Ausgabe Nummer 19 (2004)
Wenn es feuchter wird, gehts los
| Pilzkrankheiten und Schädlinge in Kern- und Steinobst |
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Wenn es feuchter wird, gehts los
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| Die bisherige Situation bezüglich pilzlicher Infektionen im Kern- und Steinobst war durch die meist nur örtlichen und kleinen Niederschlagsmengen bei gleichzeitig raschem Abtrocknen und mässigen Temperaturen gering. Mehltauinfektionen an Knospenaustrieben können bei einigen Sorten beobachtet werden. Dies kann bei günstigen Infektionsbedingungen zu stärkerem Primärbefall führen. | ||||||||
| Sollte es bis zum Erscheinen dieser Meldung gemäss Wetterprognosen stärker regnen und dadurch längere Blattnasszeiten verursachen, ist bei allen Obstarten ein Schutz gegen Pilzkrankheiten notwendig. Besonders beim Apfelschorf ist mit einem hohen Ascosporenausstoss zu rechnen. Sind bei Apfel und Birne nicht kurz vor dem Regen Fungizide ausgebracht worden, sollte bei der nächsten Spritzgelegenheit ein Fungizid ausgebracht werden, das eine begonnene Infektion abstoppen kann. Folgende Produkte werden gegenwärtig empfohlen: Stroby, Flint, Vision sowie die SSH-Produkte Systhane C, Rondo DG, Colt Elite, Pomstar C, Slick und Nustar DF sollen nur in Kombination mit Delan 500 SC ausgebracht werden. Tendenzmässig können die SSH-Produkte eine erfolgte Infektion etwas länger abstoppen, maximal drei bis (vier) Tage. Kann aus irgendeinem Grund länger nicht behandelt werden, sollte mit rein vorbeugenden Mitteln (Delan, Captan) in kurzen Intervallen von fünf bis sechs Tagen weiterbehandelt werden. Bei Birnen erfolgen bei Regen Infektionen durch den Birnengitterrost. Die beiden Fungizide Flint und Slick können gegen diesen Pilz eingesetzt werden. Bei starken Infektionen sollte die Umgebung nach befallenen Wacholderbüschen abgesucht werden. Bei Kirschen und Zwetschgen sind Infektionen durch den Schrotschuss und die Zweigmonilia möglich. Möglichst Mittel wählen, welche gegen beide Krankheiten wirken wie zum Beispiel SSH-Mittel oder SSH in Kombination mit Delan SC. Alternativen sind Amistar und Flint. Bei Amistar sind die Hinweise betreffend Spritzenreinigung zu beachten. Bereits Rückstände können beim Kernobst Schäden verursachen (Phytotox). Feuerbrand und Birnblütenbrand Die Temperaturen waren bisher so tief, das die Bakterienvermehrung des Feuerbranderregers auf tiefem Niveau war. Die Infektionsgefahr steigt erst, wenn wieder höhere Temperaturen vorliegen. In zwei Obstanlagen konnten jedoch von Proben aus Cankern Bakterien isoliert werden. Gegenwärtig ist es jedoch extrem schwierig, solche Stellen zu finden. Besonders dort, wo letztes Jahr Befall vorhanden war, sollten die Bäume an der Stammbasis genau beobachtet werden. Je nach Blühverlauf und Witterung sind die Mittel Biopro und Serenade noch einzusetzen. Der Birnblütenbrand, ebenfalls eine Bakterienkrankheit, hat dieses Jahr die Blüte durch das trockene Wetter weitgehend verschont. Noch sind aber Infektionen möglich. Aliette oder Mycosin weiterhin einsetzen. Läuse und Sägewespen Nach der Blüte sollte unbedingt eine Schädlingskontrolle durchgeführt werden. Einerseits können damit bereits erfolgte Behandlungen überprüft, andererseits die aktuelle Befallssituation erhoben werden. Beachtung ist den Läusen zu schenken. Vor der Blüte noch kaum in grösseren Populationen vorhanden, nehmen die Populationen der Mehligen Apfellaus jetzt zu, und die Blätter beginnen sich zu rollen. Bei der Sägewespe beginnen jetzt die ersten Larven aus den Eiern zu schlüpfen, sodass in der Woche 20 mit den ersten Spiralgängen auf den Früchten zu rechnen ist. Die Schadschwelle liegt bei drei bis fünf Prozent befallener Jungfrüchtchen. Eine gewisse Ausdünnung kann so erreicht werden. Ist diese Schadschwelle überschritten, sollte eine Bekämpfung erfolgen. Mit der Wirkstoffgruppe der Nitroguanide (Alanto und Gazelle) können Läuse und Sägewespe mit einer Behandlung gemeinsam erfasst werden. Diese Mittel haben ein recht breites Wirkungsspektrum über Frass und Kontakt und wirken auch auf verschiedene Arten, welche auch im Obstbau Probleme verursachen können (Zikaden, Thrips, Minniermotten). Durch diese Breitenwirkung werden auch Nützlingsarten reduziert. Die Mittelgruppe wirkt bei wüchsigen Bedingungen am besten. Die Applikationen sollten die Populationen im frühen Stadium erfassen. Behandlungen sind deshalb möglichst Nahe an die Blüte zu führen (kein Bienengift). Produkte aus dieser Gruppe unterliegen einer Einsatzbeschränkung auf maximal zwei Applikationen pro Saison und höchstens einmal auf denselben Zielorganismus. Spinnmilben, Rostmilben am Kernobst und Zwetschgen In den letzten Jahren treten Spinnmilben in den einzelnen Betrieben sehr unterschiedlich stark auf. Die Schonung der Raubmilben bei der Mittelwahl ist wichtig, ebenso die Zusammensetzung des Sortenspiegels. Bei der Bekämpfung spielt die Mittelwahl eine grosse Rolle, denn die meisten Wirkstoffe erfassen nicht alle Milbenstadien. Bei der Nachblütenkontrolle liegt die Schadschwelle bei zehn Prozent befallenen Blättern. Von den neuen Sorten wird Braeburn gerne befallen. Bei den neueren Zwetschgensorten (Sharka-tolerant) ist das Blatt ganz anders als bei unseren Tafelsorten. Sowohl Milben wie Läuse treten deutlich weniger in Erscheinung. Trotzdem ist nach der Blüte auch hier eine Kontrolle angezeigt. Wird bei Kern- oder Steinobst Schwefel gegen Mehltau oder Schrotschuss eingesetzt, werden Milbenpopulationen dezimiert. Gezielte Behandlungen gegen Spinn- und Rostmilben erfolgen zirka 14 Tage nach der Blüte. Bei der Mittelwahl Wirkungsspektrum beachten. Schalenwickler bei Birnen, Apfelwickler Bei Birnen wird der Schalenwickler in der Regel erst nach der Blüte behandelt. Verschiedene Möglichkeiten stehen zur Verfügung: Stewart, Match (Nebenwirkung auf Rostmilben bei Birne kaum vorhanden) Mimic und Prodigy wirken alle gegen Schalenwickler, Eulenraupen und Spanner, sofern sie nicht bereits verpuppt sind. Beim Apfelwickler wurden in Pheromonfallen die ersten Falter gefangen. Gemäss Prognosemodell der FAW Agroscope sind jetzt zwei Prozent der weiblichen Falter geschlüpft. Pheromonfallen und Dispenser für die Verwirrungstechnik sollten, wenn nicht bereits erfolgt, sofort ausgebracht werden. Andere Bekämpfungsmassnahmen sind noch nicht nötig. LBBZ Arenenberg, Fachstelle Pflanzenschutz und Ökologie, Urs Müller, Telefon 071 663 33 04 |
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