Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Wertschöpfung in der Region erhalten

Ausgabe Nummer 46 (2015)

30. Delegiertenversammlung des Waldwirtschaftsverbandes Thurgau

Die Frankenstärke macht auch der Ostschweizer Wald- und Holzwirtschaft schwer zu schaffen: Trotzdem sind Waldeigentümer und Holzindustrie nach wie vor der Meinung, dass sich Einschlag und Verarbeitung von CH-Holz mehrfach lohnt.

Der Waldwirtschaftsverband Thurgau (WVTG) führte Anfang November in Weinfelden im Gasthaus zum Trauben seine 30. Delegiertenversammlung durch. Urban Brütsch, Präsident des WVTG, stellte in seiner Eröffnungsrede fest, dass die Auswirkungen der Aufhebung des Euromindestkurses für die Waldwirtschaft nach wie vor spürbar sind.
Um die Wertschöpfung und die Arbeitsplätze zu erhalten, akzeptierte der WVTG vorerst eine Preisreduktion. Langfristig sei es jedoch ein unhaltbarer Zustand, den einheimischen Rohstoff Holz zu solch tiefen Preisen zu vermarkten. Deshalb beschäftigte sich der WVTG mit neuen Möglichkeiten zur Finanzierung seiner vielfältigen Leistungen, welche der Wald und die Forstbetriebe bislang der breiten Öffentlichkeit fast unentgeltlich zur Verfügung stellten. Urban Brütsch informierte, dass der WVTG deshalb in der Planungsphase für ein NRP-Projekt (Neue Regionalpolitik) ist, welches Wertschöpfung und Innovationen in den Regionen fördert.
Carmen Haag, Chefin des Departementes Bau und Umwelt, betonte in ihren Ausführungen, dass die Thurgauer Regierung die Waldwirtschaft fördern und unterstützen will. Der Kanton Thurgau gehe, wenn immer möglich, mit Vorbildfunktion voran: Dies beweise z.B. der geplante Neubau des Kompetenzzentrums Bevölkerungsschutz mit Holz im «Galgenholz» in Frauenfeld. Sie wünschte, dass Bauherren und Konsumenten sich vermehrt zu einheimischem Holz bekennen.
Heinz Engler, Geschäftsführer von Holzmarkt Ostschweiz AG, thematisierte den Angebotsüberhang für Rundholz und die Notwendigkeit, das Angebot zu reduzieren. Falls sich keine Verbesserung bei Exportmengen und Preisen abzeichnet, sollte die Nutzung um 10 bis 15 % reduziert werden.

Forstliche Eingriffe in strassennahe Bestände
Daniel Böhi, Kantonsforstingenieur, präsentierte die für den Thurgau vom BAFU in Aussicht gestellten Mittel aus der «Programmvereinbarung Wald 2016– 19». Er stellte fest, dass diese insgesamt ungefähr gleich hoch ausfallen wie in der letzten Periode, nur dass diesmal die Eichenflächen nicht mehr der Biodiversität, sondern der Waldwirtschaft angerechnet werden. Bezüglich der Einführung der statischen Waldgrenze ausserhalb der Bauzonen, laufen unter der Federführung des Departementes für Bau und Umwelt, die letzten Bereinigungen. Aus der Hälfte der Gemeinde kamen Einsprachen, die in einer 2. Auflage per Ende Oktober 2015 grösstenteils bereinigt wurden. Daniel Böhi thematisierte das «Projekt Sicherheitsholzerei» entlang der Kantonsstrassen. Hier sind die Rechtsgrundlagen nun geklärt. Für den Unterhalt ist das Tiefbauamt verantwortlich. Unter anderem braucht es auch forstliche Eingriffe in die strassennahen Bestände. Seitens des Tiefbauamts wurden die prioritären Strassenabschnitte gemeldet. Fallweise wird bestimmt, welche Bäume kritisch sind und entfernt werden müssen. Die Anzeichnung erfolgt durch den Forstdienst, es sollen keine Schneisen entstehen. Zentrale Voraussetzung für einen Eingriff ist das Einverständnis des Waldeigentümers. Die Abrechnung erfolgt über das Forstamt, der Holzerlös fliesst in das Projekt zurück. Für den Waldeigentümer fallen keine Kosten an, er erhält eine Entschädigung pro Kubikmeter.
Markus Brunner, Direktor des Waldwirtschaftsverbandes Schweiz zog in seinen Ausführungen das Fazit, dass der Verband den Wechselkurs nicht beeinflussen, jedoch auf politischer Ebene bewirken kann, dass nicht noch mehr Auflagen erfolgen.


Isabelle Schwander




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