Ausgabe Nummer 48 (2010)

zurück zur Übersicht

Wer nichts sagt, stimmt zu!

Per 31. Mai wird in den Thurgauer Gemeindeexekutiven die vierjährige Legislaturperiode 2007 bis 2011 zu Ende gehen. In den kommenden Monaten stehen deshalb überall Gesamterneuerungswahlen an. In vielen Gemeinden sind einzelne Anwärter auf die Ämter des Gemeindeammanns, des Gemeinderates, der Geschäftsprüfungskommission oder der Urnenoffizianten schon bekannt, in einigen hingegen noch nicht. Sei dies, weil die Frist für die Aufnahme in die offizielle Wahlnamensliste noch nicht abgelaufen und damit noch alles offen ist, oder weil noch kein Nachfolger oder keine Nachfolgerin gefunden werden konnte. In vielen Gemeinden machen sich die politischen Parteien oder auch überparteiliche Gremien auf die Suche nach geeigneten Kandidaten. In kleineren Gemeinden, wo keine Ortsparteien aktiv sind, übernimmt diese Aufgabe oft der amtierende Gemeinderat.

Dünkt es mich nur oder wird es tatsächlich immer schwieriger, Frauen und Männer zu gewinnen, die bereit sind, sich mit öffentlichen Fragen der Gegenwart und der Zukunft ernsthaft zu befassen? Auch in bäuerlichen Kreisen, die sonst bekannt sind für ihre Verbundenheit mit dem Boden, den sie bewirtschaften, mit der Gemeinde oder der Region, in der sie leben, mache ich zwar nicht fehlendes Interesse an politischen Fragen aber doch mangelndes Engagement in politischen Gremien aus. An was dies wohl liegen mag? Zugegeben, es ist nicht immer einfach, sich nach einem langen und körperlich anstrengenden Arbeitstag für eine abendliche Sitzung aufzuraffen oder bei schönstem Wetter an einer Tagung oder Begehung teilzunehmen. Und nicht jeder kann gleich gut mit Kritik umgehen, sei sie sachlich oder nicht. Da wären noch die ewigen Nörgler und Besserwisser, die kaum etwas zur Verbesserung einer Situation beitragen und denen man nichts, aber auch gar nichts recht machen kann, aber die gibt’s ja überall, nicht nur auf dem politischen Parkett.

Den Nachrichten können wir es alle Jahre wieder entnehmen: Der Bauer und die Bäuerin sind eine aussterbende Spezies. Ich frage mich nun, wer die Interessen der Landwirtschaft in unserem Gemeinwesen vertreten soll, wenn die Bauern und Bäuerinnen nicht bereit sind, dies auch auf lokaler Ebene selber zu tun. In nächster Zukunft stehen in einzelnen ländlich geprägten Gemeinden gewichtige Entscheidungen in Sachen Raumplanung und Ökologie an. Für ebendiese wünsche ich mir bei den Neuwahlen im nächsten Jahr eine angemessene bäuerliche Vertretung in der Exekutive. Liebe Bäuerin, lieber Landwirt, es liegt auch in Ihrer Hand, sich für die landwirtschaftliche Bevölkerung in Ihrer Gemeinde einzusetzen. Wenden Sie sich an Ihren Gemeinderat und signalisieren Sie Ihr Interesse am Mitgestalten unseres Gemeinwesens. Damit wir nicht alle eines Tages im Katalog von «pro specie rara» als gefährdete Rasse aufgeführt werden müssen. Wie heisst es doch so treffend: Wer nichts sagt, stimmt dem Lauf der Dinge zu!

Andrea Heimberg Müller, eidg. dipl. Bäuerin HFP und Gemeinderätin, Hörhausen