Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
12. Oktober 2018


Wer ernährt die Welt?

Ausgabe Nummer 20 (2015)

Im Rahmen der Helvetas-Ausstellung «Wir essen die Welt» im Naturmuseum TG diskutierten Fachleute Anfang Mai an einem öffentlichen Anlass darüber, wie die Weltbevölkerung mit neun Milliarden Menschen im Jahr 2050 ernährt werden kann.

So unterschiedlich die Meinungen und Standpunkte der von Regula Zehnder, Journalistin SRF, moderierten Podiumsdiskussion von Anfang Mai in der Kantonsbibliothek in Frauenfeld auch waren: Einig waren sich deren Teilnehmer Urs Schneider, stv. Direktor SBV; Conradin Bolliger (Leiter Nachhaltigkeits- Eigenmarken Coop); Regina Ammann (Leiterin Public Policy, Syngenta) und Peter Schmidt (Agronom, Beratungsdienst Helvetas) darin, dass bei einem sinnvollen Umgang mit den Ressourcen auch 2050 genug Lebensmittel vorhanden sind. Für eine nachhaltig produzierende Landwirtschaft sei es besonders wichtig, dass die Saatgutvermehrung in den Händen der Bauern bleibt. Es brauche eine ganze Palette von Massnahmen, um die Nachhaltigkeit der Lebensmittelproduktion zu verbessern. Insbesondere bei der Thematik «Food Waste» bestehe diesbezüglich noch sehr viel Potenzial, hier stünden aber auf jeden Fall die Konsumenten in der Mitverantwortung. Peter Schmidt hob die weltweite Bedeutung von fairen Erlösen für die Landwirte hervor.
Urs Schneider bezeichnete die SBV-Kampagne von 2014 im Jahr der bäuerlichen Familienbetriebe als einen Schritt in die richtige Richtung, um die Konsumenten einmal mehr für diese Thematik zu sensibilisieren. Ein Fazit der Diskussionen lautete, dass der Detailhandel nachhaltige und ökologische Produkte nicht uneigennützig vermarktet. In diesem Zusammenhang sei es wichtig, dass diese Strategie künftig noch viel breiter geführt werde, damit auch die Bäuerinnen und Bauern davon profitieren.
Regula Zehnder beendete den Themenabend mit der an die Podiumsteilnehmer gerichteten Frage, was jeder Einzelne zur Nachhaltigkeit beitrage.

Nachhaltiges Handeln
Conradin Bolliger sagte, dass seine Familie auf einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln achte, wobei nicht «Bio» im Vordergrund stehe. Sein Beitrag sei, etwas weniger Fleisch zu essen. Aber es brauche auch künftig die Rauhfutterverwerter, respektive eine graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion. Peter Schmidt betonte, dass er regionale und saisonale Produkte bevorzuge. Als Agronom erachte er es als seine Lebensaufgabe, sich für die Bauern zu engagieren. Und an das Publikum gerichtet, appellierte er, dass es jeder Einzelne in der Hand habe, sich für eine ökologische und weltoffene Schweiz einzusetzen.
Urs Schneider erklärte, dass sich seine Familie regionale und saisonale Produkte von hoher Wertigkeit leiste. Er betonte, dass der SBV versuche, immer wieder aufs Neue die Wertigkeit der Lebensmittel ins Zentrum zu rücken. Er sei überzeugt, dass diese Bestrebungen durchaus erfolgreich sind und die Zeit für die Landwirtschaft arbeite. Der SBV stehe mit seiner Initiative für Ernährungssicherheit dafür ein, dass der Selbstversorgungsgrad zumindest erhalten bleibe.
Regina Ammann sagte, sie versuche selbst, beim Einkaufen nachhaltige Produkte auszuwählen. Sie bezeichnete die Flut an Labels eher als irritierend und meinte, dass die Mündigkeit der Konsumenten gefördert werden müsste. Als zukunftsweisende Impulse bezeichnete sie das weltweite Interesse der Menschen an neuen Anbaumethoden, wie zum Beispiel «Urban Farming». Auch vielversprechend und als vom Nachhaltigkeitsgedanken geprägt bezeichnete sie die in Gang gesetzte kulinarische Diskussion darüber, wonach künftig vermehrt nicht mehr nur noch die «edlen» Fleischteile auf unsere Teller gelangen, sondern, wie noch Generationen zuvor, der gesamte Schlachtkörper verwertet werden sollte.


Isabelle Schwander




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