-Düngung 118 bis 145 kg N/ha, keine Wachstumsregulatoren, Fungizide und Insektizide.
– ÖLN: N-Düngung 142 bis 175 kg N/ha, Wachstumsregulator, eine bis zwei Fungizidbehandlungen, Insektizid nach Schadensschwelle.
– Intensiv (nur Futterweizen): N-Düngung 180 bis 190 kg N/ha beziehungsweise ÖLN + 40 kg N/ha, Pflanzenschutz wie ÖLN.

Unterschiedliche Hektolitergewichte auf tiefem Niveau

Hitze und Wassermangel während der Kornfüllung sowie Niederschläge ins reife Korn beeinflussten boden- oder standortbedingt das Hektolitergewicht sehr unterschiedlich. Das Extensoverfahren litt allgemein stärker, und die Standortdurchschnitte waren mässig bis schlecht (Tab.1). Nur Arina (und die Versuchssorte Altos) erzielten an einzelnen Standorten HLG über 78 kg und erfüllten die IP-Suisse-Anforderungen. 2005 war der Verfahrensunterschied bei Brotweizen mit 2,0 kg doppelt so hoch wie in den Vorjahren. Der Einfluss der Sorte und des Standortes war, wie in den Vorjahren, dennoch grösser als jener der Anbauintensität.
Das Mittel beider Futterweizenintensitäten unterschied sich kaum und streute von 76 (Pegassos) bis 71 (Versuchssorte Hermann).


Hitze und Wassermangel während der Kornfüllung sowie
Niederschläge ins reife Korn beeinflussten boden- oder
standortbedingt das Hektolitergewicht sehr unterschiedlich. (avg)

Fallzahlen überraschend gut

Trotz der zum Teil wegen Regen verzögerten Ernte betrugen die durchschnittlichen Fallzahlen ausser bei der Biscuitsorte Muveran über 220 Sekunden. An zwei Stand-orten verfehlten Ludwig, Levendis und Allalin die geforderte Fallzahl und an einem Standort Zinal. Der tiefste Wert von Runal lag bei 226 Sekunden.

Mehrerträge im ÖLN deckten die Mehrkosten gegenüber Extenso meist nicht

Ludwig und Zinal erzielten 2005 im Extensoanbau erneut höhere Körnererträge als Arina (Tabelle 3). Im Verfahren ÖLN erreichte Ludwig Spitzenerträge. In der zweiten Klasse erreichte Levis vor Rigi und Levendis den höchsten Ertrag.
Die Mehrerträge in der ÖLN-Variante müssen die Mehrkosten für den zusätzlichen Hilfsmitteleinsatz, die Extensoprämie und die IPS-Prämien decken, damit dieses Verfahren wirtschaftlich Sinn macht. Je nach Qualitätsklasse und Preis fallen die notwendigen Mehrerträge unterschiedlich aus (Tabelle 2). Die durchschnittlichen Mehrerträge im ÖLN variierten je nach Standort von 2,1 bis 17,6 kg/a, und je nach Sorte 6,5 bis 11,7 kg/a (Tabelle 3). Die maximalen Mehrerträge der einzelnen Jahre und Standorte lagen bei allen Sorten ausser Zinal knapp über den notwendigen Mehrerträgen gegenüber Extenso.
Wegen der tiefen HLG unterschied sich der kostenbereinigte Erlös von ÖLN und IPS verglichen mit den Vorjahren nur wenig. Die Streuung zwischen den Standorten reichte von einem knappen Mehrerlös für die ÖLN-Variante am Strickhof bis zu einem Mehrerlös von rund Fr.700.–/ha für IPS beziehungsweise Extenso.

Je nach Standort unterschiedliche Futterweizenerträge

Wie in den beiden Vorjahren lag im Mittel beider Verfahren 2005 die Sorte Tapidor mit 89,2 kg an der Spitze, gefolgt von Winnetou mit 88,5 kg. Die Sorte Drifter lag dieses Jahr mit 80 kg deutlicher zurück (Tabelle 3). Der Einfluss der Standorte war 2005 sehr ausgeprägt. So lag der Stand-ortdurchschnitt Bünzen mit 97,3 beziehungsweise 100,4 kg (ÖLN/Intenso) am höchsten, während die Werte am Standort Wallierhof (teilweise Lagerung) mit 73 beziehungsweise 74 kg am tiefsten lagen.

Mehr Stickstoff rechnet sich nicht bei allen Sorten

Obwohl 2005 die zusätzlichen 40 kg N bei Futterweizen intensiv keine Wirkung erzielten, zeigt der mittlere Mehrertrag von 3,3 kg/a der Jahre 2003 bis 2005 (von vier Sorten), dass je nach Standort, Jahr und Sorte Mehrerträge möglich sind. In der Annahme, dass keine zusätzliche Durchfahrt erforderlich ist, betragen die Mehrkosten im intensiven Verfahren Fr. 50.–/ha. Zur Deckung dieser Mehrkosten sind 1,2 kg/a Mehrertrag notwendig. Ohne Berücksichtigung der gesamtbetrieblichen Stickstoffverteilung rechnete sich damit die höhere Stickstoffmenge bei Tapidor in allen drei Jahren, bei Winnetou, Drifter und auch knapp bei Pegassos im Durchschnitt der drei Jahre.

Anbauempfehlung

Tapidor und Winnetou sind mit 14 beziehungsweise12,4 kg/a Mehrertrag gegen-über Arina und Zinal an Standorten mit hohem Ertragspotenzial konkurrenzfähig (Tabelle 3). Drifter litt in den Trockenjahren 2003 und 2005 stärker, erreichte aber bei genügender Wasserversorgung (2004) ähnliche Mehrerträge.

Bei Brotweizen Top können weiterhin Runal, Titlis und Segor für die Aussaat 2005 empfohlen werden. An Standorten mit hohem Auswuchsrisiko auf Titlis oder Segor setzen. In der Klasse I können die Sorten Zinal und für den intensiven Anbau weiterhin auch Arina empfohlen werden. Wer das Auswuchsrisiko eingehen kann, setzt auf Ludwig. In der Klasse II empfiehlt sich neben Levis auch Rigi für beide Anbauintensitäten.

Jonas Zürcher, Bildungszentrum Wallierhof,
Kurt Baumann, LBBZ Arenenberg