Ausgabe Nummer 43 (2005)

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Werte haben noch heute ihre Bedeutung

Viele Landfrauen aus dem Thurgau besuchten den 13. Tag der Bäuerin

Werte haben noch heute ihre Bedeutung

Unter der Leitung von Alfred Noser, ehemaliger Rektor der Pädagogischen Hochschule St. Gallen, diskutierten die Bäuerinnen das Thema «Vom Wert der Werte: Was macht mein Leben lebenswert?»


Alfred Noser, Sandra Fitze und Lina Bernhardsgrütter
(v. l.) sprachen ehrlich zum Thema Werte. (tos)

Am Olmatag der Bäuerin war das Forum mit rund 300 Personen bis zum letzten Platz besetzt. Auffallend war in diesem Jahr, dass viele Bauern ihre Frauen begleiteten. «An der Schwelle zum neuen Jahrtausend stehen wir mitten im Ringen um Werte, Massstäbe, Leitplanken, Lebens- und Erziehungsmaximen», stellte Alfred Noser, ehemaliger Rektor der Pädagogischen Hochschule St. Gallen, in seinem Impulsreferat fest. Wichtig sei aber auch das Leben lernen, das Leben wagen. Lernen heisse, sich jeden Tag mit der Umwelt auseinander zu setzen. Die Devise laute aber auch «Ich muss mich etwas getrauen und etwas wagen.» Noser stellte drei Frauen vor, die Mut und Courage bewiesen. So Lea Saskia Lassner, welche mit dem Prix Courage ausgezeichnet wurde. Sie hatte nach neun Jahren den Mut, unter widerlichen Umständen eine esoterische Sekte im zentralamerikanischen Belize zu verlassen. Elisabeth Reusse-Decrey setze sich mutig ein, dass weltweit die Minen verschwinden müssen. Als dritte Frau nannte Noser die 76-jährige Elisabeth Neuenschwander, die als gelernte Damenschneiderin seit über 40 Jahren unter dem Motto «Hilfe zur Selbsthilfe» unterwegs ist. Sie zeigt den Frauen, wie sie stricken und nähen können mit Nähmaschinen und gründete Schulen, wo Buben und Mädchen schreiben, lesen und rechnen lernen.

Werteerziehung beginnt schon beim Kleinkind

Um Werte zu erhalten, sei es wichtig, dass die Werteerziehung schon beim Kleinkind beginne. «Kinder brauchen Geschichten, wo sie lernen, dass das Gute belohnt und das Schlechte bestraft wird», betonte Noser. Als gutes Beispiel nannte er das ABC der Herzensbildung von Heinrich Pesta-lozzi. Die Pädagogik des Herzens umfasse drei Stufen, nämlich: 1. Stufe «Allseitige Besorgung – Weitherzigmachen – Weckung des Vertrauens», 2. Stufe: «Das sittliche Handeln (Selbstüberwindung) und 3. Stufe: «Das Nachdenken über gemachte Erfahrungen». Als Bauernsohn stellte Noser das Wertehaus für Bäuerinnen vor, das Halt, Orientierung und Erfüllung geben soll. Das Wertehaus ist in die sechs Räume Liebesfähigkeit, Selbstständigkeit, Freundschaft, Verantwortung, Heiterkeit und Dankbarkeit eingeteilt.

Zwei Bäuerinnen erzählten aus dem Alltag

Im zweiten Teil der Veranstaltung erzählten zwei Bäuerinnen, welche Werte für sie besonders wichtig sind. So ist für die 27-jährige Sandra Fitze aus Wil, Mutter von drei Kindern, die Familie besonders wichtig. Die Familie sei der Ort der Fürsorge und der seelischen Gesundheit. Auch der Gedankenaustausch im Freundeskreis ist für sie von grosser Bedeutung. Für die 53-jährige Lina Bernhardsgrütter aus Gossau SG, Mutter von vier Kindern, haben Gesundheit, Wohlbefinden und eine intakte Familie erste Priorität. Sie schätzt es, dass sie selber denken kann und den Alltag selbstständig einteilen kann. Wichtig sind ihr Werte wie Ehrlichkeit, Vertrauen und Verlässlichkeit. Sie ist auch gerne bereit, Neues auszuprobieren.
Entsolidarisierung bereitet Sorgen
Eine Bäuerin erzählte in der abschliessenden Diskussion über ihre Erfahrung in einer Klinik und wie es ihr schwer fiel, von bis jetzt geliebten Dingen, verbunden mit einem Schuss Pingeligkeit, loszulassen. Markus Ritter, Präsident des St. Galler Bauernverbands, bereitet die zunehmende Entsolidarisierung sorgen. Er hofft, dass wichtige Werte wie Mitgefühl, zuhören, helfen, Zeit haben, in Zukunft wieder einen höheren Stellenwert erlangen.

Mario Tosato