Ausgabe Nummer 4 (2004)

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Welche Möglichkeiten bieten sich?

Neuorientierung: Ein Schritt ins Unbekannte

 

Welche Möglichkeiten bieten sich?

 
Viele Betriebe werden ihre Zukunft in der Landwirtschaft nicht durch Wachsen eines bestehenden Betriebszweiges sichern können. Sei es aus strukturellen, arbeitswirtschaftlichen, finanziellen, personellen oder persönlichen Gründen. Sie werden andere Wege finden müssen, die sinkenden Einkommen in der Landwirtschaft zu kompensieren. Wenn der Betrieb nicht vollständig aufgegeben wird und auch die Wachstumsvariante nicht realisiert wird, wird in den meisten Fällen eine Einkommenskombination (Zuerwerb, Nebenerwerb) gesucht. Oftmals bedingen solche Einkommenskombinationen eine Prüfung der aktuellen Betriebsorganisation, Vereinfachungen der Betriebsabläufe werden nötig, es kommt zu einer Neuorientierung.

Zusätzliche Einkommen können als Selbständige/r oder als Angestellte/r, im landwirtschaftlichen- oder nicht-landwirtschaftlichen Bereich und vom Landwirt oder der Landwirtin generiert werden. Steht der Entscheid fest, dass an der aktuellen Situation etwas geändert werden muss, sind folgende Fragen zu klären:

Selbstständigkeit ganz erhalten ?
ja oder nein
Die Betriebsleiterfamilie muss für sich entscheiden, ob sie die volle Selbstständigkeit erhalten will. Für zahlreiche Betriebsleiterfamilien ist die Selbstständigkeit zur grossen Belastung geworden. Man wünscht sich ein sicheres Zusatzeinkommen und klar geregelte Freizeit. Andere Betriebsleiterfamilien wiederum können sich den Schritt in ein Angestelltenverhältnis überhaupt nicht vorstellen.

Bezug zur Landwirtschaft ? ja oder nein
Kann sich die Betriebsleiterfamilie vorstellen, das fehlende Einkommen in einem Bereich zu verdienen, der gar nichts mehr mit der Landwirtschaft zu tun hat. Die einen Bauernfamilien erfahren ihr Engagement in einem der Landwirtschaft fernen Bereich als Bereicherung, ja sogar als eine Art «sorgenfreie» Insel. Für andere kommt der Schritt weg von Bekanntem nicht in Frage.
Wer ist für das Zusatzeinkommen
verantwortlich ? Mann oder Frau
Viele Bäuerinnen verfügen heute über qualifizierte ausserlandwirtschaftliche Ausbildungen. Es stellt sich also immer öfter die Frage, ob nicht die Betriebsleiterin für das Zusatzeinkommen verantwortlich sein soll. Eine ausserbetriebliche Erwerbstätigkeit der Frau setzt allerdings voraus, dass der Landwirt mehr als bisher Verantwortung in Haushalt und Familie übernimmt. Der Arbeitsort Bauernhof bietet eine ideale Voraussetzung dafür. Wenn der Mann einer ausserbetrieblichen Tätigkeit nachgeht, ergibt es sich dagegen häufig, dass die Bäuerin vermehrt Aufgaben auf dem Betrieb übernimmt. So oder so, wenn ein Ehepartner auswärts arbeitet, müssen der Entscheid und die Konsequenzen von der ganzen Familie getragen werden. Längerfristig ist eine ausserbetriebliche Tätigkeit nur möglich, wenn neben der Arbeit genügend Zeit für die Betreuung der Familie, für Erholung und Freizeit sowie für sich selber zur Verfügung steht.

«In welche Richtung soll sich unser Betrieb entwickeln?» Diese Frage muss jede Bauernfamilie für sich beantworten. (TB Archiv)

ARC
Etwa ab Mitte des Jahres 2004 steht den Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern ein neues Angebot zur Verfügung, das ihnen helfen soll, ihre zukünftige betriebliche Ausrichtung zu finden. ARC, Actif, Regional, Creativ. Dabei handelt es sich um ein zehntägiges Seminar, welches sich über ein halbes Jahr erstreckt und den Betriebsleiterfamilien Unterstützung bietet, ein eigenes Unternehmenskonzept zu erarbeiten, das zu ihnen passt und ihr persönliches und betriebliches Potenzial nutzt. ARC ist also eine ausgezeichnete Gelegenheit, den Betrieb zusammen mit dem Partner weiterzuentwickeln und eine mögliche Neuorientierung in Angriff zu nehmen.
Weitere Informationen zu ARC erhalten Sie bei:
Martin Huber, LBBZ Arenenberg, Fachstelle Betriebsberatung und Landtechnik, Telefon 071 622 10 22

Suche nach Alternativen
Entscheidet sich die Familie für eine Neuorientierung im Sinne eines Zu- oder Nebenerwerbs, bestehen verschiedene Varianten, um zusätzliches Einkommen zu generieren.
1. Augen offen halten in der eigenen Umgebung. Gelegenheiten beim Schopf packen, an seine Begabungen glauben und in die Anforderungen hineinwachsen. Sei es als Selbstständige oder Unselbstständige.
2. Sich auf passende Inserate in Zeitungen, Internet, Radio bewerben.
3. Sich gezielt weiterbilden und auf einem Gebiet ein zweites Standbein aufbauen.

Patentrezepte gibt es leider keine, Voraussetzung für eine erfolgreiche Neuorientierung ist aber in jedem Fall, dass man sich sicher ist, diesen Weg gehen zu wollen, und dass dieser Weg für die ganze Familie richtig ist.

Eine Neuorientierung ist nie einfach, da man sich von etwas Bekanntem in eine unbekannte Situation begibt. Von allen Beteiligten wird eine Umstellung ihrer Gewohnheiten gefordert, oft ist die Umstrukturierung von Betrieb und Haushalt nötig. Viele Betriebe werden in den nächsten Jahren in die Situation kommen, dass sie sich neu orientieren müssen. Deshalb an dieser Stelle erneut der weise Rat: Planen Sie Ihre Zukunft, schauen Sie den Tatsachen ins Gesicht und entscheiden Sie! Dazu ist es nötig, dass die Ziele und Wünsche aller Beteiligten erfasst werden. Denn nur, wenn die ganze Familie am gleichen Strick zieht, ist eine erfolgreiche Neuorientierung möglich. Wichtig ist auch, dass eine Neuorientierung nichts mit Scheitern, Aufgeben oder Versagen zu tun hat! Das landwirtschaftliche Umfeld hat sich in kurzer Zeit stark verändert, Betriebsleiterfamilien müssen sich den neuen Gegebenheiten anpassen.
Jede Familie muss für sich die «Wertfrage» klären. Soll möglichst viel Zeit in den Betrieb gesteckt werden, um möglichst viel herauszuholen? Auch auf die Gefahr hin, dass das Familienleben zu kurz kommt und die Gesundheit und Lebensqualität darunter leidet? Frühere Generationen stellten meistens den Betrieb in den Mittelpunkt, die jüngeren Generationen messen dem Privatleben wieder einen höheren Stellenwert zu. Es stellt sich also die Frage, wie der Betrieb organisiert werden kann, damit die Lebensqualität nicht zu kurz kommt und genügend verdient wird, um den Privatverbrauch zu decken. Viele Betriebe werden nicht wachsen können. Erwerbskombinationen drängen sich deshalb auf. Diese verlangen aber oft grundlegende Anpassungen des gesamten Betriebes, welche häufig auch die Aufgabe von geliebten Tätigkeiten mit sich bringen. Seien Sie mutig, prüfen Sie Ihre Situation und entscheiden Sie!

LBBZ Arenenberg,
Fachstelle Betriebsberatung und Landtechnik, Fabienne Stahel

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