Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Wer viel und schwer arbeitet, braucht genügend Erholungszeiten

Ausgabe Nummer 30 (2015)

In Balance: Arbeitsspitzen – Erholungszeiten?

Sommerzeit – Herbstzeit – Erntezeit!
Heuen und Emden, Getreide einbringen, Kartoffeln ernten, Obst pflücken, Konservieren, Erntezeiten sind schöne Zeiten. Sehen wir nach einem Tag intensiver Arbeit die vielen Heu- und Strohballen, die vollen Apfel- und Kartoffelkisten, das Eingemachte und die feine Konfitüre, so erfüllt uns das mit Freude und Befriedigung. In den Erntezeiten sehen wir das Resultat unserer Anstrengungen während des übrigen Jahres.
Doch Erntezeiten sind auch Ausnahmezeiten mit langen Arbeitstagen und vielen Arbeitsspitzen. Jede Bauernfamilie kennt solche arbeitsintensiven Zeiten. Reserven werden mobilisiert, machen produktiv und steigern die Leistung und wirken sich damit positiv auf das Erreichbare aus.

Kurzfristige Arbeitsspitzen – langfristige Dauerbelastungen
Arbeitsspitzen und kurzfristig absehbare Belastungen werden in der Regel nicht zum Problem, können es aber werden, wenn aus einer Arbeitsspitze eine anhaltende Dauerbelastung wird, deren Ende nicht absehbar ist. Werktags wie sonntags kommen Frau und Mann nicht mehr aus dem Arbeitsgewand. Auf dem Betrieb nimmt einem ständig etwas in Anspruch, sei es eine kalbende Kuh, eine im dümmsten Moment defekte Maschine, der drohende Regen ... Langsam schleicht sich eine zunehmend negative Stressbelastung ein, eine Arbeitsüberlastung auf Dauer. Wir fühlen uns gefangen im Hamsterrad, hilflos ausgeliefert. Weniger Arbeitsfreude, schlechter Schlaf, bis hin zu weiteren körperlichen und seelischen Symptomen wie Kopf- oder Rückenschmerzen oder Bluthochdruck sind die Folgen. Entspannung ist kaum mehr möglich, ein Burnout droht.

Arbeitsspitzen – Erholungszeiten
Nehmen wir also Arbeitsspitzen bewusst war und planen als Gegengewicht in unserem Alltag auch die nötigen Erholungszeiten ein, um so die Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Freude an der Arbeit auf Dauer zu erhalten. Entspannungsphasen sind auch wichtig, weil viele Unfälle bei Überforderung und Stress geschehen.
Das können kurze Pausen sein bei einer Tasse Kaffee, Füsse hoch lagern (auch wenn der Haushalt noch nicht perfekt ist), ein Spielnachmittag oder Cervelat bräteln für die ganze Familie, ein Ausflug in die Badi, an den Bodensee oder in die Berge.
Auch kleine Rituale nach besonders anstrengenden Zeit sind ein sichtbares Zeichen dafür, dass wieder etwas Besonderes geleistet wurde. Zudem zeigen sie die Wertschätzung für einen grossen Arbeitseinsatz, bilden ein Dankeschön für das Geleistete und schweissen zusammen. Anerkennung und Wertschätzung tun uns immer gut. Was passt am besten zu Ihnen? Ein Spieleabend für die ganze Familie? Ein feines Dessert, ein Glace oder ein Kuchen? Ein Abendspaziergang in die nächste Gartenwirtschaft mit einem Coupe? Ein kleines Erntedankfest? Ritual heisst auch, dass es immer gleich gemacht werden kann, es braucht also nicht ständig neue Ideen.

Arbeit ohne Ende?
Werden die langen Arbeitstage zur Regel, das Arbeiten ohne Pause zum Dauerzustand, täglich 14 bis 16 Arbeitsstunden, sieben Tage in der Woche, 52 Wochen im Jahr? So wird es höchste Zeit, inne zu halten, eine Zäsur zu machen und genau hinzusehen. Sind wir noch Herr über die Arbeit oder bestimmt die Arbeit uns? Haben sich ungute Gewohnheiten eingeschliffen, ohne dass wir es recht bemerkt haben?
Für unsere Arbeits- und Lebenszufriedenheit und damit unsere Gesundheit ist es wichtig, dass wir selber bestimmen und die Verantwortung übernehmen können und uns nicht den äusseren Umständen ausgeliefert fühlen.
Auf lange Sicht empfiehlt es sich, das Arbeitsvolumen, die Arbeitsaufteilung und -planung anzusehen und die Verantwortlichkeiten fest zu legen. Ist der Arbeitsumfang für einen Familienbetrieb überhaupt zu bewältigen? Oft gibt eine Aussensicht neue Impulse, wo Veränderungen möglich und nötig sind. Schieben Sie es nicht auf die lange Bank, packen Sie es an! Machen Sie Pausen, Freizeit oder eine Standortbestimmung.
Denn ein Betriebserfolg auf dem Bauernhof ist auf Dauer nur möglich, wenn es den dahinter stehenden Menschen gut geht. Eine harmonische Partnerschaft und ein erfülltes Familienleben sind keine Selbstverständlichkeit, dafür muss man sich einsetzen. Regelmässig Zeit für sich und die Familie einplanen ist daher kein überflüssiger Luxus, sondern die Basis für ein gesundes Leben und damit einen intakten und zukunftsgerichteten Betrieb.


BBZ Arenenberg,
Vreni Peter










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