Ausgabe Nummer 5 (2004)

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Weniger Fälle, aber noch keine Entwarnung

Feuerbrandsituation im Jahr 2003

 

Weniger Fälle, aber noch keine Entwarnung

 
Anlässlich der Thuro-Fachtagung in Zihlschlacht wurde auch über den Stand der Dinge in Sachen Feuerbrand orientiert. Zwar war 2003 ein verhältnismässig ruhiges Jahr.
Allerdings wurde im Feldobstbau eine Zunahme der Fälle festgestellt.

Der Thurgau, der wichtigste Obstbaukanton der Schweiz, wurde vom Feuerbrand im Jahr 2000 sehr hart getroffen. Die Krankheit trat damals zum ersten Mal grossflächig im Kernobst auf und führte zu grossen Schäden. Um den bedeutenden Obstbau erhalten zu können, wurden in der Folge rigorose Vorbeuge- und Bekämpfungsmassnahmen eingeführt. Einerseits wird mit dem totalen Anbauverbot von Feuerbrand-Wirtspflanzen (mit Ausnahme des Kernobstes) mittelfristig die Dichte von Wirtspflanzen und damit das Infektionsrisiko gesenkt, andererseits können mit dem Instrument des Pflanzenschutzfonds unbürokratisch durch finanzielle Abgeltungen die Bekämpfungsmassnahmen rasch, effizient und umfassend durchgeführt werden. Um diese ergänzenden Instrumente beneiden uns andere Kantone und Nachbarländer. Dank der in der Vorbeugung und Bekämpfung getroffenen Massnahmen ist es gelungen, den Feuerbrand nach der Katastrophe des Jahres 2000 zurückzudrängen. Sowohl im Erwerbsobstbau als auch im Feldobstbau konnten deutliche Befallsreduktionen erzielt werden, was bei der für den Thurgau typischen Verzahnung von Siedlungsgebiet und Landschaft mit den entsprechenden Wirtspflanzen nicht selbstverständlich ist. Auch die Schäden in den Privatgärten haben sich vermindert. Von dieser Entwicklung profitiert nicht nur der Obstbau, sondern auch der Gartenbesitzer und alle, welche das schöne, landschaftsprägende Bild mit Hochstamm-Feldobstbäumen schätzen. Eine Übersicht über die Entwicklung der Feuerbrandfälle in Erwerbsanlagen und im Feldobstbau liefern nebenstehende Tabellen.

Entwicklung des Feuerbrandbefalls in Obstanlagen im Thurgau seit 2000

Jahr Anzahl Parzellen
mit Befall
Fläche
mit Befall
ha
Befall
> 15%
ha
Befall
8 bis 15%
ha
Befall
< 8%
ha
Rodungen
ha
2000 151 405 242,0 65 98,0 25,0
2001 40 50 0,5 0 49,5 0,5
2002 13 15 1,0 0 14,0 1,0
2003 10 12 0,9 0 11,0 0,9


Befall an hochstämmigen Obstgehölzen

Jahr Apfel
Stück
Birne
Stück
Quitte
Stück
Total
Stück
2000 2445 135 273 2853
2001 18 76 21 115
2002 3 22 70 95
2003 75 138 102 315


Weniger Gemeinden mit Befall
Wie aus der Grafik zu entnehmen ist, hat die Zahl der Gemeinden, in welchen im vergangenen Jahr kein Feuerbrandbefall festgestellt wurde, zugenommen. In 14 Gemeinden wurde nur Einzelpflanzenbefall oder Befall an einem einzelnen Ort (zum Beispiel eine Cotoneasterböschung) entdeckt. Befall über mehrere Pflanzenarten und in höheren Stückzahlen weisen nur gerade die Gemeinden Münchwilen, Sirnach und Hauptwil-Gottshaus auf. Ausser beim Weissdorn, wo oft mehrere Pflanzen beieinander befallen sind, liegen die Befallszahlen bei den nicht obstbaulich genutzten Arten auf tiefem Niveau. Diese erfreuliche Tendenz zeigt auf, dass die Rodungen in den Vorjahren den Infektionsdruck deutlich senken. Noch ist das Feuerbrandbakterium «Erwinia amylovora» aber fast überall vorhanden. Die Bekämpfung darf deshalb jetzt nicht nachlassen.





Kontrolle nicht vernachlässigen
Es ist anzumerken, dass einzelne Gemeinden dem Feuerbrand nicht die nötige Aufmerksamkeit zukommen lassen. Eine Gemeinde führte im Siedlungsgebiet überhaupt keine Kontrolle durch. Für die Hochstamm-Feldobstbäume sind in Höhenlagen über 500 m ü. M. die Infektionsbedingungen günstiger, weil die Blüte später ist und dadurch die Temperaturen bereits höher sind. Dies wurde auch in Österreich und Deutschland beobachtet. Die Erfahrungen seit dem Jahr 2000 bezüglich Rodung oder Rückschnitt zeigen einen klaren Trend. Bei Apfelbäumen ist der Rückschnitt meistens erfolgreich, auch wenn ein relativ starker Befall vorliegt. Bei Birnen hingegen trifft dies nicht zu. Verschiedene Rückschnittversuche haben gezeigt, dass auch ein sehr starker Rückschnitt meist nicht verhindert, dass erneuter Befall auftritt. Dies traf auch zu, wenn nur ein einzelner Ast Feuerbrand aufwies. Bezüglich Sortenanfälligkeit bestehen im Feldobstbau grosse Unter-schiede. Gelbmöstler, Oberöstereichische Weinbirne, Biessenhofer und die Metzer Bratbirne (Metzgers Mostbirne, Grüne Jagdbirne) sowie Egnacher Mostbirne und Kellers Mostbirne sind sehr anfällig. Bei den Apfelsorten scheint ein Zusammenhang zwischen Monilia- und Feuerbrandanfälligkeit zu bestehen. Die Sorte Blauacher EFA scheint sehr anfällig zu sein. (mgt/hil)


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