Thurgauer Bauer

Aktuelle Ausgabe vom
13. Juli 2018


Wertvolle Schlüsselqualifikationen erworben

Ausgabe Nummer 8 (2016)

33 Frauen feierten Mitte Februar den Abschluss der modularen Weiterbildung «Ernährung, Hauswirtschaft, Bäuerin» am BBZ Arenenberg. Christine Bühler, Präsidentin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes, gratulierte persönlich und hielt die Festrede.

Rund zwei Drittel der Absolventinnen der modularen Weiterbildung «Ernährung, Hauswirtschaft, Bäuerin » 2015/16 stammen aus dem landwirtschaftlichen Umfeld. An diesem Kurs nahmen 15 Frauen im Alter zwischen 18 bis 25 Jahre, elf Frauen zwischen 26 bis 40 Jahre sowie sieben Frauen ab 40 bis 57 Jahren teil. Sehr vielfältig erscheint im Klassenspiegel der Absolventinnen auch die Palette ihrer Berufe: Sie reicht von gewerblichen Berufen (zum Beispiel Köchin, Bäckerin/Konditorin, Zierpflanzengärtnerin) bis zu pflegerischen (zum Beispiel Fachfrau Betreuung/ Richtung Kleinkind) bis hin zu kaufmännischen Berufen und einer Maturandin (Mathematik/Physik). Sybille Roth, Leiterin Weiterbildung Ernährung, Hauswirtschaft, Bäuerin am BBZ Arenenberg, hob in ihrem Bericht hervor, dass insgesamt 194 Prüfungen abgelegt wurden. Der Notendurchschnitt lag mit 4,9 nur wenig unter jenem des Vorjahres (5,0). Ein erster Teil der Modulprüfungen wurde bereits im November 2015 abgelegt. Acht Absolventinnen nutzten das Angebot des Internatbetriebes am Arenenberg. Der Beginn der Weiterbildung ab August 2015 stand für die Teilnehmerinnen unter dem Motto der «Schlüsselsuche », im Sinne des Erwerbs von Schlüsselqualifikationen für eine moderne, effiziente, ökologische und ökonomische Hauswirtschaft. Mittels einer Fotodokumentation veranschaulichten zwei der Absolventinnen, stellvertretend für alle Teilnehmerinnen dieser Klasse, an der Schlussfeier ihre Eindrücke vom letzten Halbjahr.

Berufliche und soziale Kompetenzen
In besonderer Erinnerung blieben den Absolventinnen die Betriebsbesichtigungen bei der «Bodensee Wäscherei» sowie auf einem Pouletmastbetrieb. Als ideal für die Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls wurde die Organisation eines Kleinfestes im Modul «Feste und Gäste» mit dem Motto «Heidi und Peter» erlebt. Für die Absolventinnen eröffneten sich Haushalt und Garten als ein spannender Mikrokosmos, in dem es tausend Dinge zu entdecken und mitzugestalten gilt. Christine Bühler, Präsidentin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes, gratulierte den Frauen zur erfolgreich absolvierten Weiterbildung. In ihrer Rede nahm sie einen Rückblick auf ihren eigenen beruflichen Werdegang vor. Sie schilderte unter anderem ihre anfängliche Unsicherheit und ihr Bestreben, den Ansprüchen der Kinder, des Ehemannes und dem persönlichen Umfeld vollends gerecht werden zu wollen. Sie habe erfahren, wie eine gute, fundierte Ausbildung dazu beitrage, das Wissen um die eigenen Rechte wahrzunehmen und/ oder seine eigenen Projekte umzusetzen. Christine Bühler bezeichnete Frauen, und insbesondere Bäuerinnen, symbolisch gesehen als «Dreh- und Angelpunkt » zwischen Familie und Betrieb und zwischen Produzenten und Konsumenten. Es löse bei ihr negative Emotionen aus, wenn in der öffentlichen Meinung gelegentlich der Vorwurf geäussert werde, die Schweizer Landwirtschaft produziere nicht marktkonform.

Sich selbst Sorge tragen
Christine Bühler räumte ein, dass es Kritikpunkte an der Landwirtschaft gebe, denen man ansatzweise zustimmen könne. Aber die Behauptung, die einheimische Landwirtschaft produziere «am Markt vorbei » treffe sicher nicht zu. Die Untersuchungen zum Einkaufsverhalten «ennet der Grenze» zeigten es deutlich: Die Schweizer Konsumenten kaufen überwiegend Non-Food-Artikel im benachbarten Ausland ein, jedoch nicht erster Linie Lebensmittel. Die einheimischen Erzeugnisse würden nach wie vor von einer breiten Bevölkerungsschicht geschätzt. Sie plädierte dafür, mit Selbstbewusstsein hinter den einheimischen Produkten zu stehen, diese hätten viele Vorzüge. Sie bezeichnete die Funktion der eingangs erwähnten «Dreh- und Angelpunkte» als «Teile», die durch Überbeanspruchung von Abnutzung gefährdet sind. «Euch Sorge zu tragen, darauf müsst ihr selbst ein Augenmerk haben, das könnt ihr nicht von eurem Umfeld erwarten. Der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband – und der Thurgauer Landfrauenverband – halten für euch Frauen ‹Pflegemittel› bereit, in Form von Angeboten zur Weiterbildung, Kontaktpflege unter Gleichgesinnten, und mit Auskünften plus einem wertvollen Netzwerk », betonte Christine Bühler. Sie beendete ihre Ansprache mit einem Sprichwort von Friedrich Schiller, das ihr besonders gut gefällt: «Die wahren Optimisten sind nicht überzeugt, dass alles gut gehen wird. Aber sie sind überzeugt, dass nicht alles schiefgehen wird.» In diesem Sinne gratulierte sie den Absolventinnen und wünschte ihnen Erfolg, Ausdauer und gelegentlich auch einen «breiten Rücken».


Isabelle Schwander
















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