Ausgabe Nummer 45 (2008)

zurück zur Übersicht

Wellness für Kuh und Melker

ART Tänikon testet zwei Prototypen des neuen Melksystems Multilactor

Mit dem neue Melksystem Multilactor können Rückenschmerzen, Sehnenscheidenentzündung und Tennisarm beim Melker reduziert werden. Hoher Ausmelkgrad der Kühe.

«Das neue Melksystem ist Wellness für Kuh und Melker», frohlockte Jakob Maier, Erfinder des neuen Melksystems Multilactor (ein Produkt der Siliconform GmbH & Co. KG, Türkheim/Deutschland), an der Pressekonferenz in der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz- Tänikon ART Tänikon. Nach der Identifizierung der Kuh schwenke der Multilactor automatisch in die Ansetzposition direkt vor das Euter. Damit werde ein leichtes rückenschonendes Ansetzen der Melkbecher mit nur einer Hand möglich. Pro Arbeitsschritt müsse der Melker nur je 300 Gramm bewegen. Durch schonende Vorstimulation werde bei der Kuh Entspannung und Melkbereitschaft erzeugt. Nach Maiers Angaben sorgt der Aktuator für ein stimulierendes Melken ohne Irritation der Zitzen. Die Unabhängigkeit der Melkbecher gewährleiste eine absolut gleichmässige Gewichtsverteilung. Niedrigvakuum und viertelindividuelle sequenzielle Pulsation ermögliche ein perfektes, tierschonendes Ausmelken. Das erspare Arbeitszeit. Die Melkbecher werden vollautomatisch und sanft ohne Berührung des Melkstandbodens abgenommen. Nach Melkende werden die Melkbecher elegant in das Magazin eingezogen.

Zeiteinsparungen auch bei Reinigung
Die Reinigung und Desinfektion erfolge automatisch. Desinfektionsflüssigkeit und Wasser würden aufgefangen und kontrolliert abgeführt. Als weiteren Vorteil nennt Maier, dass keine Übertragung von euterpathogenen Keimen durch die Melkmaschine weder von Zitze zu Zitze noch von Tier zu Tier möglich sei. Auch mit der vollautomatischen Reinigung könne Arbeitszeit eingespart werden. Das Melksystem Multilactor kann auf Autotandemmelkstände und Melkkarussell aufgesetzt werden. Erste Prototypen seien im Einsatz und funktionieren seit rund anderthalb Jahren einwandfrei. Die ART Tänikon teste seit Juli zwei Prototypen im Dauerbetrieb.
Laut Matthias Schick, Leiter Forschungsgruppe Bau, Tier und Arbeit an der ART Tänikon und Doktorandin Maren Kauke ist das Melken trotz technischen Fortschritts noch immer Schwerstarbeit. Bis jetzt musste der Bauer das bis zu 3,5 Kilogramm schwere Melkzeug bei ausgestrecktem Arm unter das Euter halten. Obschon das nur wenige Sekunden daure, reiche regelmässig wiederkehrende grosse statische Belastung aus, um Personen arbeitsunfähig zu machen. Diese Arbeitsweise führe bei Melkerinnen und Melker zu Rückenschmerzen, Sehnenscheidenentzündungen und Tennisarm. Wie Kauke erklärt, beginnen im kommenden Monat mit Fragebogen weitere Versuche zur Erfassung der Arbeitsbelastung von Melkerin und Melker.

Mario Tosato



Besichtigung des Multilactors
Die Besichtigung des Multilactors in der ART Tänikon ist nach Voranmeldung möglich. Auskunft erteilt: Maren Kauke, Bau, Tier und Arbeit, Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART Tänikon, 8356 Ettenhausen.
E-Mail: maren.kauke@art.admin.ch
Telefon 052 368 33 21


Seit Juli testet die ART Tänikon zwei Prototypen des neuen Melksystems Multilactor. (tos, Bild: ART)
Seit Juli testet die ART Tänikon zwei Prototypen des neuen Melksystems Multilactor. (tos, Bild: ART)