Ausgabe Nummer 32 (2006)

zurück zur Übersicht

Welche Produktion hat in Zukunft welchen Markt?

Umfragen zeigen, dass der Konsument bereit ist, für Fleisch aus tiergerechter Haltung einen höheren Preis zu bezahlen. Die Praxis jedoch zeigt, dass er sich beim Einkauf anders verhält. Diese Feststellung wird noch lange ihre Gültigkeit haben. Der Einstieg von Aldi und vor allem Lidl wird dem preisbewussten Konsumenten mehr Möglichkeiten bieten, günstig einzukaufen und er wird sie nutzen.

Das Verhalten der Konsumenten und nicht Umfragen muss bestimmen, welche Produktionsform die richtige ist. Der fehlende Absatz bei CNP Schweinen war Anschauungsunterricht, der schmerzte. DEN Konsumenten gibt es nicht. Ein kleiner Teil will Bio, ein grösserer will Labelfleisch, für den grössten Teil jedoch wird auch in Zukunft QM Schweizer Fleisch passend sein. Was alle Konsumenten wollen, ist eine sensorisch hochstehende Qualität des Fleisches. Da sind wir weltweit Spitze. Alle wollen rückstandsfreies Fleisch. Der Gesundheitsstatus unserer Tiere ist weltweit einmalig und die beste Voraussetzung dazu. Und alle wollen für die erfüllten Ansprüche ihren Geldsäckel nicht zu stark strapazieren.

Welches sind die geografischen Grenzen unseres Marktes?
Auf absehbare Zeit ist dies die Schweiz. Im Wissen, dass auch ohne Entwicklung der DOHA-Runde zunehmende Importe die Inlandproduktion mehr und mehr verdrängen werden, ist die Fleischbranche daran, Exportmöglichkeiten abzuklären. Erfolge in diesem Bereich sind für uns Produzenten enorm wichtig, denn über kurz oder lang werden die Grenzen durchlässiger. Persönlich bin ich überzeugt, dass mittelfristig der EU-Markt genutzt werden muss und er uns wenigstens die Möglichkeit bietet, die Produktionsmenge zu halten oder sogar auszubauen. Ohne Freihandelsabkommen wären die Barrieren jedoch zu hoch. Ich will gerne wiederholen was wir bieten müssen, aber auch können: Hohe sensorische Qualität, skandalfreie Produktion, d.h. rückstandsfrei, aus tiergerechter Haltung und dass die ganze Produktion rückverfolgbar ist. Erfolgreiche Exportstrategien hängen aber stark von den Ideen der Fleischindustrie ab. Ihre Produkte müssen ihren Kunden munden. Man hört es immer wieder. Der Schweizer Produzent sei nur im Premiumsegment konkurrenzfähig. Dies stimmt nicht, auch wenn es hundertfach wiederholt wird. Sind doch genau die Punkte, die das Label abheben (Arbeit, Gebäude, etc.) im Ausland um einiges billiger als bei uns. Was kann der Thurgauer Schweineproduzent auch in Zukunft verkaufen? Nicht ohne Grund habe ich meinen Artikel mit den Konsumenten begonnen. Ihr Verhalten und unser Eingehen auf dasselbe ist der Schlüssel zum Erfolg. Wenn die Rahmenbedingungen sich nicht verschlechtern, hat die Schweinehaltung in unserm Kanton eine ordentliche Zukunft. Persönlich würde ich mich auf die konventionelle Produktion ausrichten. Sollte der Labelmarkt neue Chancen bieten, sind genügend Labelställe vorhanden, wo zurzeit konventionell produziert wird und man sofort wieder auf Labelproduktion wechseln könnte.

Ueli Niklaus, Engwilen


Das Kaufverhalten der Konsumenten bestimmt die «richtige» Produktionsform. (lbbz)
Das Kaufverhalten der Konsumenten bestimmt die «richtige» Produktionsform. (lbbz)