Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. April 2018


Welche Bioprodukte sind heute gesucht?

Ausgabe Nummer 22 (2016)

In jedem Frühjahr hält Bio Suisse, der Verband der Bioproduzentinnen und -produzenten, an einer Medienkonferenz Rückschau auf das vergangene Jahr.

2015 gab es in der Schweiz einen Zuwachs an Biobetrieben und an Fläche. Im Thurgau produzierten im letzten Jahr 12,1 % aller Landwirtschaftsbetriebe nach den Biovorschriften. Damit liegt unser Kanton sehr nahe am schweizerischen Mittel von 12,8 %. Bezogen auf den schweizweiten Anteil von 7,5 % Biobetrieben in der Talzone liegt der Thurgau aber weit über dem Mittel vergleichbarer Regionen.
Und wie steht es mit dem Verkauf von Bioprodukten? In der Medienmitteilung vom April 2016 wurde bekannt: «Im schwierigen Umfeld von Frankenstärke und Einkaufstourismus stieg der Umsatz um 5,2 % auf 2,323 Milliarden Franken und erreicht mit 7,7 % den bisher höchsten Marktanteil.»

Das Wachstum des Biomarktes beruht nicht nur auf Schweizer Erzeugnissen
Solche Meldungen wecken Hoffnungen bei Produzenten, die im ÖLN-Bereich unter dem Preiszerfall wichtiger Erzeugnisse leiden. Vielleicht besteht ja im Wachstumsmarkt Bio grössere Nachfrage. Zur Beantwortung dieser Frage lohnt es sich, genauer auf die Wachstumszahlen hinzuschauen. Es ist zu bemerken, dass die ab hier in diesem Artikel verwendeten Zahlen nur den Lebensmittelhandel über die grossen Ladenketten betreffen. Der Bio-Fachhandel, regionale Läden, Märkte und die Direktvermarktung, die zusammen einen Fünftel des Bio-Umsatzes erwirtschaften, sind nicht erfasst.
Die Statistik des Biolebensmittelumsatzes 2015 zeigt bei den verarbeiteten Produkten die grössten Zuwachsraten. Aus den Zahlen kann nicht herausgelesen werden, ob dabei auch Schweizer Rohstoffe eingesetzt werden. Beim einzelnen Produkt könnte man die Herkunft ablesen. Mit einer Zuwachsrate von mehr als 15 % fallen auch die Früchte auf. Die Grossverteiler machen etwa 3⁄4 des Biofrüchte-Umsatzes mit Importprodukten, die aus klimatischen Gründen in der Schweiz nicht gedeihen oder zu Zeiten angeboten werden, in denen sie hier keine Saison haben. Damit relativieren sich neue Produktionsmöglichkeiten auch in Bereichen mit hohen Bio-Zuwachsraten.

Nur leichter Zuwachs bei der Nachfrage nach Biomilch
Richten wir unser Augenmerk nun auf wichtige Erzeugnisse der Schweizer Landwirtschaft. Mit 300 Millionen Franken sind die Milchprodukte der grösste Umsatzträger bei den Bio-Lebensmitteln. Etwa 6,5 % der Verkehrsmilchmenge in der Schweiz ist Biomilch. Bei den Verkaufszahlen werden Käse und übrige Milchprodukte unterschieden. 2015 gab es bei den übrigen Milchprodukten einen Umsatzzuwachs von 5 %, beim Käse war es ein Rückgang um 0,6 %. Dass es für einen solch bescheidenen Zuwachs nur Platz für wenige neue Biomilchproduzenten hat, liegt auf der Hand. Erschwerend für den einzelnen Betrieb ist die Tatsache, dass es für Milch vom Umstellungsbetrieb keinen Markt gibt. Das bedeutet zwei Jahre Biomilchproduktion ohne Mehrpreis.
Nach wie vor steigend ist der Bedarf an Bioeiern. Dem entsprechend investieren etliche Biobetriebe in die Legehennenhaltung und -aufzucht. Wer neu in diesen Bereich einsteigen möchte, muss frühzeitig mit einem Abnehmer Kontakt aufnehmen. Nur mit ganz verbindlichen Zusagen kann ein Projekt zur Realisierung gebracht werden. Die Bio-Eierproduktion bleibt nur dann wirtschaftlich interessant, wenn die Nachfrage etwas grösser ist als das Angebot.
Im Fleischbereich ist der Bioanteil am Umsatz der grossen Lebensmittelhändler bei 5 %. Mit Zuwachs von 2 bis 3% bei den verschiedenen Fleischprodukten hat sich 2015 auf tiefem Niveau wenig bewegt.

Gute Produktionsmöglichkeiten im Bio-Ackerbau
Richtig zulegen kann die Bioproduktion bei den Ackerkulturen. Brot- und Futtergetreide, Mais und Körnerleguminosen sind nach wie vor sehr gesucht. Beim Verkauf dieser Produkte in den Futterkanal kann der Bio-Umsteller bereits vom ersten Jahr an den vollen Biopreis erzielen. Nach den zwei Umstellungsjahren vergrössert sich die Palette der Anbaumöglichkeiten im Bioackerbau beträchtlich. Neben Brotgetreide sind auch anspruchsvolle Kulturen wie Raps und Zuckerrüben sehr gesucht. Bei den anderen Ölsaaten und den Nischenkulturen ist die Marktentwicklung zu beobachten. Im Laufe von zwei Jahren kann sich da einiges ändern. Kartoffeln und Feldgemüse werden auch im Biolandbau immer mehr zu Kulturen für Spezialisten mit der entsprechenden Technik. Diese suchen immer wieder Bio- Ackerbaubetriebe respektive deren Land. Neueinsteiger müssen sich überlegen, welche Kompetenzen und Wertschöpfungsanteile sie an den Spezialisten abgeben und wieviel Freiheit als selbstständiger Landwirt sie noch behalten wollen.

Chancen für neue Biobetriebe trotz geringem Marktwachstum
Obwohl bei näherem Hinsehen das Wachstum im Biomarkt bezüglich hier produzierbaren Erzeugnissen bescheiden ausfällt, ist Biolandbau nach wie vor eine Chance für manchen Betrieb. In jedem Einzelfall müssen vor dem definitiven Umstellungsentscheid die Bio-Absatzmöglichkeiten für die wichtigsten Produkte des Hofes gründlich abgeklärt werden. Dabei gilt es, sich nicht nur auf den Verkauf an die Grossverteiler mit 80 % Marktanteil auszurichten, sondern auch den regionalen Absatz über kleine Verteiler bis hin zur Direktvermarktung zu prüfen. Eine Kombination aus Nischen- und Grossverteilerkanälen kann eine gute Lösung sein.


Jakob Rohrer,
BBZ Arenenberg,
Biolandbau







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