Ausgabe Nummer 11 (2010)

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Wenn der Klauenschneider kommt

Zwischen 100 und 150 landwirtschaftliche Betriebe im ganzen Kanton Thurgau – darunter auch das Hohe Haus in Märstetten – bekommen jährlich zweimal Besuch von Edith und Werner Renfl er aus Niederwil. Sie gehören schweizweit zu den wenigen, die das Klauenschneiden noch hauptberufl ich ausüben.

 

Ein Jeep mit einem Anhänger fährt vor den Laufstall des Hohen Hauses. Schnell haben Edith und Werner Renfl er die beiden Klauenstände vom Anhänger abgeladen, das Werkzeug bereit gelegt und den Winkelschleifer am Strom angehängt: die Arbeit kann beginnen. Bei den ersten beiden behandelten Tieren tropft Blut auf den Betonboden vor dem Stall. «Bäri», der Hund des Klauenschneiders, leckt es vom Boden auf: «Das ist aussergewöhnlich, und Schuld an dieser Verletzung ist eine Zwischenwarze», bemerkt Renfl er, der die Wunde fachmännisch verbindet und beim Huf eines anderen Tieres ein Holzklötzchen als entlastende Stehhilfe aufklebt.

 

Regelmässige Pflege

Ruhig führen Tatjana und Herbert Heer die Kühe aus ihrem Laufstall und sprechen ihnen zu, wenn sie sich angstvoll vor dem Anbinden der Beine im Klauenstand wehren. Mindestens zweimal jährlich gilt es, die Kühe mit Winkelschleifer und Klauenmesser zu «schuehne», wie der Klauenschneider seine Arbeit nennt. «Wichtig ist das Hohlschneiden, sonst stehen die Tiere auf den Ballen», erklärt Renfl er, der an einem Tag zwischen 50 und 100 Tieren, manchmal jedoch auch nur 30 Tieren, die Tragwände der Klauen zurück schneidet. Diese tragen das ganze Gewicht der Kühe im Laufstall, welche auf harten Böden, Einstreu oder Morast stehen. Geschickt schneidet Renfl er mit seinem Winkelschneider und dem gut geschliffenen Messer das Tothorn von den Hufen. «Die Tiere stehen oft an Orten, welche vielerlei Keime enthalten und sie krank machen können», weiss der Klauenschneider aus Erfahrung. Ungepfl egte Klauen können deshalb eine Brutstätte für Krankheitserreger und eingedrungene Keime sein und können zu Entzündungen führen.

 

Werner Lenzin